Viele Wirtschaftsfrauen stehen sich heute ähnlichen Problemen gegenüber. Doch es gibt Plattformen, die Abhilfe schaffen können. Viele davon sind im Netz zu finden.

1. Ich bin unsicher im Auftreten

Müssen Managerinnen anders auftreten als Manager? Welche Stilregeln gelten für Frauen in Führungspositionen? All diese Fragen sind für viele Wirtschaftsfrauen immer noch ungeklärt. «Frauen im Top-­Management stehen nach wie vor stärker im Fokus», so Stil- und Knigge­beraterin Susanne Abplanalp. «Ihr Aussehen und Verhalten wird genauer beobachtet. Frauen sollten grundsätzlich mehr Raum beanspruchen, sei es in Körperhaltung, Gestik als auch der Diskussion», mahnt die Stilexpertin an.

Tatsächlich haben es Männer mit ihren Uniform-Anzügen und dem kumpelhaften Umgang leichter als Frauen, die mehr Variationsmöglichkeit im Auftritt haben, damit aber auch einer grösseren Fettnäpfchen-Gefahr ausgesetzt sind. «Zu bunte und weibliche Kleidung wirkt unprofessionell», erklärt die Stilexpertin. Typgerechte Garderobe sei aber unumgänglich.

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Susanne ­Abplanalp hilft Frauen in all diesen Fragen. Sie hat schon unzählige Managerinnen eingekleidet und kennt alle Geheimnisse richtiger Businesskleidung. Beispielsweise, dass Frauen als kompetenter eingeschätzt werden, wenn sie mehrere Teile tragen und etwa auf ein­teilige Kleider verzichten. Oder dass kleine Muster im Geschäftsleben ­wirkungsvoller sind als grosse. Neben dem ­Aspekt der Kleidung können Wirtschaftsfrauen mit Abplanalp aber auch an Themen wie Lautstärke der Stimme, Tonfall, Atmung arbeiten. Denn ihrer Meinung nach sind trotz vielen Vorbildern ­Managerinnen immer noch zu zurückhaltend, was ihren Auftritt angeht.
www.kniggetoday.ch

2. Ich finde keine Finanzierung

Womenbiz ist eine Art soziales Netzwerk für Geschäftsfrauen. Hier finden sie Finanzierungsmöglichkeiten, neue Kunden und Geschäftskontakte. Besonders spannend dabei ist die Crowdfunding-Funktion für unternehmerische Projekte: «Crowdfunding ist eine einfache und unkomplizierte Möglichkeit, eine finanzielle Unterstützung zur Realisierung innovativer Projekte zu erhalten», so Womenbiz.ch-Gründerin Gabrielle Cacciatore-von Mandach.

Auf womenbiz.ch kann eine Unternehmerin ein Projekt lancieren und hat 90 Tage Zeit, es zu promoten und Unterstützer zu finden. Im Idealfall entstehen daraus Beziehungen zu sogenannten Business Angels. Also Investoren, die zusätzlich der Unternehmerin als Beraterin oder Mentorin zur Seite stehen.

Womenbiz funktioniert dabei wie ein Online-Netzwerk, eine Mischung von Empfehlungsfunktionen à la Trip Advisor und Netzwerkfunktionen à la Facebook für Frauenunternehmen. Denn Firmen können neben der Crowdfunding-Funktion Profile anlegen und gezielt nach neuen Kunden suchen. Kundinnen hingegen können Firmen bewerten und mit ihnen in Kontakt treten. «Womenbiz fördert und unterstützt Frauen und ­Unternehmerinnen wie auch Kundinnen und vernetzt sie miteinander», so Cacciatore-von Mandach. Durch die Vernetzung werde viel Zeit und Aufwand gespart, da einerseits das Marketing der Unternehmen und anderseits das Auffinden interessanter Geschäfte extrem vereinfacht wird.
www.womenbiz.ch

3. Ich weiss nicht, wie ich investieren soll

Wohin mit dem Geld? Diese Frage ist gar nicht so nebensächlich, wenn man bedenkt, wie viele Frauen sich erfolgreich in ­der Wirtschaft bewegen und die Gehalts­skala hinaufgestiegen sind. Dass Frauen dabei anders investieren als Männer, steht für den «Smart Ladies’ Investment Club» ausser Frage. 1997 gegründet, hat er sich als bedeutender Diskussionsclub über Geld- und An­lagethemen zu einem für Frauenthemen allgemein entwickelt. Vorbild war der legendäre «Beardstown Ladies»-Club, Ein Investmentclub von Frauen, der in den 80ern in den USA entstand. Rosemarie Oeh­niger, Vorsitzende der SLIC-Geschäftsleitung, sagt: «Frauen bevorzugen transparente und nachhaltige Anlageinstrumente. Männer traden gerne und haben grundsätzlich höhere Trans­aktionskosten. Frauen informieren sich ausführlicher, bevor sie sich für eine Investition entscheiden.»

