Schweizer Konsumenten tätigten ihren Autokauf einst beim Händler ihres Vertrauens. Heute ist Vertrauen gut, doch ein günstiger Preis noch besser. Recherchen von «Handelszeitung Online» zeigen jetzt, dass sich dieser Trend nicht nur verschärft hat, sondern die Autohändler aktuell vielmehr zu orginellen Mitteln greifen, um den Kunden konkurrenzfähige Verkaufspreise anbieten zu können. 

So kostet ein ein- bis zweijähriger Golf VI mit einem Kilometerstand von bis zu 45'000 Kilometer bei Auto Schiess in Hagnau-Volketswil rund 14'000 Franken. Laut Ausschreibung liegt der Eurotaxwert der Fahrzeuge meist beim Doppelten des Preises. Den Occasions-Golf gibt es dabei notabene in drei Farben - reichlich auf Vorrat.

Wöchentlich ein Laster voller Autos

Erstaunlich dabei: Die Fahrzeuge stammen laut Carmine Langone, Geschäftsführer des Autohauses Schiess, aus Südeuropa. Genauer gesagt aus Spanien. Gegenüber «Handelszeitung Online» erklärt Langone denn auch, dass «jede Woche ein Lastwagen mit Autos kommt». Vielleicht sind es auch mehr; die genauen Zahlen möchte der Autohändler nicht preisgeben - wegen der Konkurrenz. Diese gibt sich auf Anfrage verschlossen.

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Die Gründe der Billigimporte liegen auf der Hand: Den europäischen Mittelstand trifft die Schuldenkrise mit voller Wucht. Zur Erinnerung: In Spanien liegt die Arbeitslosigkeit bei 25 Prozent. Langone dazu: «Die Wirtschaftskrise in den südeuropäischen Ländern, der Eurokurs - da gibt es viele Gründe für die günstigen Occasionen aus Spanien.»

Damit nicht genug: Selbst Neuwagen zu Kampfpreisen, von bis zu 40 Prozent günstiger, sind bei Auto Schiess und anderswo zu haben. «Wir haben eine kleine Marge und eine grosse Menge, so ist das Geschäftsmodell», verrät Langone. Wie es scheint, verkaufen Autohändler in Südeuropa lieber an Grosshändler in der Schweiz anstatt auf den Fahrzeugen in den Garagen der klammen EU-Staaten sitzen zu bleiben. 

Woher die Autos genau stammen, will der Geschäftsfüher von Auto Schiess indes nicht sagen. Nur so viel: «Sollte sich herausstellen, dass ein Unfallwagen verkauft worden ist, nehmen wir diesen ohne Wenn und Aber zurück.»

Schweigen der Importeure

Die Gespräche zeigen: Das Importieren von Occasionen oder auch Neuwagen an den offiziellen Markenhändlern vorbei, scheint sich zu lohnen. Die meisten Garagen wollen jedoch weder mit Name noch Region genannt werden. Mehrere Mittelland-Garagen berichten auf Anfrage, dass sie auch schon aus Spanien Occasionen importiert hätten - dies aber im kleinen Rahmen tun, weil sie sich vor Sanktionen der offiziellen Markenimporteure fürchten.

Die Autoimportzahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung bestätigen derweil den Trend in den ersten zehn Monaten dieses Jahres. Die Zahlen beinhalten zwar auch Neuwagen - doch die Zuwachsraten beim Import aus Spanien liegen je nach Kategorie bei einem Plus von rund 60 bis zu 384 Prozent.

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Amag reagiert mit Kopfschütteln

Die Amag als offizieller Importeur von VW und Audi will auf Anfrage nichts von der Importpraxis aus Spanien wissen, greift aber trotzdem postwendend die freien Importeure an. «Diese Art von Händlern profitiert von den Leistungen der offiziellen Markenorganisation in Marktbearbeitung und einer umfassenden Ersatzteilversorgung ohne auch nur einen Franken dazu beizutragen», sagt Markus Gamper, PR-Koordinator der Amag. Eine deutliche Ablehnung gegenüber einer angeblich unbekannten Geschäftspraxis.

Konsumentenschutz freut es

Der Schweizer Konsumentenschutz reagiert hingegen erfreut auf das Vorgehen der Ocassions-Garagen. «Wichtig in der Sache ist einzig, dass die Occasions-Händler transparent aufzeigen, woher die Autos kommen und unter welchen Umständen sie zu diesem tiefen Preis in den Handel kommen», erklärt die Organisation auf Anfrage.

Wer ein günstiges Auto sucht, wird somit mit Sicherheit eines aus Spanien finden. Das Gesparte lässt sich dann womöglich in einen Spanischkurs investieren – damit der Laie auch die Gebrauchsanweisung und das Manual versteht - denn diese gibt es derzeit lediglich auf spanisch.