Lüthi war seit 2008 bei der BVK, der Personalvorsorge des Kantons Zürich, tätig und leitete das Ressort Akquisition und Projektentwicklung. Seit 2009 war er als Geschäftsführer (CEO) der BVK Immobilien AG tätig, einem Tochterunternehmen der BVK, das aus der ehemaligen Eichhof Immobilien AG entstanden ist. Lüthi studierte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und schloss als Architekt FH ab.

Regelmässig taucht das Schreckgespenst Immobilienblase auf. Platzt diese nun demnächst oder platzt sie nicht?

Stephan Lüthi:
Dass der Schweizer Immobilienmarkt boomt, ist unbestritten. Von einer generellen Blasenbildung möchte ich aber nicht sprechen. Im Segment der Rendite- beziehungsweise Investitionsobjekte stösst das relativ spärliche Angebot auf eine schon seit Jahren enorm hohe Nachfrage der institutionellen Anleger wie Pensionskassen, Anlagestiftungen, aber auch Immobilienfonds und Aktiengesellschaften. In Anbetracht der kaum einschätzbaren Volatilität der aktuellen Ak­tienmärkte wird sich die Nachfrage und damit die Preise in diesem Segment des Immobilienmarkts in nächster Zeit kaum nach unten bewegen. Zudem sind andere Ausprägungen, die eine Immobilienblase kennzeichnen, nicht gegeben: Am Markt ist sowohl ein zu hoher Risikoappetit in Verbindung mit zu tiefen Risikoprämien als auch ein hoher Anteil an Spekula­tionsgeschäften nicht festzustellen.

Aber Überhitzungstendenzen sind sichtbar.

Im Bereich des Wohneigentums zeigen sich diese in einzelnen Regionen. In Zentren wie Zürich, Genf und Lausanne konnten starke Preisanstiege festgestellt werden. In gewissen Feriendestinationen wie Davos oder dem Oberengadin verdoppelten sich die Preise für Wohneigentum in den letzten zehn Jahren gar. Hier besteht ein erhöhtes Risiko, dass im Falle eines Nachfragerückgangs die Immobilienpreise ins Rutschen geraten könnten.

Teilen Sie die Behauptung, dass im Wohnungssegment ein Trend zurück in die urbanen Gegenden überhandnimmt, dass also Wohnen auf dem Land gegenüber früher an Zugkraft verliert?

Anzeige

Der Trend zurück in die Zentren ist erkennbar. Schon seit Anfang der 90er-Jahre wird von einer Renaissance der Städte gesprochen – einer Reurbanisierung. Es ist ein Ansturm, vor allem jüngerer Menschen, auf die innenstadtnahen Wohnviertel zu beobachten. Dieser neue Haushaltstyp resultiert aus dem steigenden Karrieresinn, dem sinkenden Kinderwunsch und der Aufhebung der «Normalbiographie». In den Städten leben immer mehr Singles, Paare ohne Kinder, Wohngemeinschaften und Witwer. Als Folge der angespannten Wohnungssituation in den Zentren und deren Agglomerationen werden insbesondere Familien mit eingeschränktem Budget und dem Wunsch nach Wohneigentum weiterhin in die ­peripheren Randzonen gedrängt.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Geld?

Geld spielt immer eine gewisse Rolle, doch bei einer Anstellung kommt bei mir «Inhalt vor der Form».

Wie sind Sie zum neuen Job gekommen?

Durch persönliche Kontakte wurde ich auf diese Position aufmerksam gemacht und durchlief in der Folge ein übliches Rekrutierungsverfahren.

Was langweilt Sie?

Endlose Sitzungen ohne konkrete Ergebnisse.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?

«Neue Institutionenökonomik» von Elisabeth Göbel. Kernpunkt darin ist die ­Anerkennung von Koordinations- und Motivationsproblemen bei der Interaktion von Menschen in einer arbeitsteiligen Wirtschaft.

Was stimmt Sie traurig?

Schicksalsschläge von mir nahestehenden Menschen.

Welche Fähigkeiten besässen Sie gerne?

Etwas mehr Geduld wäre in gewissen Situationen oftmals hilfreich.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung ausserhalb der Arbeit?

Sportliche Aktivitäten in den Bergen, am liebsten in Gesellschaft.

Was würden Sie gerne erfinden?

Den 25-Stunden-Tag.

Wie wohnen Sie?

Wir beziehen in wenigen Tagen unseren frisch renovierten Hausteil aus dem Jahr 1908 in Winterthur.

Was für ein Auto fahren Sie?

Einen BMW-Kombi.

Wie lautet Ihr Alltagsmotto?

Simplify your life.

Was ist Ihre grösste Sorge?

Die zunehmende Polarisierung und Intoleranz in der Schweizer Politik.

Können Sie kochen?

Ja, und meist ist es sogar ziemlich geniessbar.

Welchen kulinarischen Genüssen können Sie nicht widerstehen?

An einer Schachtel Luxemburgerli von Sprüngli kann ich kaum vorbeigehen.

Welchen Traum wollen Sie sich erfüllen?

Die Besteigung des Mount McKinley.

Welches Musikstück würden Sie als persönliche­ Hymne wählen?

Da gäbe es so einige, aber nicht ein einziges. Darunter fänden sich sicher Stücke von den Rolling Stones, den Led Zeppelin, den Dire Straits oder Pink Floyd.

Steckbrief

Name: Stephan Lüthi

Geboren: 25. April 1963

Zivilstand: Verheiratet, eine 18-jährige Tochter

Wohnort: Winterthur

Ausbildung: Architekturstudium ZHAW Winterthur, Wirtschaftsingenieur FH, M.Sc. Real Estate (Curem)

Bisherige Funktion: Leiter Akquisition & Projektentwicklung bei der BVK, Personalvorsorge des Kantons Zürich; Geschäftsführer der BVK Immobilien AG

Neue Funktion: Bereichsleiter Bau & Facility Managementund Mitglied der Geschäftsleitung, Wincasa AG, Immobilien-Dienstleistungen, Winterthur