Die Wirtschaftserholung in den USA hat sich laut einem Bericht der US-Notenbank Fed fortgesetzt. Die Wirtschaft sei im Zeitraum von Anfang April bis Ende Mai mit einem moderaten Tempo gewachsen, hiess es im am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht (Beige Book). Das Wachstumstempo habe sich im Vergleich zum vorherigen Zeitraum etwas erhöht.

Die Impfungen und die Aufhebung von Corona-Beschränkungen stützten die Wirtschaft, schreibt die Fed. Die Auswirkungen der gestiegenen Impfraten seien am deutlichsten bei den Konsumausgaben zu spüren. Vor allem Freizeitreisen und Restaurants profitierten.

Preise für Baumaterialien und Industrierohstoffe gestiegen

Die Lage am Arbeitsmarkt bleibe angespannt. Vielen Unternehmen im Dienstleistungssektor falle es nach der Corona-Krise schwerer, Arbeitskräfte zu finden. Dies gelte vor allem für den Niedriglohnsektor. Der Preisdruck habe nach dem letzten Bericht zugenommen. So seien vor allem die Preise für Baumaterialien und Industrierohstoffe deutlich gestiegen.

Auch die Industrieproduktion legte weiter zu. Allerdings wirkten sich jedoch Probleme bei den Lieferketten belastend aus. Die befragten Wirtschaftsteilnehmer sind laut der Fed aber weiterhin optimistisch und rechneten mit einem soliden Wachstum.

Keine rasche Rückführung der Anleihekäufe

Der Konjunkturbericht der Fed beschreibt die konjunkturelle Lage in den USA von Anfang April bis Ende Mai. Er wurde von der regionalen Notenbank von Cleveland erstellt. Der Konjunkturbild beruht auf Umfragen der Fed bei Wirtschaftskontakten.

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Die US-Notenbank wird nach Einschätzung von Beobachtern noch länger an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten. Allerdings zeigten sich einige Vertreter bereit, über eine Verminderung der Anleihekäufe auf einer der nächsten Sitzungen zu sprechen. Es sei vielleicht an der Zeit, über eine Rückführung der Anleihekäufe nachzudenken, sagte am Mittwoch der Präsident der regionalen Notenbank von Philadelphia, Patrick Harker. Ein Rückführung der Käufe werde jedoch nicht rasch geschehen.

Die Fed hatte aber immer deutlich gemacht, dass es eine Vorwarnung für die Finanzmärkte geben werde, falls die Notenbank eine Begrenzung der Anleihekäufe vornehmen werde. Derzeit kauft die Fed pro Monat Wertpapiere in einem Volumen von 120 Milliarden US-Dollar zur Stützung der amerikanischen Wirtschaft.

Verkauf von Firmenanleihen

Die Notenbank will zudem mit dem Verkauf von Firmenanleihen beginnen, die sie im vergangenen Jahr während der Corona-Pandemie zur Stützung der Märkte erworben hat. Die Veräusserung der Bonds und börsennotierten Fonds, die aus der sogenannten SMCCF (Secondary Market Corporate Credit Facility) stammten, solle «langsam und planmässig» erfolgen, teilte die Zentralbank am Mittwoch mit. Die New Yorker Fed, die die Fazilität verwaltet, wolle mehr Details zu den Verkäufen am Donnerstag bekannt geben.

Ziel dieses Kredit-Vehikels war es, in der Corona-Krise für Stabilität und Liquidität an den Finanzmärkten zu sorgen. Die Unternehmen sollten möglichst bequem an frisches Geld gelangen. Die SMCCF wurde kaum genutzt und Ende Dezember 2020 geschlossen. Bis zum Jahresende will die Fed das Portfolio vollständig verkauft haben. Die Fazilität umfasst Kredite im Volumen von knapp 14 Milliarden Dollar.

(awp/reuters/gku)