An den Devisenmärkten ist es in den vergangenen Tagen zu einer markanten Aufwertung des Schweizer Frankens gekommen, vor allem zum Dollar. Die US-Währung schwächelt gegenüber allen Währungen schon länger. Gemessen an einem breiten Währungskorb (dem Dollar-Index) hat der Dollar innert Jahresfrist 11 Prozent verloren, gegenüber dem Schweizer Franken mit 15 Prozent aber deutlich mehr. Diese Aufwertung zum Dollar sowie der Fakt, dass der Franken auch gegenüber dem Euro wieder aufwertet, belegt erneut die Rolle des Frankens als sicherer Hafen in einer unsicheren Welt.

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Für die Schweizerische Nationalbank stellt das eine Herausforderung dar. Um den Franken zu schwächen, bleiben ihr nur Negativzinsen – ihr Leitzins liegt bereits bei null Prozent – oder Interventionen an den Devisenmärkten, das heisst Käufe von Anlagen in ausländischer Währung. Beide Massnahmen sind mit Risiken verbunden. Negativzinsen sind wegen ihrer verzerrenden Wirkung an den Finanzmärkten bei Banken und Sparern extrem unbeliebt, weshalb auch das SNB-Direktorium bei jeder Gelegenheit betont, dass man Negativzinsen auch nicht möge – aber eben nicht ausschliesse.

Ein schmaler Grat für die Geldpolitik

Problematisch ist ebenfalls der Rückgriff auf Devisenkäufe: Zwar hat die Schweiz im vergangenen September eine Vereinbarung veröffentlicht, wonach das US-Finanzministerium für solche Interventionen Verständnis habe, solange sie nicht der Schwächung des Frankens zugunsten der Schweizer Exporteure diene, sondern einzig der Abwehr einer übermässigen Aufwertung. Doch wie die Rede von Donald Trump in Davos letzte Woche gezeigt hat, beschuldigt der US-Präsident die Schweiz weiterhin, die USA im Handel zu benachteiligen. Massive Interventionen zur Schwächung des Frankens bergen daher die Gefahr, Trump in dieser Meinung zu bestätigen. Die letzten Daten der SNB lassen immerhin vermuten, dass die Notenbank sich am Devisenmarkt bisher zurückgehalten hat.

Einige Ökonomen sind der Ansicht, die Schweiz könne mit einem stärkeren Franken gut leben. Immerhin wird die Aufwertung beziehungsweise die dadurch verursachte Verteuerung von Schweizer Exportgütern durch eine höhere Inflation im Ausland relativiert. Die Exporteure hätten zudem gelernt, mit der Franken-Stärke umzugehen. Und immerhin macht der Wertzuwachs des Frankens die Schweizerinnen und Schweizer reicher und verbilligt Importe.

Doch diese Einschätzung vernachlässigt die Probleme der Exportindustrie. Gemessen am Einkaufsmanagerindex ist sie seit drei Jahren faktisch in einer Rezession. Und ihre Lage wird durch Trumps Zollpolitik weiter verschlimmert. Allein mit Blick auf die Konjunktur hat die SNB daher gute Gründe, der Franken-Aufwertung etwas entgegenzusetzen. Da die Inflation in der Schweiz zudem ebenfalls schon bei null Prozent liegt und durch eine weitere Aufwertung in den negativen Bereich zu fallen droht, drängt sich auch aus dem Mandat der Preisstabilität ein Handeln der SNB auf. Dass die SNB jetzt in ein Dilemma gerät, überrascht nicht. Denn der Franken ist neben Gold in unsicheren Zeiten nun einmal die einzige valable Alternative zum Dollar.