Spezialisten sind rar, die Nachfrage nach ihnen ist entsprechend gross. Dies lässt die Preise steigen. Doch welcher Lohn im Einzelfall angemessen ist, wie teuer etwa ein Ingenieur oder ein Controller sein darf, diese Fragen überfordern kleinere Unternehmen häufig. Ihnen fehlen die Vergleichsmöglichkeiten. Hier setzt die «Salärstudie Spezialisten und Fachkräfte in der Schweiz» an, welche die Managementberatung Kienbaum dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt hat. Die Studie zeigt, dass die Median-Gesamtvergütung für einen Seniorspezialisten bei 126 000 Franken pro Jahr liegt.

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Ziel der jährlichen Umfrage ist es, Transparenz über Höhe und Zusammensetzung des Gesamteinkommens von Spezialisten zu schaffen. Die Studie wertete die Angaben von fast 30 000 Spezialisten und knapp 20 000 Sachbearbeitern aus. Die Daten ermöglichen es Personalverantwortlichen, eine marktgerechte Vergütung festzusetzen, sagt Jörg Scholten, bei Kienbaum zuständig für Lohn- und Entschädigungsfragen. «Eine angemessene und leistungsgerechte Vergütung ist eine wichtige Voraussetzung zur Rekrutierung von qualifizierten Spezialisten und Fachkräften und zur langfristigen Bindung an das Unternehmen.»

Grösse des Unternehmens

Ein Spezialist ist gemäss Kienbaum- Definition ein Angestellter, der für ein Aufgabengebiet zuständig ist, für welches ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium oder eine sonstige besondere Qualifikation erforderlich ist, der jedoch keine disziplinarische Personalverantwortung hat. Doch Spezialist ist nicht gleich Spezialist. Dass nicht jeder in dieser Kategorie gleich viel verdient, liegt auf der Hand. Wovon also hängt der Lohn eines Spezialisten ab? Das entscheidende Lohndifferenzierungsmerkmal ist die Position. Im Gegensatz zu Führungskräften ist es jedoch nicht die hierarchische, sondern die fachliche Position. Überraschend ist, dass dabei die Unternehmensgrösse in den meisten Fällen eine untergeordnete Rolle für die Lohnhöhe spielt. Während bei Führungspositionen mit der Grösse des Unternehmens auch der Verantwortungsumfang und somit das Einkommen zunimmt, zeigt sich bei den Spezialistenlöhnen ein völlig anderes Bild. Hier beträgt der Lohnunterschied zwischen einem kleinen Unternehmen und einem Konzern lediglich 3,5 Prozent.

Nur in Ausnahmefällen fällt die Vergütung deshalb so hoch aus, weil die betreffenden Positionen überwiegend in grösseren Unternehmen vorkommen. So finden sich beispielsweise hochqualifizierte Fachspezialisten für Controlling oder Human Resources überwiegend in grossen Firmen; in kleineren Unternehmen werden diese Aufgaben eher von der jeweiligen Teamleitung übernommen.

Die Differenzierung der Gehälter nach Wirtschaftszweigen, also nach produzierenden Unternehmen, Handels- und Vertriebsgesellschaften sowie Dienstleistungsunternehmen, zeigt ebenfalls nur kleine Unterschiede. Vorhandene Vergütungsdifferenzen – wie sie beispielsweise zwischen Handel und Versicherungen sichtbar sind – beruhen bei näherer Analyse auf anderen Einflussfaktoren, in erster Linie auf höheren Anforderungen an die Mitarbeiterqualifikation beziehungsweise einem grösseren Bedarf an derart hochqualifizierten Profilen.

Auch der Ausbildungsabschluss bildet ein wenig gewichtiges Kriterium. Eine qualifizierte Ausbildung erhöht zwar die Chance, in der Unternehmenshierarchie aufzusteigen und dort die besser dotierten Positionen zu besetzen. In vergleichbaren Positionen lassen sich aber keine Vergütungsunterschiede allein aufgrund unterschiedlicher Ausbildungsabschlüsse feststellen. Überhaupt liegen die Gehälter von Hoch- und Fachhochschulabsolventen in den einzelnen Fachrichtungen enger zusammen als früher. «Die Differenzierungen haben sich in den letzten Jahren tendenziell verringert», stellt Kienbaum fest. Überdurchschnittliche Gehälter bekommen in der Regel nur zusätzlich qualifizierte Fachkräfte.

Mehr Geld in Zürich

Grössere Auswirkungen auf den Lohn hat hingegen der Standort des Arbeitgebers. In der Agglomeration Zürich sowie in Basel-Stadt und der Region Genfersee werden Spezialisten am höchsten vergütet. Ein wichtiger Einflussfaktor ist die Fachkompetenz beziehungsweise die Positionszugehörigkeit der jeweiligen Spezialisten. In den vergleichsweise höheren Löhnen insbesondere der Ingenieure schlägt sich die starke Nachfrage nach ihnen deutlich nieder. Als trügerisch erweist sich jedoch die Erwartung, dass mit zunehmendem Alter automatisch der Schritt vom Junior zum Senior mit entsprechendem Lohnzuwachs stattfindet. Natürlich gebe es einen Zusammenhang zwischen Alter und Lohnausprägung, sagt Jörg Scholten, «jedoch ist das Element der relevanten Berufserfahrung deutlich entscheidender für das Erreichen einer Ausprägungsstufe, also zum Beispiel Senior Spezialist. » Der knapp 30-Jährige kann deutlich mehr relevante Berufserfahrung angesammelt haben als der knapp 40-Jährige, «sofern er durch geschickte Jobwechsel seinen Karrierepfad planvoll entwickelt und die Lernkurve stetig steil bleibt», sagt Scholten.

Grafik: Top 20 der Spezialisten-Löhne

Die Studie: 451 Unternehmen machten mit

Mitwirkende
Bei der Kienbaum-Salärstudie für Spezialisten und Fachkräfte haben 451 Schweizer Unternehmen mitgewirkt, davon fast die Hälfte mit mehr als 1000 Beschäftigten. Der Rest verteilt sich gleichmässig auf kleinere Unternehmensgrössen. Ziemlich genau die Hälfte aller Lohndaten stammt von 254 Firmen aus der Agglomeration Zürich. Das Mittelland und die Nordwestschweiz steuerten 55 Firmen bei, die Zentralschweiz 40, die Ostschweiz 30 und die lateinische Schweiz 32.

Sachbearbeiter
Die Kienbaum-Spezialistenstudie nimmt auch die Löhne der Sachbearbeiter unter die Lupe. Bei diesen ist das Unterscheidungskriterium die hohe, mittlere beziehungsweise niedrige Komplexität der Aufgaben. Die drei Stufen der Sachbearbeiter kommen im Median auf 89 000 Franken, 80 000 Franken beziehungsweise 71 000 Franken. Ihre Gehaltssteigerung zum Vorjahr beträgt 2,3 Prozent.

Die «Salärstudie Spezialisten & Fachkräfte in der Schweiz 2013» kann zu einem Preis von 1'700 Franken über die Handelszeitung bezogen werden bei ines.letica@axelspringer.ch.