Einige Schweizer Banken gehen nach Angaben der Finanzaufsicht Finma im Kampf um neue Kundengelder hohe Geldwäsche-Risiken ein. «Man kann feststellen, dass gewisse Banken ihre Risikobereitschaft im Bereich der Geldwäscherei erhöht haben», sagte Finma-Direktor Mark Branson der Schweizer «Sonntagszeitung».

Die Aufsichtsbehörde habe ein Warnsystem für Geldwäsche eingerichtet. «Rund 15 Banken sind hier im roten Bereich.» Auch eine Grossbank sei dabei.

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Entzug der Banklizenz droht

Statt extrem hohe Bussgelder zu verhängen, setze die Finma darauf, «gezielt gegen fehlbare Banker vorgehen», sagte Branson. So sei die mit Geldwäsche-Vorwürfen im Zusammenhang mit dem malaysischen Staatsfonds 1MDB konfrontierte Falcon Bank nur «haarscharf am Entzug der Banklizenz» vorbeigekommen. Das neue Management habe eine Chance verdient.

«Im Wiederholungsfall droht aber klar der Entzug der Bewilligung.» Die Finma zieht bei Falcon den unrechtmässig erzielten Gewinn von 2,5 Millionen Franken aus Geldwäschegeschäften ein.

Interessenskonflikt im Audit-System

Branson hat ausserdem angeregt, das Audit-System bei Schweizer Banken anzupassen. Er ortet einen Interessenkonflikt der Prüfgesellschaften und Optimierungsbedarf im Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Prüfgesellschaften, die auffälliges Verhalten der Banken der Finma melden müssen, erhalten heute ihr Mandat direkt von den Banken und werden auch von diesen bezahlt. Ein gewisser Interessenkonflikt sei dabei nicht wegzureden, sagte Finma-Direktor Branson. Er fände es «keine schlechte Idee, wenn anstelle der Banken die Finma die Mandate an Prüfgesellschaften vergeben könnte».

Kosten-Nutzen-Verhältnis verbessern

Auch könnte das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Aufsichtsprüfung, für die die Finanzindustrie jährlich rund 110 Millionen Franken ausgebe, noch verbessert werden. Dazu müsste allerdings das Gesetz geändert werden, wofür politisch kein grosses Bedürfnis vorhanden zu sein scheine.

Das System habe sich über Jahre in der Schweiz etabliert. Aus dem Ausland gebe es allerdings Kritik daran.

(sda/reuters/me)