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Integration
Drei Karten zeigen Stellung der Schweiz im Welthandel

Aussenhandel: Die Schweiz ist wirtschaftlich mit vielen Ländern verbunden. Keystone

Die Schweiz hat 2016 erneut viel mehr exportiert als importiert. Doch wohin gehen die Waren und in welchen Ländern kauft die Schweiz ein? Drei Karten zum Stand der Schweizer Aussenwirtschaft.

Von Gabriel Knupfer und Lisa Burth
am 13.03.2017

Viele Schweizer sehen ihr Land gern als Insel. Doch in der Realität ist kaum eine Land so sehr in die Weltwirtschaft eingebunden, wie die schweizerische. Der Grund ist klar: Ohne Rohstoffe musste sich die Schweiz früh nach aussen öffnen. Und hat sich deshalb seit dem 19. Jahrhundert zu einer grossen Handelsnation entwickelt. Internationale Grosskonzerne wie Nestlé, Novartis oder die UBS zeugen vom globalen Verständnis der Schweizer Wirtschaft.

Im Jahr 2016 exportierte die Schweiz nach Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung Waren im Wert von 211 Milliarden Franken ins Ausland – so viel wie nie zuvor. Die Importe beliefen sich auf 173 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Im letzten Jahr betrug das Bruttoinlandprodukt der Schweiz rund 650 Milliarden Franken.

Doch wohin gehen die Waren und Dienstleistungen und in welchen Ländern kauft die Schweiz ein? Drei Karten zeigen die Welt aus Sicht des Schweizer Aussenhandels.

In diese Länder gehen die Schweizer Waren

Deutschland und die USA sind die wichtigsten Exportdestinationen für Schweizer Waren. Nach den europäischen Schwergewichten Frankreich und Italien sowie dem Vereinigten Königreich folgen mit China und Japan zwei ostasiatische Volkswirtschaften. Trotz der Krisen der vergangenen Jahre zeigt sich unterm Strich, dass die europäischen Länder noch immer die wichtigsten Absatzmärkte sind: Über 60 Prozent der Ausfuhren gehen in die EU.

Doch die Schweiz exportiert auch in andere Weltregionen. Zu den Schwerpunktländern gehören etwa Indien, Australien, Brasilien und Saudi-Arabien. Weil aber viele Schweizer Produkte sehr teuer sind, erscheinen Länder ohne namhafte Oberschicht kaum in den Spitzenpositionen der Schweizer Exportstatistik.

Die meisten Importe kommen aus Deutschland

Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner der Schweiz. Besonders deutlich ist dies bei den Einfuhren. Weit über ein Viertel aller Importe der Schweiz kommen vom nördlichen Nachbarn, Waren im Wert von insgesamt fast 50 Milliarden Franken. Auf den weiteren Plätzen folgen mit grossem Abstand Italien, die Vereinigten Staaten, Frankreich und China. Zum Vergleich: Aus dem zweitgrössten Importland Italien bezog die Schweiz im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 18 Milliarden Franken – das ist gerade mal ein Drittel des deutschen Wertes.

Neben Westeuropa kommen die meisten Importe aus Nordamerika und Ostasien. Kaum Bedeutung haben hingegen Afrika, Zentralasien und der Nahe Osten. Auch aus Südamerika wird hierzulande nur wenig eingekauft. Mit den meisten dieser Länder weist die Schweiz eine positive Handelsbilanz auf.

Die USA vergolden die Schweizer Handelsbilanz

Lange jedoch war die Schweizer Handelsbilanz negativ. Erst in den 1990er Jahren überholten die Exporte die Importe. Die Verteilung nach Ländern ist höchst unterschiedlich. Vor allem mit Deutschland und anderen europäischen Ländern, etwa in Osteuropa, aber auch mit China und einigen Staaten in Afrika, weist die Schweiz ein Handelsdefizit auf.

Aufpoliert wird die Bilanz in erster Linie durch die Vereinigten Staaten. Wie viele andere Länder weist die Schweiz einen enormen Überschuss im Handel mit der grössten Volkswirtschaft der Erde auf. Zu verdanken ist dies in einem starken Ausmass der Pharmaindustrie, rund die Hälfte aller Schweizer Exporte in die USA stammten 2016 aus dieser Branche. Das ist wirtschaftspolitisch heute nicht ganz unproblematisch: Die Schweizer Wirtschaft steht in den USA auf einer besonderen Liste der Regierung und muss damit rechnen, dass die Trump-Regierung dereinst Massnahmen ergreifen könnte. Wegen des hohen bilateralen Handelsüberschusses steht nämlich auch Deutschland in Washington schwer in der Kritik.

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