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Franken-Schock: Deutsche Etablissements boomen

«Club Imperia»: Viele Besucher aus der Schweiz.  Club Imperia

Der schwache Euro trifft auch das horizontale Gewerbe. Vor Sex-Clubs wie dem «Imperia» in Konstanz stehen immer mehr Autos mit Schweizer Kennzeichen. Hiesige Anbieter sind kaum mehr konkurrenzfähig.

Von Philipp-Marc Schmid («Bild»)
am 06.02.2015

Roger Simon (66) öffnet die Tür des Zimmers mit der Nummer neun. Seit 16 Jahren gehört ihm der «Club Imperia» in Konstanz. Schon immer hatte er viele Kunden aus der Schweiz. Doch jetzt, wo der Franken immer stärker wird und die Schweizer beim Währungstausch immer mehr Euros bekommen, nimmt der Grenzverkehr nochmals zu.

Während Simon im ersten Stock seine Zimmer präsentiert, wird unten an der Bar im Erdgeschoss geschuftet. Carla ist 24 Jahre alt und kommt aus Rumänien. Sie bezirzt gerade einen jungen Schweizer, der Anzug und Armani-Brille trägt. Er ist vielleicht Anfang 30. Bisher plaudern die beiden nur. Carla hat aber auch dabei das Geschäft im Blick: Sie trinkt einen Piccolo. Der Gast aus der Schweiz, dessen roter Audi A6 mit Zürcher Kennzeichen vor dem Bordell parkt, bezahlt dafür 40 Euro.

Viele Autos mit Schweizer Kennzeichen

Der junge Mann möchte nicht über seinen Bordell-Besuch sprechen. Simon glaubt trotzdem zu wissen, was die Eidgenossen in die Betten der «Imperia»-Prostituierten treibt. Wer in der Schweiz ein ähnliches Etablissement besuchen möchte, muss den ohnehin schon teuren Preis der FKK-Clubs mehr als verdoppeln. «Das Aphrodisia in Zürich ist mit meinem Club vergleichbar», sagt Simon. Seit der Aufgabe der Euro-Untergrenze wurde die Schweizer Konkurrenz aber auf einen Schlag 15 Prozent teurer.

Im Zürcher Club kosten 30 Minuten Sex 280 Franken, eine Stunde schlägt mit 500 Franken zu Buche. Und wer mit Kreditkarte zahlen will, muss noch bis zu 50 Franken drauflegen. Kein Wunder, dass kurz nach Mitternacht auf fünf von acht Parkplätzen vor dem Konstanzer «Imperia» Autos mit Schweizer Nummernschildern stehen. Hier betragen die Tarife etwa die Hälfte.

Schweizer geben mehr aus

Drinnen erklärt Carina (23), die ebenfalls aus Rumänien kommt, in holprigem Deutsch: «Ich schätze, dass 80 Prozent der Gäste aus der Schweiz kommen. Natürlich weil es bei uns billiger ist.» Viel Geld lassen im «Imperia» freilich auch die deutschen Kunden. Kaum einer verlässt den Laden, ohne dreistellig bezahlt zu haben. Aber an die Schweizer kommen die Einheimischen einfach nicht ran.

«Die Schweizer geben viel mehr Champagner aus», sagt Jasemin (30), die auch aus Rumänien kommt. Die Rekordrechnung für einen Abend sei in diesem Januar 25'000 Euro hoch gewesen, sagt Simon. Und: «Wenn keiner mehr über die Grenze kommen würde, würden wir das schon merken. Wir müssten zwar nicht schliessen, aber es wäre eine sehr harte Zeit.»

Nachschub aus dem Thurgau

Weit nach Mitternacht kommen weitere Gäste über die Lust-Grenze gefahren. Ein Mercedes mit Kennzeichen aus dem Kanton Thurgau. Er ist voll besetzt mit fünf Männern.

Dieser Artikel erschien zuerst in «Bild».
 

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