Superreiche in China verkaufen zurzeit ihre Rolex-Uhren und Hermès-Taschen. Das drückt die Preise für gebrauchte Luxusgüter in die Tiefe.

So haben auf dem Sekundärmarkt mehr als ein Dutzend Marken von Luxusuhren und -taschen zwischen 20 und 50 Prozent ihres Wertes verloren, wie die «Financial Times» schreibt.

Hintergrund dieser Entwicklung ist die radikale Corona-Strategie: So hat die chinesische Finanz- und Handelsmetropole Schanghai im März eine strenge Abriegelung verhängt. Dieser Lockdown hat insbesondere Kleinunternehmern getroffen.

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Diese legten in besseren Zeiten oft grosse Sammlungen von Luxusgütern an. Doch die wiederholten Schliessungen haben ihren Geldfluss beeinträchtigt.

Gebrauchte Rolex Submariner 46 Prozent günstiger

Watcheco, ein Branchenportal für gebrauchte Luxusuhren, berichtete, dass der Preis für gebrauchte Rolex Submariner – ein von Kennern und Sammlern begehrtes Modell – seit März um 46 Prozent gefallen ist.

Auch die Händler von Luxustaschen in Schanghai und Hangzhou haben im gleichen Zeitraum die Preise für Klassiker wie die Hermès Birkin um bis zu einen Fünftel gesenkt, wie es weiter heisst.

Pfandhäuser und andere Wiederverkäufer von Luxusgütern berichteten von einem starken Anstieg der Kundenzahl, angeführt von bargeldgeplagten Geschäftsinhabern, die darum kämpfen, Kapital zu beschaffen, um Schulden zu tilgen und ihre Geschäfte am Laufen zu halten.

Patek Philippe verkaufen, statt für die Kinder aufbewahren

«Die Zeit des Booms ist vorbei», sagte James Wang, ein Verkäufer von gebrauchten Luxusuhren in der östlichen Stadt Nanjing, gegenüber der «Financial Times». Man trete nun in eine Korrekturphase ein, die lange andauern könnte.

Wang sagte, er habe allein im Juli sechs Patek-Philippe- und 29 Rolex-Submariner-Uhren von notleidenden Besitzern gekauft, verglichen mit keiner Patek Philippe und fünf Rolex Submarinern im ersten Quartal dieses Jahres.

«Bei Patek Philippe heisst es, dass man die Uhr nie wirklich besitzt, sondern sie nur für die nächste Generation aufbewahrt», so Wang. In einer Wirtschaftskrise sei dies aber nicht der Fall.

Das chinesische Verbrauchervertrauen ist schwach

Shaun Rein von China Market Research, einem in Schanghai ansässigen Beratungsunternehmen, sagte, der plötzliche Anstieg des Angebots und der daraus resultierende Preisverfall bei Luxusgütern aus zweiter Hand sei ein Beweis für ein «sehr schwaches Verbrauchervertrauen».

Es sei wahrscheinlich das schwächste, das er in seinen 25 Jahren in China gesehen habe, so Shaun.

Einige Luxusgüterinvestoren argumentierten, dass der jüngste Preisrückgang nach einem nicht nachhaltigen Anstieg vom März unvermeidlich war.

In den sechs Monaten vor der Abriegelung Schanghais stiegen die Preise für gebrauchte Rolex Submariner um 240 Prozent. Dieselben Taschenhändler, die kürzlich ihre Verkaufspreise in Schanghai und Hangzhou senkten, taten dies nur wenige Monate nachdem sie die Preise zu Beginn des neuen Jahres erhöht hatten.

Sam Xue, ein Uhreninvestor, der eine Fabrik für elektrische Heizgeräte in der östlichen Stadt Wuxi besitzt, sagte, die Preiserhöhungen seien «reine Spekulation» und nicht tragbar.

«Die schwache Wirtschaft kann einen Luxusboom nicht unterstützen», sagte Xue und fügte hinzu, dass er keine Luxusuhren mehr kaufen würde, wenn die Preise nicht um weitere 30 Prozent fallen würden.

(bsc)