Ray Dalio ist erstens sehr erfolgreich (er ist faktisch der treffsicherste Hedge-Fund-Manager der letzten Jahrzehnte) und zweitens sehr skeptisch. In den letzten Monaten hat er mehrfach prognostiziert, dass der Weltwirtschaft turbulente Zeiten bevorstehen (mehr dazu hier und hier).

Nun legt der Finanzmilliardär schon wieder nach, und zwar tut er das sehr deutlich: «The World Has Gone Mad and the System Is Broken», lautet der Titel seines Wirtschaftsessays. Zu deutsch: Die Welt spinnt, das System ist kaputt. Aus dem Text lassen sich sieben Grunderkenntnisse herausfiltern, die zeigen, wie sich Wirtschaftsabläufe abgekoppelt haben von dem, was zuvor gültig war. Oder anders: Was vor Jahren noch als verrückt gegolten hätte, ist heute üblich.

Die Liste dazu:

1. Das Geld ist gratis, zumindest für gute Schuldner. Gläubiger sind bereit, Kredit zu geben, obwohl sie wissen, dass sie am Ende weniger Geld zurückbekommen.

2. Als Folge davon sind die Werte von Finanzanlagen massiv gestiegen und steigen weiter; andererseits sind die Erträge gesunken und sinken weiter. So dass langfristige Renditen daraus nur noch in der Fantasie der Anleger bestehen.

3. Jungunternehmen, die keine klare Idee haben, wie sie Gewinn machen könnten, werden mit Geld überhäuft. Es kommt vor, dass Firmen, die bloss Träume verkaufen, von Venture-Capital- und Private-Equity-Firmen geradezu erpresst werden, ihr Kapital anzunehmen.

4. Andererseits sind viele Staaten gewaltig verschuldet und verschulden sich weiter. Damit müssten sie in absehbarer Zukunft die Zinsen nach oben treiben. Doch dies würde angesichts der allgemeinen Verschuldungslage eine Katastrophe auslösen.

Quelle

Ray Dalio, «The World Has Gone Mad and the System Is Broken», publiziert auf Linkedin, November 2019.

5. Die einzige Lösung besteht darin, dass die Zentralbanken die Schuldpapiere aufkaufen – und dafür Geld drucken. Damit werden insbesondere die Reservewährungen in den USA, Europa und Japan geschwächt. Ihnen droht Entwertung. Also können auch sie immer weniger als Hort dienen, um Vermögen aufzubewahren.

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6. Zugleich steigen die Ausgaben für Renten und für die Gesundheitsversorgung. Die Pensionskassen werden die anfallenden Zahlungen nicht länger durch ihre Erträge bezahlen können. Die Krankenkassen leiden mehr und mehr darunter, dass eine überalterte Bevölkerung die Kosten nach oben treibt. Damit kommen Millionen Menschen aus dem Mittelstand unter Druck.

7. Das Geld ist zwar gratis für gute Schuldner. Aber es ist schwer erhältlich für Menschen, die weder Geld noch Kreditwürdigkeit haben. Gleichzeitig werden Arbeitnehmer weiter durch Maschinen, Roboter und künstliche Intelligenz ersetzt. Das alte «Trickle down»-System, bei dem die Fortschritte des Kapitalismus stets auch die untersten Schichten erreichten, ist kaputt.

Gold als «portfolio diversifier»

Was also tun? Wo soll man in solch einer verqueren Welt investieren? Welche Anlage hilft, nun Vermögen zu sichern?

Dazu gibt Ray Dalio diesmal keine Antwort. In einem früheren Essay wurde er im Juli 2019 aber deutlich. Die Antwort: Gold.

Die meisten Investoren seien derzeit sowieso unterinvestiert in Gold. Dass heisst: Wer ein besser balanciertes Portfolio haben und Risiken senken will, braucht mehr davon. Gold sei derzeit «an effective portfolio diversifier».

Viele glaubten ja, dass Aktien oder aktienähnliche Papiere wie Private-Equity, Startups, Immobilienanlagen auch in dieser neuen Welt langfristig funktionieren könnten. Doch auch dazu gab sich Dalio eher skeptisch: Es sei unwahrscheinlich, dass diese Investments noch eine gute Realverzinsung bieten werden. Am besten würden wohl auch in einer künftigen Krise jene Anlagen funktionieren, die traditionell an Wert gewinnen, wenn das Geld entwertet wird und wenn Konflikte anrollen. 

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Ray Dalio Hedge Fund Bridgewater
Quelle: Getty Images Handout

Ray Dalio

Ray Dalio, geboren 1949, ist Gründer der Investmentgesellschaft Bridgewater Associates. Er gehört seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Geld-Managern, Bridgewater ist – je nach Ranking – auch der grösste Hedge-Funds der Welt. Dalio lag unter anderem bei seinen Prognosen zur letzten Finanzkrise richtig, er reiste 2007 selber nach Washington, um die Entscheidungsträger in Finanzministerium und Weissem Haus zu warnen – ohne Erfolg. Mit einem Vermögen von 19 Milliarden Dollar («Forbes»-Ranking 2019) zählt er zu den reichsten Amerikanern. 

(rap)

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