Handelszeitung
David Allemann und Martin Hoffmann

Fliegender Wechsel bei On

Von Maren Meyer
am 21.06.2018
Quelle: Michele Limina

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Börsengang, Verkauf oder Buy-in sind bei On derzeit kein Thema. Beim Zürcher Sportschuhhersteller geht Nachfolgeplanung anders: Sie findet fast jeden Tag statt. Und genau das macht die Firma so erfolgreich.

Wer mit den Gründern von On am Hauptsitz in ­Zürich West sprechen möchte, muss seine Füsse zuerst einmal in deren Schuhe stecken. Hippe Farbkombinationen und eine markante Sohle aus halbrunden und hohlen Elementen im Innern ­geben den Sportschuhen ihren Wiedererkennungswert. Die Sohlenstruktur soll ein Laufgefühl wie auf Wolken vermitteln. Passend dazu finden sich kleine Wölkchen unten an jedem Modell aufgedruckt. On-Schuhe sind angesagt. Seit der Gründung der Firma im Jahr 2010 läuft das ­Geschäft. Der Laufschuh steht nicht nur bei Spitzensportlern hoch im Kurs, sondern ist auch als Alltagsschuh beliebt. Bezüglich Umsatz wird geschwiegen, doch soll vier Jahre nach der Gründung die Gewinnschwelle erreicht worden sein. Alle Zeichen stehen auf Wachstum: Das Führungsteam ist – inklusive der drei Co-Gründer – mittlerweile fünfköpfig unterwegs. Weltweit hat sich die Mitarbeiterzahl in den letzten 18 Monaten verdoppelt. Grösster Absatzmarkt sind die USA. In der Schweiz liegt der Marktanteil von On bei 30 Prozent, Tendenz steigend.

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«Um die nächste Wachstumsphase zu zünden, müssen wir immer wieder anderen Mitarbeitern die Verantwortung übertragen»

David Allemann

Den Erfolg sieht Co-Gründer David Allemann in der sehr ­eigenen Unternehmenskultur. Nachfolgeplanung wird hier grossgeschrieben. Wer jetzt an einen Firmenverkauf oder eine Übergabe an die nächste Generation denkt, liegt falsch. «Wir sind kein gutes Beispiel für die klassische Nachfolgeregelung», sagt Allemann. «Wir haben nicht vor, uns zurückzuziehen.» Beim derzeit rasanten Wachstum müsse die Firma flexibel bleiben.

Und so findet die Nachfolgeregelung beim Unternehmen ­intern statt. Dabei besetzen die Mitarbeitenden ihre Position nicht länger als drei Jahre. Auch ihre Rollen bei On verändern sich ständig: So leitet heute zum Beispiel die ehemalige IT-Spezialistin den internationalen Verkauf und hat die Standorte in Australien und Brasilien aufgebaut. Ihre nächste Position ist noch offen. Know-how ist zwar wichtig, aber keine Voraussetzung für den Rollentausch. Was zähle, sei die Einstellung der Mitarbeiter: Sie müssen flexibel denken und loslassen können. Denn: «Um die nächste Wachstumsphase zu zünden, müssen wir immer wieder anderen Mitarbeitern die Verantwortung übertragen», sagt Co-Gründer David Allemann.

Foto: Michele Limina

Hohe Ansprüche

Um solche Leute zu finden, durchlaufen Bewerber vier bis sechs Interviewrunden mit dem Führungsteam und mit bis zu sechs Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen. In Zürich gebe es ­derzeit an die 100 Mitarbeiter, die auf diversen Positionen ­arbeiten können. Das Konzept scheint zu überzeugen: Pro ­Monat flattern rund 1600 Bewerbungen ins Haus. Ein Ziel der On-Gründer ist es, pro Jahr mindestens zwei leitende Positionen zwischen unterschiedlichen Bereichen zu rotieren. Dank diesen flexiblen Arbeitsstrukturen habe der Schuhhersteller bisher so schnell wachsen können, erklärt Allemann. Im Unternehmen herrsche eine offene Diskussionskultur, bei der jeder Mitarbeiter in allen Bereichen mitreden könne. Bei einer reinen Familienfirma mit einem Patron an der Spitze sei diese Art der Unternehmenskultur schwer einzuführen.

 

Anders als bei den meisten Firmen gibt es bei On keinen CEO


Auf reine Experten legt der Co-Gründer hingegen weniger Wert. Das Wichtigste, was ein schnell wachsendes Unternehmen brauche, seien Menschen, die ausserhalb des Rasters denken und sich schnell auf neue Situationen einstellen können. Der Erfolg von On zeige das, findet Allemann: «Keiner von uns hatte je zuvor einen Schuh entwickelt und heute machen wir genau das.»

