Tatendrang. Den hat Patrick Liotard-Vogt schon in jungen Jahren verspürt. Tatendrang und den Willen, den anderen zu zeigen, dass es auch so geht, wie er es für richtig erachtet. «Diktierte Meinungen und vorgegebene Marschrichtungen sind mir ein Greuel. Das war schon in der Schule so, in der Pfadi, später im Internat.» Er fährt sich durch die roten Haare. Die Haare! «Als Kind haben die Leute schon mal den kleinen Teufel, das Tüüfeli, in mir gesehen.» Amüsiert winkt er ab.

Immer öfter in Zeitungsspalten

Tatsachenbericht oder Koketterie - fünfzehn Jahre später ist Patrick Liotard-Vogt auf jeden Fall so etwas wie der Shootingstar des Schweizer Jetsets. Spätestens seit er sich im August mit drei weiteren Investoren die Länderlizenz von «Diners Club» für Deutschland, Liechtenstein und die Schweiz gesichert hat, erscheint der hochaufgeschossene Stäfner regelmässig in den Medien. Weltmännisch posiert der 26-Jährige unter den Jagdtrophäen seines Vaters («SonntagsZeitung»), schwärmt er von exquisiten Clubs, empfiehlt Zigarren, Kunst, Fluggesellschaften («Bilanz») und tut seine ökonomischen Botschaften («Tagesanzeiger») kund.

Wir wissen also: Patrick Liotard-Vogt ist Enkel des ehemaligen Nestlé-Konzernchefs Pierre Liotard-Vogt und Sohn von Vermögensverwalter Bertrand Liotard-Vogt, einst CEO von Général Finance. Er besitzt in New York eine Wohnung, deren Räumlichkeiten so eingerichtet sind, dass sie glatt als Hotelzimmer durchgehen - mit Föhn, TV, Telefon und Safe.

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Patrick Liotard-Vogt ist beteiligt unter anderem an «A small World» (Online-Netzwerk), «The World’s Finest Clubs» (Mitgliederkarte für angesagte Klubs), «Silkmed» (Hand-Desinfektionsgel), «Poken» (Digitale Visitenkarte) und seit Kurzem an «Diners Club».

Als Kind hat er die Nummer auf der Kreditkarte seines Vaters auswendig gewusst. Fils à Papa! Die Kommentare, welche die Berichte über ihn regelmässig im Internet hervorrufen, sind getüncht mit Abneigung und Neid. Dass einer aus gutem Hause mit 26 in der harten Geschäftswelt Erfolg hat, ist den meisten mehr suspekt denn sympathisch. Patrick Liotard-Vogt selbst reagiert gelassen auf die Anfeindungen.

Statt mit einer Aufzählung erfolgreicher Projekte seine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit unterstreichen zu wollen, bemerkt er trocken: «Es gibt Leute, deren Eltern sind Musiker. Entsprechend bekommen sie bei der Geburt ein Talent mit in die Wiege gelegt. Was also ist daran so verwerflich, wenn man einer Unternehmerfamilie entstammt, die gleichen Gene wie seine Vorfahren hat und etwas macht aus dieser Situation?»

Exklusivität als Geschäftsmodell

Liotard-Vogt ist selbstbewusst. Er liebt den Luxus und das Schöne, geniesst guten Wein, gutes Essen und er übernachtet auch mal gerne im «Dolder» hoch über Zürich. Liotard-Vogt ist sich aber auch seiner Verantwortung bewusst. Als Entrepreneur und als Sohn. «Ich glaube nicht, dass ich mir hier oben einmal ein Hausverbot einhandeln werde», sagt er. Und weiss ganz genau: Der Vergleich mit Sprösslingen anderer bekannter Familien, denen ebendies passiert ist, wird ihm nie erspart bleiben.

Dass er einmal Unternehmer werden würde, das war Patrick Liotard-Vogt früh schon klar. Mit 17 brach er noch vor der Matura die Schule ab, um «The World’s Finest Clubs» auf die Beine zu stellen, ein Zutrittsgarant zu den «angesagtesten» Klubs in Form einer Membercard. Das Startkapital von 40 000 Fr. erhielt der Internatsabgänger vom Vater vorgestreckt. «Dass man Geld bekommt, das ist das eine», fügt der Jungunternehmer gleich an, «was man damit macht, das andere.»

