Sie sind vom Profifussballer zum Unternehmer geworden – und das in einem Alter, in dem viele Spieler noch nicht ans Karriereende denken. Wie kam das?
Mario Sager*: Eigentlich wollte ich nach der Matur ganz auf die Karte Fussball setzen. Doch dann hatte ich zwei längere Verletzungspausen. Um die freie Zeit neben der Physiotherapie zu nutzen, begann ich Kinder zu trainieren. Es machte mir Spass und so organisierte ich 2007 mein erstes Camp in Eschenbach (LU).

Heute ist MS Sports bei Sportcamps der Marktführer in der Schweiz. Wie gelang Ihnen dieser Aufstieg?
Ich machte weiter und organisierte mehr Camps. So ist das Projekt Schritt für Schritt gewachsen. Nebenbei hatte ich zunächst für den FC Luzern als Juniorentrainer und als Sportlehrer gearbeitet. Erst seit der Gründung der AG 2012, kann ich zu 100 Prozent für meine eigene Firma arbeiten.

Wann realisierten Sie, dass Ihr Projekt mehr ist als ein Hobby oder ein Nebenjob?
Ich merkte schnell, dass die Camps Potenzial haben und ich mein Hobby zum Beruf machen könnte. Als Raiffeisen 2012 anfragte und unser Hauptsponsor werden wollte, merkten wir, dass wir in der Welt der Sportevents angekommen waren.

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Wie stark ist der Leistungsgedanke in Ihren Camps?
Klar, die Kinder messen sich gerne und deshalb veranstalten wir auch Wettbewerbe. Aber wir wollen allen die Teilnahme ermöglichen. Heute sind zum Beispiel auch vier Kinder mit körperlicher oder geistiger Behinderung dabei. Einigen Eltern und Kindern ist Leistung aber wichtig, deshalb kann man sich für Leistungs- oder Fun-Camps anmelden.

Und MS Sports ist ja längst nicht mehr nur auf Fussball beschränkt.
Wir haben inzwischen Tanzen, Tennis und Reiten im Angebot. Dieses Jahr veranstalten wir neben 83 Fussballcamps 25 Tanz-, 25 Reit- und 20 Tennislager. So können wir auch Mädchen ansprechen. Dazu gibt es noch Polysportcamps auf dem Campus Sursee, wo die Kinder auch übernachten können. Zudem veranstalten wir weitere Sportevents und für Fussballclubs organisieren wir Turniere und Trainingslager.

Was haben Sie aus ihrer Karriere als Fussballprofi mitgenommen für Ihr Leben als Unternehmer?
Im Fussball und in der Wirtschaft wird dir nichts geschenkt. Es braucht Einsatz und Fleiss, um etwas zu erreichen. Und man lernt mit Enttäuschungen umzugehen. In der Anfangszeit war es nicht leicht. Auf uns hatte niemand gewartet und viele fragten sich: «Was will dieser 23-Jährige von uns?» Doch heute haben wir glücklicherweise die Bekanntheit, dass dies kaum mehr vorkommt.

Bereuen Sie manchmal, dass Sie keine Fussballkarriere gemacht haben?
Eigentlich nicht. Ich hatte eine schöne Amateurkarriere mit Eschenbach in der 2. Liga. Inzwischen spiele ich in der 3. Liga und es bereitet mir immer noch viel Freude. Als Fussballprofi wäre mein Leben eintöniger. Ich weiss nicht, ob mich das alleine wirklich zufrieden gestellt hätte.

Und dann kommt unweigerlich das Karriereende.
Genau. Ich habe Kollegen, die es nie ganz nach oben geschafft haben, die müssen sich jetzt mit 30 neu orientieren. In der Challenge League gibt es viele Spieler, die 3000 Franken im Monat verdienen, da bleibt wenig übrig für die Zeit nach der Karriere. In der Super League ist die Situation heute besser geworden, die meisten verdienen mehr als 200'000 Franken im Jahr.

Würden Sie als Profi mehr verdienen, als mit MS Sports?
Wenn ich es in die Super League geschafft hätte schon. Aber dann müsste ich mich fragen, wie es in zehn Jahren aussieht. MS Sports hat am Anfang fast nichts abgeworfen, das konnte ich nur machen, weil ich jung war und bei den Eltern wohnte. Mein erster Mitarbeiter verdiente als Angestellter mehr als ich, aber dafür behielt ich die Kontrolle über die Firma. Das hat mir später sehr geholfen. Denn es ist sehr schwierig, so ein Projekt zu zweit aufzubauen.

Heute sind Sie aber nicht mehr alleine.
Als ich die AG gründete habe ich sechs Mal 5 Prozent verkauft. Die Beteiligten sind mein Vater, mein Grossvater und einige Bekannte. Das sind eher Unterstützer als Investoren.

Bekommen Sie die momentane Imagekrise des Fussballs zu spüren?
Wir werden nicht als Fussballfirma wahrgenommen, sondern als Kinderförderungsfirma. Und wir haben ja auch einiges mehr zu bieten als Fussball. Die Eltern sind froh, dass sie die Kinder für eine Woche «versorgen» können. Und die Kinder haben Spass. Wenn wir für die fünf Tage 700 Franken verlangen würden, könnte man uns Geldgier vorwerfen. Weil wir aber einen grossen Teil der Kosten mit Sponsoren finanzieren, ist unser Ruf positiv. So können wir zum Beispiel die Fussballcamps für nur 235 Franken anbieten.

Wann kommt die Expansion ins Ausland?
Wir könnten Trainingslager für Schweizer Klubs im Ausland organisieren, etwa auf Gran Canaria. Aber das steht für mich nicht im Vordergrund, weil es Spezialisten gibt, die nichts anderes machen. Und die Organisation kann sehr schwierig sein. Im Ausland habe ich teilweise schlechte Erfahrungen gemacht.

Zum Beispiel?
Wir wurden aus China angefragt, ob wir ein Fussballcamp für 40 Studenten in der Schweiz organisieren könnten. So sind wir extra nach Kunming geflogen, doch dort wurden die zuvor besprochenen Bedingungen geändert. Plötzlich hiess es, dass wir rund um die Uhr vier Sicherheitsleute engagieren müssten. Das ging mit einem Budget von 8500 Dollar pro Kopf nicht auf. Ich hätte sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen, ohne sicher zu sein, dass dann auch alle kommen. Deshalb habe ich lieber die Finger davon gelassen.

Was sind ihre Visionen für MS Sports?
Vor fünf Jahren war es unser Ziel 10'000 Kinder in die Camps zu bringen. Da sind wir mit voraussichtlich 8000 in diesem Jahr schon recht nahe dran. Gerne würde ich auch grössere Sportevents organisieren. Ein Prestigeevent wie der Spengler Cup wäre toll.

*Mario Sager (31) gründete vor zehn Jahren die Firma MS Sports. Als Fussballprofi kam er zu einigen Einsätzen für die erste Mannschaft des FC Luzern. Doch den Durchbruch schaffte er unter anderem wegen Verletzungen nicht. Dafür stieg er mit seiner Firma zum Marktführer für Sportcamps in der Schweiz auf. Im Jahr 2016 organisiert MS Sports 150 Lager im Fussball, Tennis, Tanzen und Reiten. Diese finden jeweils während den Frühlings-, Sommer-, und Herbstferien statt.