Die Stimmung der Schweizer Finanzchefs hat sich mit Blick auf die Konjunkturentwicklung weiter eingetrübt. Insbesondere geopolitische Risiken und die Sorge vor einer sich abschwächenden Nachfrage im Inland belasten die Gemüter, wie die halbjährlich durchgeführte CFO-Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt.

Zwar blicke mit 53 Prozent eine Mehrheit der befragten Finanzchefs betreffend Binnenkonjunktur optimistisch in die Zukunft. Allerdings hätten die CFOs ihre Erwartungen nun bereits zum zweiten Mal in Folge zurückgeschraubt, heisst es in einer Mitteilung zur Umfrage vom Dienstag.

Auch bezüglich Geschäftsaussichten liegt der Höhepunkt in der Vergangenheit. Nur noch eine kleine Mehrheit (3%) der Befragten rechnet im Vergleich zur Herbstumfrage mit einer Verbesserung.

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Brexit bleibt eine Gefahr

Trotz offenbar dunklerer Wolken am Konjunkturhimmel wollen die Schweizer Finanzchefs aber weiter investieren und Personal einstellen. 83 Prozent der Befragten sehen organisches Wachstum für die nächsten zwölf Monaten als strategische Priorität. Von grosser Wichtigkeit sind auch die digitale Transformation (79%), Einsparungen (76%) oder neue Produkte (75%).

Auf dem Sorgenbarometer der Finanzchefs sind derweil der Fachkräftemangel und der Wechselkurs aus den Top-5 herausgefallen. Neu auf dem Spitzenplatz liegen die geopolitischen Risiken, wobei vor allem die unklare Situation rund um den Brexit oft als Gefahr genannt wird.

Negativzinsen auch noch in zwei Jahren

Die Sorge vor einer Nachfrageschwäche im Inland und dem technologischen Wandel folgen im Sorgenbarometer auf den weiteren Plätzen. Die Digitalisierung wird aber auch als Chance gesehen. «Schweizer Finanzchefs setzen mehr noch als ihre europäischen Kollegen auf Digitalisierung, um ihr Unternehmen widerstandsfähiger zu machen», so Alessandro Miolo, der bei Deloitte für die Umfrage in der Schweiz verantwortlich ist.

Während in der Schweiz in Bezug auf die Digitalisierung meist die Steigerung der Effizienz im Vordergrund sei, setzten die Europäer stärker auf kundenorientierte Programme, um das Unternehmen robuster zu machen. Die breitere Anwendung der Digitalisierung biete aber sowohl in der Schweiz als auch in Europa Potenzial, glaubt Miolo.

Erstmals wurden die Finanzchefs auch zu ihren Zinserwartungen befragt. Demnach rechnen hierzulande 41 Prozent der Befragten auch noch in zwei Jahren mit Negativzinsen, während 28 Prozent von Nullzinsen ausgehen.

(awp/gku)