Die Investitionen in Schweizer Startups blieben trotz der Corona-Krise im vergangenen Jahr «überraschend robust»: Dies besagt der «Swiss Venture Capital Report 2021» von Startupticker und Seca. Die Schwelle von über zwei Milliarden Franken an Risikokapital konnte auch 2020 erneut überschritten werden.

Allerdings hinterliess die Pandemie auch im Venture Capital-Markt Spuren: Die wirklich grossen Investitionen von über 200 Millionen Franken fielen 2020 weg. 2019 hatte es noch drei Investitionsrunden gegeben, die über die Summe kamen. Das deutet darauf hin, dass die Kapitalgeber vorsichtiger geworden sind.

Trotzdem ist das Gesamtvolumen des investierten Kapitals «nur um 7,4 Prozent gesunken», kommentieren die Autoren des Reports.

Schweiz Startups
Quelle: Startupticker
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Mehr Finanzierungsrunden, weniger Geld

Die doch erstaunlich stabile Entwicklung des Risikokapitalflusses wurde genährt durch eine höheren Anzahl an Finanzierungsrunden. Dabei wurde pro Runde erst noch mehr Geld eingesetzt – im Durchschnitt stiegen die Investitionen von 1,95 Millionen auf 2,9 Millionen Franken.

Trotzdem konnten diese vielen kleineren Finanzierungsrunden nicht den Wegfall einzelner grosser Investments wettmachen. 

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Insgesamt gehörte ja die Reise- und Tourismusbranche zu den grössten Verlierern der Lockdown-Politik. Das war weniger spürbar bei den Startups: Denn immerhin schaffte die Tourenbuchungs-Plattform Getyourguide 2020 mit 122 Millionen Franken die grösste Finanzierungsrunde in der Schweiz.

Biotech vor ICT

Auf den vorderen Plätzen in Punkto Investitionsgrösse befinden sich vor allem auch Biotech-Startups wie Sophia Genetics aus dem Kanton Waadt oder auch Vectiv Bio, Monte Rosa Therapeutics oder Noema Pharma, alle aus dem Kanton Basel-Stadt. Mit rund 77 Millionen Franken erhielten auch die CO2-Bekämpfer von Climeworks frisches Kapital, ferner Bitcoin Suisse mit 45 Millionen Franken. 

Schaut man sich die Top Ten der Startups an, sind die meisten im Biotech-Sektor tätig. Dessen Anteil wuchs im Vergleich zu 2019 um 31,3 Prozent auf 820,3 Millionen Franken. Damit holte Biotech den ICT-Sektor wieder auf. Dort brachen die Investitionen mit 40 Prozent deutlich ein – und es fehlten ebenfalls die grossen Finanzierungsrunden im vergangenen Jahr. 

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Diese Umwälzung in den Branchen wirkt sich auch auf die verschiedenen Regionen in der Schweiz aus: Der Kanton Basel-Stadt verzeichnete 2020 ein enormes Wachstum. In Basel wurden über 540 Millionen Franken investiert. Damit konnte der Stadtkanton viermal so viel Kapital anziehen wie im Rekordjahr 2018. 

Für dieses Wachstum sind die zahlreichen Biotech-Startups rund ums Rheinknie verantwortlich, aber auch Healthcare-IT und Medtech-Unternehmen haben Basel zum Erfolg verholfen.

Hinzu kommt die Startup-Förderung durch die Stadt Basel. Sie macht aber nur einen Bruchteil des Kapitals aus, das investiert wurde. Damit schliesst Basel an Zürich auf und hat den Kanton Waadt als Standort der EPFL überholt.