Unübersehbar stemmen sich die drei Barizzi-Krane mit ihrem knallgelben Logo dem Nebelgrau entgegen. In aller Herrgottsfrühe ist Daniela Spuhler-Hoffmann aufgestanden, um sich um halb sechs von Ehemann Peter und Tochter Ladina zu verabschieden, in den Geländewagen zu steigen und den Arbeitsweg aus dem Thurgau nach Zürich unter die Räder zu nehmen.

Tagwache um halb fünf, das klingt furchtbar! «Ach was!» Reine Gewohnheitssache sei das, sagt Daniela Spuhler, «halb so wild» also. Dann schnippt sie die Zigarette in den Graben, schnappt sich eine Cola light und setzt den Helm auf. Die 33-jährige Chefin geht auf Baustellenbesichtigung, heute auf ihrer Grossbaustelle am Dorfrand vom Egg, ennet der Forch, am Pfannenstiel.

Beton und Asphalt im Blut

Barizzi und Esslinger, Hochbau und Tiefbau. Seit drei Jahren besitzt und führt Daniela Spuhler-Hoffmann die beiden Unternehmen, die insgesamt 150 Personen beschäftigen und vor allem im Grossraum Zürich bekannt sind. «Typische KMU eben, Familienbetriebe mit Tradition und tiefer Fluktuation. Auch mein Bruder arbeitet in der Firma.»

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Sie macht einen Satz, um ein Schlammloch zu bewältigen, und bleibt stehen. «Ich habe schon als Kind gewusst, dass ich einmal auf dem Bau landen werde.» Was Wunder auch, bei den Genen: Der Grossvater von Daniela Spuhler gründete 1955 die Esslinger AG. Und unter der Ägide des Vaters kam es 1989 zur Übernahme der Barizzi AG.

Trotz Familienbanden, als arrangierte Nachfolgeregelung hat sich Daniela Spuhler-Hoffmann nie gefühlt. «Niemand hat von mir verlangt, ich müsse diesen Job machen. Ich bin ganz automatisch in die Materie hineingewachsen. Mein Grossvater hat mich jeweils auf die Baustellen mitgenommen, meinen Vater hab ich vor und nach der Schule auf den Werkhof begleitet.»

Und am Mittagstisch hätten sie und ihre Geschwister regelmässig mitbekommen, was es heisst, ein Unternehmen zu führen. «Vor allem die sozialen Aspekte» - die Verbundenheit mit den Angestellten. Sie hält kurz inne und steigt eine Leiter hoch.

Auf dem Bau akzeptiert

Oben, auf der ersten Etage des Rohbaus, wird im Affentempo montiert und betoniert. Viele der Arbeiter kennt die Chefin von Kindesbeinen an. Sie nimmt den zuvor fallen gelassenen Faden wieder auf: «Einem Unternehmen geht es nur gut, wenn es seinen Mitarbeitern gut geht. Grossvater und Vater haben ihre Leute allesamt mit Namen gekannt und sind auf deren Sorgen eingegangen.

Genau gleich will auch ich es halten.» Was ihr sehr zu denken gibt: Dass kaum mehr gute Leute zu finden sind, die auf dem Bau arbeiten wollen, keine Poliere, keine Arbeiter, keine Lehrlinge. «Ein echtes Problem», bemerkt die Firmeninhaberin.

Aufgewachsen ist Daniela Spuhler-Hoffmann in Zürich. Nach der Schule absolvierte sie die Handelsschule und arbeitete bei einer Unternehmensberatung. Dann studierte sie an der Zürcher Hochschule Winterthur Betriebsökonomie. Nicht etwa mit Schwergewicht Finanzwesen, sondern fokussiert auf industrielle Produktion.

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«Sorry, das soll mir jetzt keiner übel nehmen, aber mit dem Banken- oder Versicherungsmetier kann ich nicht viel anfangen. Ich mag, wenn es um etwas geht, das man anfassen und riechen kann. In der Industrie ist das am ehesten der Fall. Und natürlich auf dem Bau.»

Keine Ressentiments

Was hat sie an Rüstzeug aus dem Studium mitnehmen können? Daniela Spuhler-Hoffmann muss nicht lange überlegen. «Sämtliche Aspekte der Betriebswirtschaft natürlich. Und die Fähigkeit, sich vor Leute hinzustellen, zu referieren und zu repräsentieren.» Männer, die würden das eben meist im Militär erlernen. Aber Frauen?

