Das Büro von Petra Danielsohn-Weil wird, so wirkt es, regelmässig neu eingerichtet. Die letzte Veränderung betrifft den grossen Konferenztisch, der zugunsten eines Teppichs und drei leuchtend roter Besprechungs-Sessel ins Nebenzimmer verbannt wurde. Hier scheint sich jemand häuslich einzurichten – und tatsächlich kann sich die an der Spitze der hiesigen Niederlassung des US-Pharmakonzerns Pfizer stehende Deutsche gut vorstellen, noch einige Jahre in der Schweiz zu bleiben. «Meine aktuelle Position ist eine der schönsten, die man haben kann», sagt sie.

«Dies bin ich nicht zuletzt auch meinen Mitarbeitenden schuldig», ergänzt Danielsohn-Weil; bevor sie im November 2006 in die Schweiz kam, gab es an der Spitze von Pfizer Schweiz mehrere Wechsel. Entsprechend gross war die Verunsicherung unter den Angestellten. Petra Danielsohn-Weil fühlte sich rasch heimisch. Mittlerweile versteht sie auch gut Schweizerdeutsch und ist am Pauken von französischen Vokabeln.

In ihrem Büro im siebten Stock des Pfizer-Bürogebäudes im Norden von Zürich stechen zwei weitere Dinge ins Auge. Dabei handelt es sich um Gegenstände, die das berufliche Leben der 48-jährigen Pharmamanagerin teilweise schon seit langem begleiten. Erstens ein Bild, das sie seit 14 Jahren an allen ihren Arbeitsplätzen aufhängt. Und zweitens ein rosafarbenes Stoffschwein. Dies ist nicht etwa ein Geburtstagsgeschenk eines ihrer beiden Patenkinder, sondern eine Silvestergabe eines ehemaligen Arbeitskollegen. «Einerseits ist es tatsächlich zu einem Glücksschwein geworden», erzählt Danielsohn-Weil. Andererseits habe es bei ihrer Tätigkeit für Pfizer in Deutschland eine wichtige Aufgabe erfüllt.

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«In den Büros am Standort in Karlsruhe gab es keine Klimaanlage. Um frische Luft hereinzulassen, mussten wir also die Fenster öffnen. Doch diese hatten einen Nachteil – sie fielen regelmässig von sich aus wieder zu», blickt sie zurück. Also habe sie jeweils das Schwein zwischen den Fensterrahmen und das geöffnete Fenster geklemmt, um die Frischluft-Zufuhr zu sichern. «So wussten meine Kollegen immer sofort, ob ich im Haus bin oder nicht», lacht sie.

USA als «pure Inspiration»

Noch heute ist sie regelmässig im süddeutschen Karlsruhe anzutreffen. Ihr Ehemann betreibt dort eine Marktforschungsfirma. Den Entscheid, dass sie die Aufgabe als Chefin von Pfizer Schweiz übernehmen soll, fällten sie aber gemeinsam, betont sie. Ihr Mann sei auch oft in der Schweiz.

Eigene Kinder hat sie nicht. «Das war nicht ein bewusster Entscheid, sondern hat sich einfach so ergeben», sagt sie. Für sie sei aber immer klar gewesen: «Falls ich einmal Kinder haben sollte, würde ich deswegen nicht mit dem Arbeiten aufhören.» Und als die Frage dann doch einmal aktuell wurde, kam das Angebot einer Stelle bei Warner-Lambert am Hauptsitz in den USA. «Und das war dann auch wieder eine pure Inspiration», so Danielsohn-Weil.

Sie wehrt sich gegen den Eindruck, dass die auf ihrem Bürotisch deponierte Schneekugel mit der Grand Central Station – einem grossen New Yorker Bahnhof – eine Hommage an den Hauptsitz ihrer aktuellen Arbeitgeberin sei. «Ich liebe Amerika, und ich liebe New York – das hat aber nichts mit Pfizer zu tun», sagt sie.

Wichtig ist die Liebe

Überhaupt: Die Liebe ist ein wichtiges Stichwort. Sei es die Liebe zur Pharmabranche, in der sie seit bald 20 Jahren tätig ist. Sei es die Liebe zum Beruf, die sie meistens nicht als Arbeit, sondern als Spass erlebt. Oder sei es ihre Liebe zum Golfsport, wegen der sie sich jeden Frühling eine Woche Trainingsferien in Portugal gönnt.

