Zahlen, Zahlen, Zahlen. Vor nicht langer Zeit waren noch die Finanzchefs die fleissigsten Datensammler und -verwalter in Unternehmen. Die Chefbuchhalter waren ständig damit beschäftigt, Daten anzufordern, die sie dann mühsam erfassten, zuordneten, auswerteten, zu Reports zusammenfassten. Ihre Aufgabe war es im Wesentlichen, Bericht zu erstatten über die Aktivitäten des Unternehmens – und das Geld zusammenzuhalten.

Doch Finanzchefs als Erbsenzähler und Chefbuchhalter im stillen Kämmerlein, während der CEO draussen an der Front steht, den Markt kennt, Strategien entwickelt, das Geschäft vorantreibt: Das war einmal. Heute ist den meisten Unternehmern klar, dass Daten eine wertvolle Ressource sind und Datenflüsse das Nervensystem ihres Unternehmens bilden.

Alle Bereiche mit Datenflüssen verbunden

«Daten durchdringen heute alles. Stockt der Datenfluss, steht die gesamte Firma still», sagt Markus Gisler, Präsident des CFO Forum Schweiz. «Während es in den Finanzabteilungen früher vor allem um die Erfassung und Auswertung interner Daten ging, haben die Datenflüsse heute ihren Ausgangs- und Endpunkt oft bei externen Geschäftspartnern.»

Zulieferer, Kunden, Banken, Behörden, Berater, Versicherer: Mit allen Stakeholdern sind Unternehmen heute auch über digitale Datenflüsse verbunden. Als Herr über Finanzen und Daten ist der CFO damit in eine strategische Schlüsselposition gerückt – und muss raus aus seinem stillen Kämmerlein, die Digitalisierung der Geschäftsprozesse im gesamten Unternehmen steuern und begleiten. Ein Vorteil für die Finanzchefs: In vielen Unternehmen ist die IT-Abteilung ohnehin bereits dem CFO unterstellt – schliesslich sind Finanz- und IT-Experten natürliche Verbündete.

Nun müssen die Finanzleiter lernen, die IT nicht länger nur als Kostenfaktor und Dienstleister für die Finanzabteilung zu sehen – sondern als strategischen Partner und Verbündeten bei der Umstellung auf digitalisiertes, datengetriebenes Wirtschaften. Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC aus dem Januar 2015 bestätigt, dass sich die Finanzabteilungen vom Zahlenlieferanten zum strategischen Partner für die Geschäftsführung mausern.

Anzeige

Sinnlose Datensammelei vermeiden

CFO leiden allerdings oft darunter, dass sich das Management von aktuellen Trends rund um die Digitalisierung verunsichern und zu einem wenig zielführenden Aktionismus verführen lasse, befindet Christian Westermann, bei PwC Schweiz für das Thema Analytics zuständiger Partner. «Die Firmen fangen teilweise an, wie wild Daten zu sammeln und Leute einzustellen, die irgendwie irgendetwas damit tun sollen», berichtet Westermann über seine Beobachtungen in einigen Schweizer Unternehmen. Westermann kritisiert: «Unternehmen müssen sich zuallererst die Frage stellen, welche Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung für sie tatsächlich relevant sind und was sie konkret erreichen wollen.»

CFO sollten etwa die neuen Möglichkeiten der IT daher zuerst dazu nutzen, sich von lästigen Routinearbeiten zu befreien –  damit sie mehr Zeit und Ressourcen für strategische Analysen haben, rät CFO-Präsident Gisler. «Die IT-Systeme nehmen den Finanzabteilungen das Datensammeln ab«, sagt er. «Früher war man als CFO glücklich, wenn man überhaupt alle relevanten Daten generieren konnte.»

Kosten sparen und  gestalten

Heute fischten die Systeme sie automatisch aus dem Datenozean. «Die IT-Leute haben viele Funktionen übernommen, die früher die Finance-Leute tagelang beschäftigten.» Je standardisierter die Finanz- und IT-Prozesse, desto leichter lassen sie sich automatisieren und zum Beispiel in sogenannte Shared Service Center auslagern. CFO, die diesen Trend weiter vorantreiben, könnten nicht nur Kosten sparen. Sie verschaffen sich auch die Chance, ihre Rolle als Chef-Stratege weiter auszubauen – und den digitalen Wandel mitzugestalten.