Die Inflation, dieses Biest, das unserer Kaufkraft wegfrisst, ist gezähmt. In der Schweiz beträgt sie 1,3 Prozent. Sie ist zuletzt sogar nochmals leicht gesunken. Schon ein Jahr lang liegt die Teuerung unter 2 Prozent und erfüllt damit die Notenbank-Definition von Preisstabilität. 

Kleider, Schuhe und die meisten Nahrungsmittel kosten unterdessen sogar weniger als vor einem Jahr.

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Dass die Inflationsrate nicht tiefer ist, liegt vor allem an den Strompreisen und den Mieten. Die Stromtarife wurden Anfang Jahr um rund 20 Prozent angehoben, der Effekt ist nach wie vor in der Inflationsmessung zu spüren. Die Mieten, die mit 15 Prozent ein relativ hohes Gewicht im Infationswarenkorb haben, sind nach den beiden Referenzzsinserhöhungen gegenüber letztem Juni im Schnitt 3,4 Prozent gestiegen. Ohne die Mieten läge die Inflation unter 1 Prozent.

Stromversorger beabsichtigen, Tarife zu senken

Doch von diesen beiden Seiten müssen wir in nächster Zeit keinen neuen Inflationsschock mehr fürchten:

Die Strompreise sollen nächstes Jahr gar wieder sinken. In einer Umfrage des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE gaben fast alle Stromversorger an, die Tarife 2025 sicher oder wahrscheinlich zu reduzieren. Gründe dafür sind die günstige Preisentwicklung am europäischen Strommarkt sowie tiefere Kosten für die inländischen Stromreserven.

Definitiv bekanntgegeben werden die 2025er-Tarife im September.

Der zinsbedingte Mietpreisschub ist fast überstanden

Auch bei den Mieten stehen die Zeichen auf Entspannung. Denn der Referenzzins hat wohl seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Der Referenzzins wird anhand des Durchschnittszinses aller ausstehenden Hypotheken berechnet.

Da die Nationalbank den Leitzins in zwei Schritten von 1,75 auf 1,25 Prozent gesenkt hat, werden Saron-Hypotheken billiger. Bei den neu abgeschlossenen Festhypotheken sind die Langfristzinsen massgeblich: Diese sind in den letzten zwei Jahren tendenziell wieder zurückgegangen.

Sinken werden die Mieten deswegen aber nicht. Eher ist davon auszugehen, dass die letztjährigen Referenzzinserhöhungen noch nicht voll weitergegeben wurden. Die Neumieten sind eher das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Da wenig gebaut wird, aber der Wohnbedarf steigt, geht der Trend weiter nach oben.

 

 

 

rop
Peter Rohnerist Chefökonom der Handelszeitung.Mehr erfahren