Der Freitag war ein Tag der Superlative an den weltweiten Märkten. Nur leider waren es negative Rekorde, die aufgestellt wurden. Der Dow-Jones-Index verlor fast 500 Punkte auf ein neues Jahrestief, und der Dax schloss auf dem niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren. Für die Schweizer Börse war es die schwärzeste Woche seit Mitte Juni. Gold ist so billig wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Der Ölpreis rauschte auf ein Acht-Monats-Tief, während die Weltleitwährung Dollar auf ein 22-Jahres-Hoch kletterte. 

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Zins- und Rezessionsängste haben Europas Börsen im Klammergriff. Bei Branchenschwergewichten wie Marathon Oil in den USA, Credit Suisse in der Schweiz und Varta in Deutschland brach der Kurs zweistellig ein. Der Finanzdienstleister Hypoport verlor fast die Hälfte seines Wertes.

«Die Anleger sehen sich mit einer Zinswende in noch nie dagewesenem Tempo konfrontiert und bleiben dem Aktienmarkt fern. Und wer drin ist, bleibt zwar noch gelassen, wird aber immer nervöser», sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Handelshaus RoboMarkets. In der abgelaufenen Woche hatten die Zentralbanken in den USA, Grossbritannien und der Schweiz die Zinsen im Kampf gegen die steigende Teuerung angehoben, was die Angst der Anleger vor einem Abwürgen des weltweiten Konjunkturmotors schürte. Hinzu kommt der eskalierende Ukraine-Krieg. Mit der Teilmobilmachung der Streitkräfte durch den russischen Präsidenten schalte der Konflikt einen Gang höher, sagte Molnar.

Der Euro setzte seine Talfahrt am Freitag fort und markierte mit 0,9726 Dollar ein 22-Jahres-Tief. «Offensichtlich glaubt die Mehrheit auf dem Parkett nicht, dass die Europäische Zentralbank mit dem hohen Straffungstempo der US-Notenbank Fed Schritt halten kann», sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Der Dollar-Index, der die Währung zu anderen wichtigen Devisen misst, kletterte um 1,5 Prozent auf 122,86 Punkte und war so hoch wie seit Mai 2002 nicht mehr.

Im Zuge dessen fiel der Goldpreis mit 1640,20 Dollar je Feinunze auf den tiefsten Stand seit April 2020. Öl der Nordseesorte Brent verbilligte sich um rund fünf Prozent auf 85,88 Dollar je Fass. Ein hoher Dollar-Kurs macht die in der US-Devise notierten Rohstoffe für Käufer aus anderen Währungsräumen teurer.

Pfund fällt auf 37-Jahrestief

Am Devisenmarkt sackte das Pfund mit 1,0915 Dollar um mehr als drei Prozent auf den niedrigsten Stand seit 37 Jahren. Grossbritannien plant neben Hilfen zur Abfederung der hohen Energiepreise auch massive Steuersenkungen, was die Verschuldung des Landes nach oben schnellen lassen wird. In diesem Zusammenhang verkauften Anleger britische Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Papiere stieg im Gegenzug um 33 Basispunkte und steuerte auf ihren grössten Tagesgewinn seit Ende der 90er Jahre zu.

Die Anleger sorgten sich, dass das Paket der Regierung die Inflation weiter befeuere und diese deswegen nur schwer unter Kontrolle zu bekommen sei, sagte CMC-Markets-Stratege Michael Hewson. «Das Risiko noch aggressiverer Zinserhöhungen im November ist deutlich gestiegen und an den Märkten wird die Möglichkeit von einem Schritt von 100 Basispunkten bei der nächsten Sitzung einkalkuliert.» Am Donnerstag hatte die Bank of England die Zinsen um 50 Basispunkte angehoben.

(Ink/Reuters)