Denn zum wichtigsten Führungsprinzip von Petra Danielsohn-Weil gehört es, jeweils immer «ein heisses Herz» und einen «kühlen Kopf» zu haben. Hinter dem «kühlen Kopf» stecken für sie Schlagworte wie «Klarheit» oder «Ziele»: «Ich spreche dabei bewusst von Klarheit und nicht von Transparenz. Denn bei der Klarheit geht es zusätzlich auch darum, die Wahrheit auszusprechen, sei dies die genaue Beschreibung des zu lösenden Problems, die glasklare Analyse oder ein klares Lob», erklärt sie. Sie möchte den Mitarbeitenden klare Ziele geben und den Grund für die anstehenden Aufgaben erklären. Anschliessend legt sie aber grossen Wert auf Selbstständigkeit. Unter dem «heissen Herz» wiederum versteht Danielsohn-Weil die Notwendigkeit, viel Herzblut zu haben. «Dies ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die ich von meinen Kolleginnen und Kollegen erwarte.» So soll man nicht krampfhaft bestrebt sein, die Karriereleiter hochklettern zu wollen, sondern seinen aktuellen Job so lange innehaben, wie er Spass macht – und sich erst um Alternativen kümmern, wenn diese Freude nicht mehr da ist. Und man soll sich im Berufsleben nicht anders geben als im Privatleben: «Auch wir Manager sind keine kühl funktionierenden Maschinen, sondern ebenfalls nur Menschen mit allen ihren Vor- und Nachteilen.»

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So hat sie kein Problem, sich im Büro im Jogging-Anzug zu zeigen oder das Mittagessen gemeinsam mit den anderen rund 220 Angestellten von Pfizer Schweiz in der Kantine einzunehmen. Sie sei ein «offener» und «zugänglicher» Chef, betont sie. Deshalb ist die Türe zu ihrem Büro meistens geöffnet, und sie hat ihre Mobiltelefonnummer auf ihre Visitenkarte aufdrucken lassen.Obwohl Petra Danielsohn-Weil laut eigenen Angaben nie Wert auf das Erreichen einer formellen Karrierestufe legte, ist ihr das Fördern von jungen Frauen ein zentrales Anliegen. Sie ist deshalb Mentorin von einigen Frauen (diese arbeiten einerseits bei Pfizer selbst, sind andererseits aber beispielsweise noch Studentinnen), um mit ihnen über zukünftige Perspektiven zu sprechen oder auch die Balance zwischen dem Berufs- und dem Familienleben zu erleichtern.

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Suche nach «Balance in Life»

Von der berühmt-berüchtigten Work-Life-Balance hält sie nichts. «Und zwar nicht, weil mir die Freizeit nicht wichtig wäre. Sondern weil ich den Begriff für falsch halte», sagt sie. Sie spricht deshalb lieber von einer «Balance in Life». «Jeder Mensch soll nach seiner eigenen Balance in seinem Leben suchen. Denn es gibt Momente, wo der Beruf wichtiger ist. Zu einem anderen Zeitpunkt wiederum hat die Familie Vorrang. Jeder muss sich selber erden», erklärt sie.

Hinter solchen Sätzen verbirgt sich ein Flair für psychologische Fragen. Und tatsächlich. Wäre Petra Danielsohn-Weil nach ihrem Biologie- und Chemiestudium nicht in der Pharmabranche gelandet, wäre sie wahrscheinlich Psychologin geworden. Doch ihr Interesse für naturwissenschaftliche Fragen – und der Tod ihrer Mutter 1973 durch Leukämie – haben ihr Bewusstsein für die Medizin geweckt.

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Ausführlich berichtet sie vom bisher kuriosesten Erlebnis ihrer beruflichen Karriere: Sie habe lange Zeit mit dem Kollegen einer japanischen Partnerfirma an einigen Lizenzabkommen gearbeitet. Um die Kooperation zwischen Pfizer und den Japanern zu fördern, habe ihr der Chef der japanischen Pharmafirma einmal bei einem Mittagessen mit der gesamten Projektgruppe vorgeschlagen, ihren Kollegen doch gleich zu heiraten. «Mein damaliger Chef war selten sprachlos – in diesem Moment war er es aber definitiv», lacht sie.

Heute arbeitet sie gezielt daran, die Bedeutung der Schweizer Pfizer-Ländergesellschaft zu erhöhen. So hat sie erreicht, dass mittlerweile einige Pfizer-Mitarbeiter mit internationalen Aufgaben oder regionalen Zuständigkeiten (beispielsweise Osteuropa) in Zürich sitzen. Und vermehrt nehmen Schweizer Universitäten an globalen Studien von Pfizer teil.

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