Von der Kakao- zur Kaffeebohne: Der Lindt & Sprüngli-Manager Thomas Linemayr wird CEO des deutschen Kaffee- und Handelskonzerns Tchibo. Linemayr amtet bis Ende April noch als US-Chef beim Schweizer Schokoladenhersteller, danach zieht er nach Hamburg. Spätestens ab Anfang des kommenden Jahres soll er die Aufgaben des noch-CEO Markus Conrad vollständig übernehmen, wie es im Communiqué der Deutschen heisst.

«Ich freue mich auf die herausfordernde Aufgabe, Tchibo zu weiterem, nachhaltigem Wachstum zu führen», wird Linemayr in der Medienmitteilung zitiert. Die Stärkung der Marke Tchibo werde im Zentrum seiner Arbeit stehen. Er könne dabei von seinen Erfahrungen als Lindt-Manager zehren, sagt der gebürtige Österreicher. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Manager den Schoko-Hersteller verlässt. Neuer Lindt-USA-Chef wird Daniel Studer.

Umsatz verzehnfacht

Linemayr startete seine Karriere bei der französischen Kosmetikgruppe Yves Rocher und beim US-Pharmakonzern Johnson & Johnson. 1995 heuerte er beim Schweizer Hersteller von Premiumschokolade an, seit 1999 verantwortet er das US-Geschäft. Seit 2013 ist er Mitglied der erweiterten Konzernleitung.

Unter seiner Ägide verzehnfachte sich der Umsatz im grössten Schokoladenmarkt der Welt. Als der Ökonom mit Sudienabschluss der Johannes-Kepler-Universität Linz auf dem US-Chefsessel Platz nahm, steuerten die USA 185 Millionen Dollar zum Lindt-Konzernumsatz bei. Im letzten Jahr waren es 1,62 Milliarden Dollar. Das ist fast die Hälfte des Umsatzes weltweit.

Coup im Sommer 2014

Lindt & Sprüngli ist mittlerweile die Nummer 3 im US-Markt – nur Hershey und Mars sind grösser. Im Premium-Segment sind sie klarer Marktführer. Das Oster- und das Weihnachtsgeschäft sind besonders lukrativ. In dieser Zeit geht das Zig-fache der normalen Menge an Lindt-Kugeln und Schokohasen über den Tisch.

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Linemayr setzte bei der Expansion des US-Geschäftes auf eigene Shops. Deren Zahl wuchs Jahr für Jahr, mittlerweile führt Lindt 156 Stores in Nordamerika. Sein bisher grösster Coup war der Kauf des Süssigkeitenhersteller Russell Stover im Sommer 2014.

Süsses Lohnversprechen

In seiner neuen Position wird Linemayr die doppelte Umsatzmenge verantworten und Herr über 12'500 Mitarbeiter sein. Ob der Wechsel an die Tchibo-Spitze auch mit einem Gehaltssprung einhergeht, ist unklar. Der Kaffeekonzern gehört einer nicht kotierten Holding – der Maxingvest mit Sitz in Hamburg. Die Holding wird von der Familie Herz kontrolliert und hält 100 Prozent des Tchibo-Kapitals. Details zur Vergütung an der Tchibo-Spitze werden nicht bekanntgegeben.

Lindt & Sprüngli dagegen macht als börsenkotierte Firma die Vergütung der Konzernleitung öffentlich. Und die Daten zeigen: Der Schokokonzern versüsst den Managerposten mit Top-Salären. CEO Ernst Tanner verdiente 2015 gesamthaft 7,4 Millionen Franken. Der Rest der siebenköpfigen Konzernleitung erhielt 14,5 Millionen Franken. Das macht im Schnitt rund 2 Millionen Franken pro Kopf.

Feldzug gegen Nespresso

Angesichts der Aufgabe, die Linemayr übernimmt, hat er eine ansprechende Vergütung verdient. Der Tchibo-Umsatz sank zuletzt zum zweiten Mal in Folge. Der Gewinn vor Steuern fiel 2015 unter die Marke von 100 Millionen Euro, vor wenigen Jahren war es noch das Dreifache. Zum Vergleich: Lindt erzielte 2015 einen Gewinn vor Steuern von über 500 Millionen Franken.

Tchibo hat den Fehler gemacht, Kaffeeketten wie Starbucks ohne viel Gegenwehr gewähren zu lassen. Auch die Chance neuer Kaffee-Kapsel-Systeme entdeckten die Deutschen nur zögerlich. Vor einem Monat lancierte Tchibo deshalb unter der Marke «Qbo» eine neue Kapsel samt Apparat – ein Grossangriff auf Nespresso. Der Feldzug bringt den Österreicher Linemayr denn auch wieder zurück in die alte Heimat: Tchibo stezt im Vertrieb von Qbo auf eigene Läden, einen in Berlin und einen in Wien.

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