Die Coronapandemie setzt den Schweizer Unternehmen stark zu. Zahlreiche Firmen mussten in der ersten Jahreshälfte Umsatz- und Gewinneinbussen hinnehmen. Abgefedert wurden diese teilweise durch staatliche Unterstützungsmassnahmen und tiefere Kosten.

Die Lockdowns rund um die Welt haben die Schweizer Unternehmen hart getroffen: Der Reiseverkehr war lahmgelegt, Läden geschlossen, Lieferketten teilweise unterbrochen. Knapp 80 Prozent der Unternehmen, die bis am Freitag bereits Zahlen zur Jahresmitte vorgelegt haben, haben in der Folge weniger Umsatz gemacht, wie eine Auswertung der Nachrichtenagentur AWP von fast 80 Firmen zeigt.

In der Pandemie wachsen konnten vor allem Pharmaunternehmen sowie IT-Firmen wie der Grosshändler Also oder der Computerzubehörhersteller Logitech, die vom Home-Office-Boom profitierten. Daneben kamen auch Lebensmittelunternehmen, deren Produkte zum Grundbedarf zählen, gut durch die Krise.

Rote Zahlen

In vielen anderen Branchen dagegen zog die Pandemie nicht nur eine Schneise in die Umsatz-, sondern auch in die Gewinnzahlen. Rund die Hälfte verdiente weniger - und zwar im Schnitt rund ein Drittel.

Jedes sechste Unternehmen rutschte gar in die Verlustzone ab. Dazu gehörten in der Reisebranche tätige Unternehmen wie die Swiss oder der Reisedetailhändler Dufry ebenso wie die Industrieunternehmen Bobst, Feintool, Tornos oder Schmolz+Bickenbach.

Es hätte schlimmer kommen können

Allerdings erfüllten sich die schlimmsten Befürchtungen nicht. Börsenkotierte Firmen schnitten oft besser ab als von Analysten prognostiziert, vor allem beim Gewinn. Gemäss der AWP-Auswertung übertrafen knapp 70 Prozent der Firmen beim operativen Gewinn die Konsensprognose und rund 38 Prozent der Unternehmen sogar die höchsten Schätzungen.

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Die Kosten seien stark gesunken, sagt ZKB-Analyst Andreas Müller gegenüber AWP. Dabei habe einerseits Kurzarbeit eine Rolle gespielt, aber auch andere Effekte wie sehr tiefe Reisespesen. Die meisten Analysten hatten zudem mit einem längeren Lockdown und weniger schnellen Lockerungen gerechnet, ergänzt UBS-Aktienstratege Stefan Meyer. Auch die Staatshilfe sei laufend ausgebaut worden, was den Konsum gestützt habe.

Stellenabbau auch in der Schweiz

Bei einigen Unternehmen reichen allerdings Unterstützungsmassnahmen wie Kurzarbeit bei weitem nicht aus, um die Folgen der Krise abzufedern. So haben bereits einige Firmen einen Stellenabbau im Aus- und Inland angekündigt.

Der Lifthersteller Schindler beispielsweise will weltweit rund 2'000 Stellen abbauen, davon bis zu 10 Prozent in der Schweiz. Der Zahnimplantatehersteller Straumann hat wegen der Pandemie weltweit rund 660 Stellen zu gestrichen, davon etwa 60 am Hauptsitz in Basel. Und bei Oerlikon sollen bis Jahresende 700 von 800 geplanten Stellen abgebaut sein, davon rund 50 in der Schweiz und Liechtenstein.

(awp/mbü)