Zahlreiche Lastwagen stehen vor dem Baustellentor am Dorfrand. Es ist laut, staubig. Material wird herumgewuchtet, Maschinen dröhnen. Daniela Spuhler-Hoffmann bläst sich die dunklen Fransen aus der Stirn und nimmt einen Schluck aus ihrer Colaflasche. Man dürfe kein Zimperchen sein auf dem Bau, sagt die zierliche Frau.

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Von übermässigem Machismo oder gar Ressentiments ihr gegenüber will sie allerdings nichts wissen. «Natürlich geht es hier nicht zu und her wie in einem Büro. Aber ich sage immer: Wenn jemand, also in diesem Fall eine Gruppe Männer, sieht, dass man Einsatz zeigt, dann klappt es ganz ausgezeichnet.»

Vom Übergwändli in den Blazer

Die Probe aufs Exempel hat sie diesbezüglich im Anschluss ans Studium und einen Job bei Mercedes Benz Nutzfahrzeuge in einem Praktikum gemacht. Nicht im väterlichen Betrieb, wo sie eventuell mit Samthandschuhen angefasst worden wäre, sondern in einem fremden Bauunternehmen, in dem kaum einer von ihrem Hintergrund Kenntnis hatten. «Daran denke ich unglaublich gerne zurück. Der Umgang mit den Menschen, den Maschinen, das Schaufeln, das Chrampfen.»

Zwar habe sie nach den ersten 12-Stunden-Schichten grausam gelitten und sei abends todmüde ins Bett gefallen - «aber gerade deshalb hat man mich auf dem Bau akzeptiert. Weil ich gezeigt habe, dass ich das unbedingt will. Mir handkehrum wurde einmal mehr bewusst, welch grosse Leistung diese Arbeiter Tag für Tag erbringen.»

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Die Firma im Herzen

Den Staub hat sich die ehemalige Pfadiführerin (Rufname «Höfi») längst aus den Kleidern geschüttelt. Aus der Arbeiterin ist die Chefin geworden. Blaue Jeans, weisses Top, blauer Blazer - sportlich-elegant heisst dies wohl im Modejargon. Die beiden Betriebe hat sie ihren Eltern abgekauft und sich dafür bei der Bank verschuldet. «Die Unternehmen sind meine Familie», antwortet sie auf die Frage nach deren Bedeutung in ihrem Leben. «Ich habe die Firma nicht nur im Blut, sondern auch im Herzen.»

Einmal mehr greift sie zur Cola, ihrem Elixier an stressigen Tagen, dann zum Handy. Pausenlos gehen auf dem iPhone SMS und Mails ein. Daniela Spuhler-Hoffmann ist nicht nur Unternehmerin mit Fulltime-Job, sondern auch Ehefrau und Mutter einer kleinen Tochter. «Alles eine Frage der Organisation. Mein Mann hilft tatkräftig mit bei der Betreuung», sagt sie und gibt gleichzeitig zu verstehen, dass sie nicht gewillt ist, Privates in die Öffentlichkeit zu tragen. Punkt.

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«Die Mischung machts»

Also, der Mann: Peter Spuhler, Vorzeigeunternehmer, Mehrheitsaktionär der Stadler Rail, Grossaktionär bei Rieter, VRP der Aebi-Schmidt-Gruppe, SVP-Nationalrat mit Sympathiebonus bis weit nach links, beredter «Arena»-Gladiator und gern gesehener Gast auf dem gesellschaftlichen Parkett.

Der rote Teppich, eine Alternative zur Baustelle? Daniela Spuhler-Hoffmann winkt ab. «Klar, es gibt Anlässe, da versteht es sich von selbst, dass man hingeht und damit zur öffentlichen Person wird. Aber ansonsten suche ich das Rampenlicht überhaupt nicht - was nicht heisst, dass auch ich ab und zu nicht gerne ein schönes Kleid anziehe.»

Sie steigt die Leiter hinunter und meint: «Die Mischung machts.» Dann schreitet sie über ein paar Planken zum Bürocontainer und sieht hoch zu den drei Kranen mit dem knallgelben Firmenlogo. Ihr Promifaktor auf einer Skala von 1 bis 10? Sie lacht. «Ich und ein Promifaktor zwischen 1 und 10? Da muss ich jetzt grad mal überlegen. Ach ja: Null, würde ich sagen!»

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