Die Chefs von Schweizer Top-Konzernen erhalten im europäischen Vergleich die höchsten Vergütungen. Am meisten verdiente im vergangenen Jahr Severin Schwan, Konzernchef des Basler Pharmaunternehmens Roche, wie einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Willis Towers Watson zu entnehmen ist.

Für das Jahr 2017 lag die Gesamtvergütung der Konzernlenker in der Schweiz im Median bei 8,61 Millionen Franken oder 7,76 Millionen Euro. Auf dem zweiten Rang folgen die Chefs in Grossbritannien die mit 6,38 Millionen Euro entlohnt wurden und damit etwas mehr als CEOs deutscher Unternehmen (6,35 Mio Euro) verdienten. Eingerechnet sind dabei das Festgehalt, der in dem Geschäftsjahr ausgezahlte Bonus sowie anteilig die variable Vergütung, die über mehrere Jahre gestreckt ist.

Allerdings hat sich 2017 die Gesamtvergütung von Schweizer Unternehmen im Median jenem der europäischen Gesellschaften angenähert, wie Olaf Lang, Managing Director von Willis Towers Watson, an einem Mediengespräch in Zürich erklärte. Im Vorjahr lag der Schweizer Median noch bei 10,28 Millionen Euro. Den verringerten Abstand erklärt Lang zum einen mit der Zusammensetzung des Stoxx All Europa Index 100, dessen Unternehmen zur Erhebung beigezogen wurden, und zum anderen mit starken Bonuskürzungen bei Nestlé und der Credit Suisse.

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Schweizer Chefs haben tiefstes Grundgehalt

Am meisten kassierte laut der Studie Severin Schwan von Roche mit 12,88 Millionen Euro (14,3 Millionen Franken). An zweiter Stelle lag Carlos Brito, Chef des Brauereiriesen AB Inbev (12,81 Mio Euro), gefolgt von Sergio Ermotti von der Grossbank UBS (12,52 Mio Euro) und dem damaligen Chef des Pharmakonzerns Novartis, Joseph Jimenez (11,58 Mio Euro). Auf Platz fünf stand Bill McDermott, Chef des deutschen Software-Unternehmens SAP (10,79 Mio Euro).

Obwohl aber Schweizer-CEOs unter den 100 grössten europäischen Unternehmen bei der Gesamtvergütung den Spitzenplatz belegen, liegt der Median der Firmenleiter der ausgewerteten SLI-Unternehmen mit 4,4 Millionen Euro um 23 Prozent unterhalb des europäischen Niveaus, wie Lang betonte.

Ausserdem sei der Anteil der fixen Vergütung unter den Schweizer Chefs der 100 grössten europäischen Unternehmen mit 25 Prozent am niedrigsten. In der Schweiz und auch in Grossbritannien hätten "die Top-Manager weniger Garantien, aber durch die hohen variablen Anteile auch grössere Chancen auf ein Spitzengehalt", sagte Lang weiter. Die höchsten Gesamtdirektvergütungen korrelieren somit mit den niedrigsten Grundgehältern.

Cheflöhne in Europa stiegen 5 Prozent

In der Gesamtschau über alle in der Studie berücksichtigten 100 grössten Konzerne Europas stiegen die Vergütungen im Median zum Vorjahr um rund fünf Prozent: von 5,46 Millionen Euro auf 5,73 Millionen Euro. Dabei blieben die Fixgehälter den Angaben zufolge stabil, die Boni erhöhten sich etwas.

Zu den 100 europäischen Top-Unternehmen gehören zehn in der Schweiz ansässige Firmen; zwei von ihnen gehören nach Marktkapitalisierung zu den Top 5 in Europa.

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(awp/tdr)