Die Nachfolgeregelung macht auch vor dem Führungsteam nicht halt: Die Rollen der fünf Chefs haben sich über die Jahre verändert, auch sie müssen regelmässig loslassen. Anders als bei den meisten Firmen gibt es bei On keinen CEO. Das Führungsteam ist gleichberechtigt, wenn es darum geht, Entscheide zu treffen. Für ihre Positionen in der Gesamtleitung des Unternehmens suchten die Chefs zwar keine Nachfolger, für die ­verschiedenen Rollen, die sie besetzen, hingegen sehr wohl. So war Co-Gründer Caspar Coppetti zum Beispiel für die Operations verantwortlich. Später gab er die Rolle an Marc Maurer ab. David Allemann war anfangs auch noch Finanzchef, heute verantwortet diese Position Martin Hoffmann.

 

ON Laufschuh
Weiche Landung, festes Abstossen: Dank den hohlen Elementen im Innern federt der Läufer leicht ab
Quelle: Michele Limina

Flexibel bleiben

Was eine externe Nachfolgeplanung angeht, hat der CFO klare Vorstellungen: «Wir wollen ein Unternehmen, das selbstständig ist und wachsen kann. Sobald es nicht mehr in unserem Eigentum ist, bringt uns das von unseren Zielen ab.» Ein Börsengang stehe zurzeit aber nicht zur Debatte, sagt Hoffmann. Geld wird sogleich in operatives Wachstum investiert.

«On ist die am schnellsten wachsende Laufschuhmarke der Welt.»

Martin Hoffmann

Ein wichtiger Partner an der Seite von On ist UBS. Von der Start-up-Phase bis zur Wachstumsfinanzierung begleitet das UBS Deal-Team das Unternehmen nun schon. Besonders das Exe­cutives-&-Entrepreneurs-Team unter der Leitung von Franco Frattura berät den Sportschuhhersteller in seinem gesamten Lebenszyklus. «Als Bank-Partner haben wir mit unseren Corporate-Clients-Spezialisten zusammen mit On schon sehr früh über verschiedene Szenarien diskutiert», sagt Frattura. Es sei für jedes ­Unternehmen wichtig, diese Fragen so früh wie möglich anzu­gehen, da bei Firmen oftmals ein grosser Teil des Gesamtvermögens im Unternehmen gebunden sei.

Für das Führungsteam von On steht ein Verkauf nach eigenen Angaben derzeit nicht zur Diskussion. «On ist heute die am schnellsten wachsende Laufschuhmarke der Welt. Wir werden die Ärmel hochkrempeln und On weiter gross machen», sagt ­Martin Hoffmann.

Büro von On
In Zürich West werden die Laufschuhe von On designt. Seit 2010 haben sich die Modelle stark weiterentwickelt. Das Team arbeitet permanent an neuen Ideen, die den Sportschuh noch besser laufen lassen.
Quelle: Michele Limina

Wachsender Erfolg

Nach der Gründung ist On durchgestartet. Was den Schuhhersteller auszeichnet und wer ihn gross macht.

Das Unternehmen

Die Schweizer Sportfirma On wurde 2010 gegründet und hat heute Sitze in Zürich, Portland, São Paulo, Melbourne und Yokohama. Acht Jahre nach Markteinführung sind On-Schuhe bei mehr als 4000 Laufschuhspezia­listen und in mehr als 50 Ländern weltweit erhältlich. Seit der Gründung wächst das Unternehmen jährlich im hohen zweistelligen Bereich.

Der Schuh

Swiss Engineering steht auf jedem On-­Modell.
Denn die Laufschuhe werden in der Schweiz ent­wickelt. Hergestellt werden sie in Vietnam. Weltweit sind rund 3,5 Mil­lionen Läuferinnen und Läufer mit den Sportschuhen unterwegs.

Der Gründer

David Allemann, Caspar Coppetti und der ehemalige Profi-Triathlet Olivier Bernhard gründen die Schuhfirma 2010. Später stossen Martin Hoffmann und Marc Maurer zum Führungsteam dazu.

Die Tüftler

Für seine Schuhe holt sich On nur die Besten ins Haus: Sportwissenschafter, Weltklasse-Athleten, Laufenthusiasten und Designer arbeiten am perfekten Laufschuh. Die sogenannte Cloud-Technologie ist weltweit patentiert. Neu gibt es zudem On-Performance-Laufbekleidung. Schuhe wie Bekleidung ­haben auf der ganzen Welt bereits etliche Design-und Technologiepreise abgeräumt.

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