Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve, hält die US-Wirtschaft in einer günstigen Verfassung, doch es gebe beträchtliche Risiken durch die wirtschaftlichen Abschwung in einigen Ländern. 

«Die handelspolitische Unsicherheit scheint für die globale Abkühlung und die schwächere Industrie in den USA verantwortlich zu sein,» sagt Powell in seiner Eröffnungsrede des jährlichen Zentralbankentreffen in Jackson Hole im amerikanischen Wyoming.

Die Fed werde «angemessen handeln», um das Wirtschaftswachstum am laufen zu halten. Angesichts des starken Arbeitsmarktes und der Inflation nahe des 2-Prozent-Ziels sieht der Fed-Chef vorerst keinen Bedarf, die Zinsen weiter zu senken.

Gleichzeitig spricht er den globalen Abschwung, vor allem in Deutschland und China an, sowie geopolitische Risiken wie einen harten Brexit, die politischen Unruhen in Hong Kong sowie das Ende der Regierung in Italien. 

Märkte hoffen auf Zinssenkung

Die Märkte hatten gehofft, Powell werde in seiner Rede in Jackson Hole weitere Zinssenkungen im September ankündigen würde. 

Bisher hat sich die Fed den fast täglichen Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach einer drastischen Senkung des Leitzinses widersetzt. Im gerade veröffentlichten Protokoll der Zinssitzung von Ende Juli weist sie auf die Notwendigkeit für Flexibilität hin. Damit behält sich die Federal Reserve alle Optionen offen und gibt den Finanzmärkten keine klaren Signale, wann oder ob mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen ist.

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Zudem stuften die Notenbanker die US-Wirtschaft zuletzt weiterhin als robust ein. Sie verwiesen aber gleichzeitig ausdrücklich auf die Risiken, die sich aus einem schwächeren globalen Wachstum und den von Trump angezettelten Handelskonflikten ergaben. Die Zentralbank werde ihren weiteren Kurs an die künftigen Wirtschaftsdaten anpassen.

Die SNB ist auch vertreten

Für die Schweizerische Nationalbank reist mit Fritz Zurbrügg der Vizepräsident nach Jackson Hole

Investoren erwarten nun gespannt die Rede des Fed-Chefs. Zuletzt hatte die Aussicht auf eine mögliche weitere Zinssenkung die jüngste Kursrally befeuert. 

Märkte vs. Ökonomen

Die Märkte wollen, dass die Fed noch schneller die Geldpolitik lockert. Denn die Zinsen zwischen 2 und 2,5 Prozent sind immer noch zu hoch, wenn man die inverse Zinskurse betrachtet. Das heisst, die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen liegen derzeit unter den dreimonatigen.

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Ökonomen hingegen befürchten, die Fed könnte ihr ganzes Pulver verschiessen, wenn sie bereits im September die Zinsen weiter senkt. Sie gehen davon aus, dass eine Zinssenkung Märkte und die Wirtschaft stimuliert und damit die Konjunktur stützt.

Die Gefahr ist jedoch, dass die Zinssenkung nicht wirkt – was durchaus möglich ist – und sich die Wirtschaft trotzdem verschlechtert. Viele Ökonomen befürchten auch eine Blase am Aktienmarkt, sollte die Fed die Geldpolitik zu schnell lockern. 

Nun hat Powell also eher auf die Ökonomen gehört und ist vorsichtig mit weiteren Zinssenkungen. Diese Nachricht ebenso wie die gerade von China angekündigten Zölle dürften die Börsen belasten

(mlo)