Der Smart Ladies’ Investment Club sieht sich dabei auch als eine Art Thinktank für Frauen-­Anlagethemen. Regelmässig treten Hochkaräter aus der Banken- und Finanzwelt auf und präsentieren ­Anlagemöglichkeiten, die anschlies­send umfassend debattiert werden. Vizepräsidentin Katja Isik sagt: «In unseren Workshops gilt Learning by doing. Wir wollen lernen, was Personal Financial Planning und Portfolio Management für unsere Sicherheit in Zukunft bedeuten.»
www.slic.ch

4. Ich habe kein Netzwerk

Es gibt viele Frauennetzwerke in der Schweizer Wirtschaft – vom Verband der Wirtschaftsfrauen Schweiz, dem Verband Frauenunternehmen, alliance F, Business and Professional Women bis zu NEFU, dem Netzwerk für Einfrau-Unternehmerinnen. Welches Netzwerk für einen selbst interessant ist, hängt von vielen Faktoren ab. Suche ich momentan eher Vernetzung in meiner Branche oder eine Vernetzung über mehrere Branchen hinweg? Suche ich allgemein eine neue Karrieremöglichkeit oder brauche ich Rat in ­einer ganz spezifischen Frage? Wer diese Fragen für sich beantwortet hat, kann mit der Wahl des passenden Netzwerks fortfahren, denn diese unterscheiden sich in ihren Profilen deutlich.

Für junge Wirtschaftsfrauen ist eine inter­essante Möglichkeit die Vereinigung «Young ­Female Enterpreneurs & Executives». Präsidentin Carole Hofmann organisiert für die mehreren Hundert Mitglieder, die sich in der ganzen Schweiz verteilen, Veranstaltungen und Netzwerkdienstleistungen. Dabei ist es der Verbandsführung wichtig, sowohl ein Online- als auch ein Offline-Netzwerk zu ­begründen. Zudem soll der Zugang zu Executive-Stellen und VR-Mandaten erleichtert werden. Dafür werden die Mitglieder des Vereins ­regelmässig mit Executive-Search-Spezialisten vernetzt, um den Aufstieg so möglichst effektiv zu gestalten.
www.yfee.ch

5. Ich schaffe den Aufstieg nicht

Wenn Frauen nach einer Möglichkeit suchen, Nachfolgerin in einer Firma zu werden, und in ihrer jetzigen Stelle keine Aussicht darauf haben, dann ist geschaeftsfrau.ch die richtige Plattform. Mit dem Portal sollen Frauen die Chancen einer Unternehmensnachfolge aufgezeigt und der Zugang zur Nachfolge erleichtert werden. Erstmals werden dabei Frauen zum Thema Unternehmensnachfolge ganz gezielt und exklusiv angesprochen.

Die Leiterinnen der Plattform, Carla Kaufmann und Franziska Müller, erklären: «Ende 2012 hatten wir für das national grösste Vermittlungsportal für Unternehmensnachfolge eine Auswertung gemacht, bei der sich herausgestellt hat, dass gerade mal acht Prozent aller registrierten Nutzer weiblich ­waren. Die Erkenntnis war für alle Beteiligten überraschend und stand in krassem Widerspruch zu unseren Erwartungen. Denn wir wussten, dass viele Unternehmen auch explizit eine Käuferin suchen.

Frauen können seitdem auf ge­schaeftsfrau.ch gezielt nach Nach­folgemöglichkeiten suchen. Und Firmen finden Geschäftsfrauen, die Verantwortung übernehmen wollen. «Dabei ist es natürlich nicht in unserem Sinn, Frauen zu etwas zu über­reden, das ihnen keine Freude macht oder sie überfordert. Also möchten wir solche Frauen für eine Nachfolge gewinnen, welche sich in einem selbstständigen Umfeld auch wohlfühlen.» Auf Wunsch vieler Frauen wurde auch die Möglichkeit einer Teamnachfolge, also die Übernahme einer Firma im Team, entwickelt. www.geschaeftsfrau.ch

6. Ich bin Mutter und finde keinen Job

Nanette Steiner und Jill Altenburger Soblik haben das Problem, das sie mit ihrer Plattform lösen wollen, selbst erlitten. Nach der Geburt ihrer Kinder erlebten sie den Wiedereinstieg ins Berufsleben als äusserst harzig. Sie stiessen auf Skepsis und kritische ­Bemerkungen. Wie belastbar ist eine junge Mutter, auch wenn sie top qualifiziert ist? Diese Fragen hatten Steiner und Altenburger Soblik satt.

Kurzerhand riefen sie jobsfuermama.ch ins Leben – die erste Jobplattform der Schweiz nur für Mütter. Firmen, die dort inserieren, suchen gezielt nach Müttern, die in Teilzeit mitarbeiten wollen. ­Warum Unternehmen das ausgerechnet auf der Mütter-Plattform tun sollen, ist für Mitgründerin Nanette Steiner klar: «Gut ausgebildete Mütter sind häufig erfahren und top motiviert, zudem belastbar, speditiv und sehr gut organisiert. Mütter arbeiten auch nicht ewig in geringen Pensen, sondern erhöhen diese später oft.»

Zudem ­könne der viel zitierte Fachkräftemangel gerade mit gut ausgebildeten Müttern ­aufgewogen werden, so Steiner. Für ­Firmen ist jobsfuermama.ch zudem eine gute Gelegenheit, ihre Marke als familienfreundlicher Arbeitgeber zu stärken – Stichwort Employer Branding. Und bei den Müttern kommt das Angebot an. Bereits kurz nach dem Start haben sich 1000 stellensuchende Frauen auf der Plattform regis­triert. Aktuelle Stellenanzeigen wie für ­Dozentin, Oberärztin, Buchhalterin und viele bereits vermittelte Stellen geben den jungen Gründerinnen recht. Sie haben eine Marktlücke entdeckt – aus eigener Erfahrung.
www.jobsfuermama.ch