Mit «Finest Clubs» spricht er gutbetuchte Menschen in den Mittdreissigern an. Genau gleich wie mit der Online-Plattform «A Small World», die er vor einem Jahr für einen zweistelligen Millionenbetrag den Hollywood-Produzenten Harvey und Bob Weinstein abgekauft hat. Das Geld für den Deal stammte auch aus dem Verkauf von Usgang.ch und Students.ch an Axel Springer.

Mitglied beim «Facebook für Reiche» («Wall Street Journal») kann nur werden, wer von einem anderen Mitglied dazu eingeladen wird. «Während bei anderen sozialen Netzwerken die Masse der Nutzer sehr gross und heterogen ist, ist unsere Zielgruppe ganz klar definiert.» Sie reist gerne, pflegt einen überdurchschnittlichen Lifestyle und verdient im Jahr über 300 000 Euro. «Das macht uns für die Werbeindustrie sehr attraktiv», bemerkt Liotard-Vogt.

Das Engagement bei «Diners Club» macht für den 26-Jährigen vor dem Hintergrund seiner bisherigen Beteiligungen durchaus Sinn. Er, der zwischenzeitlich seinen Bachelor in Banking & Finance gemacht hat, will das Image des Herausgebers der Karte entstauben und sie einem verjüngten Kundensegment schmackhaft machen. Auch hier gilt die Maxime: Wer eine «Diners» zückt, der gehört einem exklusiven Kreis an. Denkbar sei denn auch die Nutzung von Synergien etwa mit «A Small World» oder «Finest Clubs», verrät Liotard-Vogt, der bei «Diners Club» vor allem im Hintergrund agieren will; Geschäftsführer bleibt weiterhin Anthony J. Helbling, der Liotard-Vogt persönlich an Bord geholt hat.

«Diners, die erste Kreditkarte der Weltgeschichte, soll wieder zu einem Premium-Produkt werden», betont Patrick Liotard-Vogt. «Sie steht für Solvenz und Exklusivität. Und Individualität wird ganz gross geschrieben.» Dazu gehört auch, dass die Kunden bei Fragen nicht von einer anonymen Stimme im Callcenter bedient werden, sondern von einer direkten Ansprechperson.

Einst Junior beim FC Stäfa

Kaufen, verkaufen. Und damit Geld verdienen. Für Patrick Liotard-Vogt gibt es mit Ausnahme der Kunst nichts Spannenderes im Leben als den ökonomischen Kreislauf. «Wenn aus einem Investment nach einem Jahr etwas herausschaut, dann habe ich gut gearbeitet, nicht mehr, nicht weniger», sagt er. Bisher habe das eigentlich auch immer geklappt. Der junge Stäfner, der schnell spricht und mit seinen klaren Vorstellungen wohl manch einen Geschäftspartner zu überzeugen vermag, hebt die Augenbrauen.

«Natürlich bin ich mir aber auch bewusst, dass ich mich in einer priviligierten Situation befinde. Ich weiss, dass es auch Niederlagen geben wird.» Und dann? «Wenn ich erkenne, ob und wo ich einen Fehler gemacht habe, dann kann ich das abhaken, wegstecken, weitermachen. Schwierig wirds, sollte die Ursache des Misserfolges nicht bei mir persönlich liegen oder nicht klar zu definieren sein.» Er überlegt kurz, sucht nach Niederlagen in der Vergangenheit - und wird beim FC Stäfa fündig. «Wenn als Junioren wir verloren haben, das hat mich jedes Mal ziemlich aufgeregt.»

Erster Lohn auf dem Bauernhof

Sein erstes Geld hat Patrick Liotard-Vogt auf einem Bauernhof verdient, seine ersten Investments waren Comic-Hefte, die er mit Gewinn auf dem Flohmarkt an die Jungs und Mädchen aus der Nachbarschaft brachte. «Der Business-Gedanke hat mich schon als Kind fasziniert», führt er aus, «und heute überlege ich fortwährend, welche Geschäftsidee Sinn macht, was ein Erfolg werden könnte.»

Dass diese Gedankenspiele nicht primär hinter Bürowänden fruchten, sondern mitunter bei alltäglichen Tätigkeiten, versteht sich für den Junginvestor von selbst. «Die besten Ideen habe ich stets beim Spazieren. Darum halte ich auch wenig von geregelten Büro- und Präsenzzeiten.» Denn am Ende zähle einzig und allein das Resultat. Wie man dorthin komme, sei eigentlich egal. Sein Leitsatz? «Management by Dreams».