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Erhebung
Weniger Schweizer von Armut betroffen

Obdachlos in der Schweiz: Rund 20 Prozent der Menschen ohne Job gelten als arm. (Bild: Keystone)

Jeder 13. Schweizer gilt als arm. Das zeigt eine Studie des Bundesamts für Statistik. Seit Jahren sinkt diese Rate. Doch die Ungleichheit ist grösser als in vielen anderen Ländern Europas.

Von Mathias Ohanian
am 13.08.2013

Rund 580'000 Schweizer waren 2011 von Einkommensarmut betroffen. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Statistik (BFS). Am prekärsten ist die Lage demnach für Alleinerziehende, Personen mit geringer Bildung und Erwerbslose.

Immerhin hat die Armutsquote seit 2007 um fast zwei Prozentpunkte auf nunmehr 7,6 Prozent abgenommen. «Die Einkommensarmut in der Schweiz ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen», sagte BFS-Statistikerin Martina Guggisberg zu handelszeitung.ch. Gegenüber dem Vorjahr sank die Rate nur leicht.

Mehr als jede fünfte alleinerziehende Person ist arm

Als grösste Risikogruppe listet das BFS in der aktuellen Erhebung wie schon in den Vorjahren alleinerziehende Personen auf. Von ihnen ist mehr als jede fünfte von Armut betroffen. Knapp 17 Prozent aller alleinlebenden Erwachsenen gelten ebenfalls als arm, sowie 20 Prozent der Personen in Haushalten ohne Job.

So ist denn auch ein Job die beste Versicherung gegen Armut: Bei der erwerbstätigen Bevölkerung liegt die Armutsquote bei lediglich 3,7 Prozent. Gleichzeitig waren aber auch rund 130'000 Personen trotz Beschäftigung von Armut betroffen. 

Als arm gilt der BFS-Definition zufolge, wer als Einzelperson rund 2200 Franken oder weniger im Monat zur Verfügung hat. Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern liegt die Grenze bei 4050 Franken. Von diesem Betrag müssen der Lebensunterhalt sowie Wohnkosten und Versicherungen bezahlt werden, nicht jedoch die Kosten für die obligatorische Krankenversicherung. 

«Die Finanzielle Ungleichheit in der Schweiz ist gross»

Im internationalen Vergleich sind die Schweizer zwar weniger von Armut gefährdet als der Schnitt der 27 EU-Länder. Doch von den Schweizer Nachbarstaaten weisen nur Deutschland und Italien eine höhere, sogenannte Armutsgefährdungsquote aus. Auch in den nordischen Ländern Europas ist die Gefahr zu verarmen teils deutlich niedriger als hierzulande. 

Gleichzeitig leiden die Schweizer den international vergleichbaren Zahlen zufolge jedoch kaum Mangel: Mit Blick auf die materielle Versorgung ist die Schweiz sogar besser aufgestellt als jedes andere EU-Land. «Die finanzielle Ungleichheit ist in der Schweiz zwar relativ gross. Allerdings liegt der Lebensstandard auch über dem der meisten anderen Länder in Europa», so BFS-Expertin Guggisberg.

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