Die Corona-Krise rückt immer näher. Nicht nur geografisch, auch die Folgen für die Weltwirtschaft werden spürbarer. Seit sich das Virus auch ausserhalb Chinas rasant ausbreitet mit über 3000 Infektionen in 30 Ländern, steigt die Sorge, dass die Folgen für die Weltwirtschaft schwerer sein werden als bisher angenommen. Das grosse Problem: Schocks wie eine Pandemie belasten die Wirtschaft über einen längeren Zeitraum als ein «normaler» konjunktureller Abschwung.

Bisher waren Experten davon ausgegangen, dass Chinas Wachstum im ersten Quartal um 0,4 Prozent an Tempo verliert. Doch wenn die Epidemie sich noch weiter ausbreitet, hat das massive Auswirkungen. Sollte Chinas Konjunktur nicht nur im ersten, sonder auch noch im zweiten Quartal schwächeln, wäre eine Erholung im dritten Quartal sehr unwahrscheinlich. Aus der sogenannten V-Kurve würde dann eine U-Kurve. 

Bei der Sars-Krise 2002/2003 brach die chinesische Wirtschaft kurzzeitig ein, erholte sich in den folgenden Quartalen aber rasch wieder. Ökonomen nennen diesen kurzen Einbruch und die darauffolgende rasche Erholung eine V-Kurve. Nun sieht es aber nach einer weiteren Ausbreitung aus, das veranschaulicht beispielsweise die explosionsartige Verbreitung in Italien auf über 300 Krankheitsfälle innerhalb weniger als einer Woche.  

«Diesmal ist es anders»

«Diesmal ist es anders», warnt daher etwa Mohamed El-Erian, Chief Economic Advisor von Allianz, in einem Interview bei «CNBC». Die Epidemie werde China paralysieren und die Weltwirtschaft in eine Abwärtsspirale reissen.

Dass die Krise diesmal nicht so glimpflich verläuft wie bei Sars, hat auch mit dem rasanten Aufstieg zu tun, den die Volksrepublik seit Anfang des Jahrtausends hingelegt hat. Als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt trägt China fast 20 Prozent zum globalen Wachstum bei – etwa doppelt so viel wie 2003. Das Reich der Mitte ist der grösste Exporteur der Welt und zweitgrösster Importeur – viele Länder rund um den Globus haben enge Handelsbeziehungen. Diese Abhängigkeit könnte nun spürbare Folge für die Weltwirtschaft haben. 

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Kein Grund zur Panik

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Ohnehin hatte sich das globale Wirtschaftswachstum 2019 schon auf rund 3 Prozent abgekühlt. Der Welthandel schrumpfte wegen des US-chinesischen Handelsstreits um 0,4 Prozent – erstmals seit der Finanzkrise von 2008.

Vor dem Hintergrund des seit fast zwei Jahren schwelenden Handelsstreits wirkt die Corona-Krise noch gefährlicher. Der als «Dr. Doom» bekannte Nouriel Roubini rechnet mit einer Eskalation des Konflikts in diesem Jahr, der weit über Handelsfragen hinaus geht. Denn Peking muss nicht nur die Epidemie eindämmen, sondern kämpft noch an weiteren Fronten: dazu gehören die politische Krise in Hongkong, Unabhängigkeitsbestrebungen in Taiwan nach der Wiederwahl von Präsidentin Tsai Ing-Wen sowie das militärische Wettrüsten mit den USA im Südchinesischen Meer. 

Folgen werden unterschätzt

Auch UBS-Präsident Axel Weber warnte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur «Bloomberg» davor, die Folgen der Krise auf die Weltwirtschaft zu unterschätzen: «Es wird eine ganze Reihe von Auswirkungen geben, die über das erste Quartal hinausgehen werden». Weber schätzt, dass das globale Wachstum im ersten Quartal von 3,5 auf 0,5 Prozent einbricht. Chinas werde sogar negativ wachsen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hingegen ist derzeit noch optimistischer und senkte die Wachstumsprognose für China um 0,4 auf 5,6 Prozent für das laufende Jahr. Das globale Wachstum dürfte um 0,1 Prozent sinken. Bei diesem Szenario ist der IWF allerdings davon ausgegangen, dass die chinesische Wirtschaft bereits im zweiten Quartal wieder normal läuft. 

Ist dies nicht der Fall, wird sich die chinesische Wirtschaft nicht so rasch erholen können. Zumal derzeit vieles auf eine weitere Ausbreitung des Virus hindeutet. Eine weltweite Pandemie könnte sogar eine globale Rezession auslösen. 

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