Die Temporärarbeitenden in der Schweiz haben im zweiten Quartal wegen der Coronapandemie knapp ein Viertel weniger Arbeitsstunden als im Vorjahr geleistet - und dies noch ohne Berücksichtigung von Kurzarbeitsstunden. Nach Aufhebung der Sonderregelung für Kurzarbeit rechnet der Branchenverband Swissstaffing nun mit einer Welle von Arbeitslosen.

Ungefähr 20'000 temporär Angestellte seien derzeit in Kurzarbeit, teilte Swissstaffing am Mittwoch mit. Für sie gilt eine Sonderregelung, die der Bund wegen der Coronakrise erlassen hat. Denn unter normalen Umständen ist Kurzarbeitsentschädigung für temporär Angestellte gar nicht vorgesehen, wie Marius Osterfeld von Swissstaffing zur Nachrichtenagentur AWP sagte.

Die Ämter stellen sich auf die grosse Entlassungswelle ein. Mehr hier.

Nun befürchtet der Verband der Temporärarbeitenden, dass diese Menschen arbeitslos werden könnten, sofern ihre Arbeitgeber sie bis Ende August nicht wieder einsetzen können. Dann nämlich hebt der Bund die Notverordnung auf. Ein Corona-Gesetz sei jedoch noch nicht ausgearbeitet und damit fehle für die temporär Angestellten eine Übergangslösung. Swissstaffing-Chef Leif Angéus sagte deshalb, das Parlament mèsse dringend handeln und Kurzarbeit für Temporärarbeitende ins Gesetz integrieren.

Rekord-Einbruch

Der Verband veröffentlichte zudem den «Swiss Staffingindex», der quartalsweise die prozentuale Veränderung der temporär geleisteten Arbeitsstunden zeigt. Die temporär Angestellten leisteten zwischen April und Juni 23 Prozent weniger Arbeitsstunden als in der gleichen Zeitspanne im Vorjahr. Das sei der zweitniedrigste Wert für ein zweites Quartal seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012. In den Vorjahren war die Anzahl geleisteter Stunden im zweiten Quartal jeweils weit höher als im ersten.

Nach Regionen betrachtet ist die Zahl der Temporärarbeitenden gemäss Mitteilung mit 80 bis 90 Prozent im Tessin und in der Romandie besonders stark zurückgegangen. In der Deutschschweiz sank die Zahl der Temporärarbeitenden um gut 40 Prozent. Ein Grossteil des Rückgangs sei nicht auf Entlassungen zurückzuführen, sondern auf das Auslaufen befristeter Verträge einerseits und fehlende Neueinstellungen andererseits, hiess es.

(awp/mlo)