Jetzt haben wir es schwarz auf weiss: Schweizer Produkte sind top. Das belegt der erste «Made-In-Country-Index» des deutschen Datenbankanbieters Statista. Über alle Kategorien hinweg musste die Schweiz zwar «Made in Germany» den Vortritt lassen. Die deutschen Produkte schnitten bei Qualität und Sicherheit am besten ab. Als «Statussymbol» und in Sachen «Authentizität» aber sind Uhren, Sackmesser und Schweizer Schokolade nicht zu schlagen.

Der «Made-In-Country-Index» basiert auf einer Umfrage bei mehr als 43’000 Konsumenten in 52 Ländern Anfang Jahr. Erfragt wurden die Reputation von 50 Herkunftsbezeichnungen und deren Veränderung in den vergangenen zwölf Monaten. Jedes Land wurde von mindestens 2500 Befragten beurteilt.

«Hohe Qualität» und wenig «Fairness»

Bei der Schweiz gaben 43 Prozent der Befragten an, Schweizer Produkte mit «hoher Qualität» in Verbindung zu bringen. Punkten können Schweizer Produkte auch bei den Kriterien «fortschrittliche Technologie» (28 Prozent), «Exzellentes Design» (26 Prozent), «Hohe Sicherheitsstandards» (23 Prozent) und als Statussymbol (22 Prozent). Vergleichsweise schwach kommen sie bei der Fairness und der Nachhaltigkeit raus (je 16 Prozent).

Im Vergleich zu anderen Ländern muss das schlechte Abschneiden beim Preis-Leistungs-Verhältnis zu denken geben. Schweizer Produkte landen auf Platz 32 (von 50). Kategoriensieger ist hier China, gefolgt von Japan und Thailand. A propos Thailand: Die Thais waren – warum auch immer – die einzigen, bei denen die Schweiz über alle Kategorien am besten abschnitt. Spitzenreiter Deutschland schafft es in 13 Ländern auf den ersten Platz.

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Weniger aufregend: Japan gewinnt in der Kategorie «fortschrittliche Technik». Italien ist beim Design unübertroffen. Kanada besticht durch Fairness und Nachhaltigkeit. Überraschend ist das gute Abschneiden von «Made in EU».  Mit 92 Punkten landet das oft belächelte EU-Label, wenn auch mit einigem Abstand  auf dem dritten Platz – hinter der Schweiz und Deutschland.

Trump-Effekt bei US-Produkten

Wie die Urteile der Befragten zustande kommen, wird nicht ermittelt. Ebensowenig wurde nach unterschiedlichen Produktkategorien wie Konsumgüter und Industriegüter unterschieden. Auf der Hand liegt, dass Politik und Geschichte eine grosse Rolle spielen.

Ein Beispiel dafür ist die Wahrnehmung  von US-Produkten. Sie hat sich in zwölf Monaten weniger positiv entwickelt als andere. Das lässt auf einen Trump-Effekt schliessen. Grossbritannien, ansonsten keine Topdestination, landet in der Schweiz auf dem ersten Platz – vielleicht eine Solidaritätsbekundung im Zusammenhang mit dem Brexit?

Kolonialstaaten profitieren bis heute

Fest steht, dass sich selbst ein gewalttägiges Geschehen wie die Kolonisierung nachhaltig auf die Wahrnehmung von Produkten auswirkt. Der damit verbundene ökonomische und kulturelle Austausch wirkt bis heute positiv aus. In einigen ehemaligen französischen Koloniegebieten können französische Produkte noch heute auf einen Sympathiebonus zählen.

Von wegen Geschichte: Entstanden ist das «Made in»-Label nicht etwa als Qualitätslabel. Im Gegenteil: Das von den Briten im 19. Jahrhundert erfundene «Made in Germany» diente der Abgrenzung hochwertiger britischer Produkte gegen minderwertiges deutsches «Me too». Ausgerechnet.