Im April hat Ulrich Spiesshofer seinen Posten als ABB-Chef geräumt. Er hat es in seiner Amtszeit nicht geschafft, für entscheidenden Schwung beim Aktienkurs zu sorgen. Spiesshofer hat sich immerhin fast sechs Jahre im Amt gehalten. Bei anderen Unternehmen dreht das CEO-Karussell schneller: So hat OC Oerlikon seit 2009 nicht weniger als sechs unterschiedliche Firmenchefs gesehen.

Kontinuität auf oberster Führungsebene wird immer seltener - so scheint es zumindest. Aber es gibt sie tatsächlich, die Firmenchefs, die sich über mehr als ein Jahrzehnt an der Spitze behaupten können. Doch können diese Langzeitchefs während ihrer Schaffenszeit an der Börse tatsächlich einen Mehrwert generieren - oder handelt es sich um Sesselkleber?

Wir haben die Aktienkursperformance der dienstältesten Firmenchefs am SPI seit Amtsantritt analysiert. Das Ergebnis ist etwas ernüchternd: Die Mehrheit konnte performancemässig den Gesamtmarkt nicht schlagen, zwei haben sogar bis heute deutlich an Wert vernichtet. Immerhin gibt es aber auch vereinzelt Erfolgsstories.

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Drei Firmengründer halten sich lange im Amt

Zu den dienstältesten Chefs gehören André Kudelski (Kudelski, Antritt 1987), Matthias Reinhart (VZ Holding, Antritt 1993) und Marc Bürki (Swissquote, Antritt 1999). Sie alle haben ihre Firma selber gegründet, Kudelski und Reinhardt haben noch heute eine Mehrheitsbeteiligung. An der Börse konnte nur Reinhart wirklich überzeugen: Seine VZ hat seit dem IPO 2007 185 Prozent zugelegt. 

Bürki konnte mit seinem Onlinebroker Swissquote  - er selber hält rund 13 Prozent der Aktien - seit 2000 zwar 50 Prozent an Wert gewinnen, der gesamte Swiss Performance Index (SPI) hat aber im gleichen Zeitraum deutlich höhere 135 Prozent zugelegt. Minus 16 Prozent sind es bei Swissquote in diesem Jahr. Mangelnde Innovationsfreude kann man Bürki nicht vorwerfen: Swissquote setzte früh auf den Krypto-Hype, das generierte 2017 viel Umsatz und zahlreiche Kontoeröffnungen. Doch inzwischen ist die Euphorie einer Ernüchterung gewichen, der Kryptoumsatz ist eingebrochen.

Ein regelrechtes Trauerspiel ist die Börsen-Entwicklung der IT-Verschlüsselungsbude Kudelski aus dem Kanton Waadt: Seit dem Börsengang im Jahr 1998 hat die Firma 75 Prozent an Firmenwert vernichtet. Aktuell ist die Aktie noch 6.50 Franken wert, während der Internet-Blase zur Jahrtausendwende waren es zwischenzeitlich 268 Franken. Das ursprüngliche Hauptgeschäft von Kudelski, die Verschlüsselung digitaler Fernseher, ist seit einiger Zeit rückläufig. Derzeit läuft noch immer ein Turnaround, man versucht vermehrt auf das Trendthema "Internet der Dinge" zu setzen. Bisher ist das nur mässig erfolgreich - und unter den Kudelski-Aktionären sind längst resignative Tendenzen auszumachen.

Interroll-CEO ist Sieger

Doch dann gibt es auch Chefs, die im Laufe ihrer langen Amtszeit den Firmenwert massiv erhöhen konnten. Am beeindruckendsten sind die Aktien-Performancezahlen bei Paul Zumbühl. Seit 19 Jahren führt er Interroll, ein Hersteller von Produkten der Fördertechnik. An seinem ersten Arbeitstag im Januar 2000 kostete die Interroll-Aktie noch 155 Franken, inzwischen sind es sagenhafte 2110 Franken - oder rund 13-mal mehr.

Interroll-Aktie

Kursperformance der Interroll-Aktie seit dem Amtsantritt von CEO Paul Zumbühl im Januar 2000.

Quelle: SIX

Wie die Grafik oben zeigt, hebt der Interroll-Aktienkurs vor allem seit 2015 massiv ab. Die Firma mit Standort in Sant'Antonino im Tessin ist eine Profiteurin der zunehmenden Automatisierung und des starken Anstieges des Onlinehandels. Die Wachstumsraten sind bei Interroll noch immer hoch, die ZKB spricht in einer Analyse sogar von einem "explodierten" Auftragseingang im laufenden Jahr. Aber Achtung: Inzwischen ist die Aktie mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 30 nicht mehr günstig bewertet.

Eine weitere aussergewöhnliche Erfolgsstory liefert Magdalena Martullo-Blocher. Sie belegt in der cash-Auswertung Platz zwei. Im Januar 2004 übernahm Martullo-Blocher die Leitung bei Ems-Chemie von ihrem Vater Christoph Blocher, der damals seine Firmenpflichten zugunsten eines Sitzes im Bundesrat übergab. Sie schaffte etwas, was ihrem Vater über Jahre verwehrt blieb: Wieder Schwung in den Ems-Aktienkurs zu bringen. Plus 670 Prozent ist ihre beindruckende Bilanz an der Börse seither. Ems ist äusserst erfolgreich in einer Nische im Bereich der Spezialkunststoffe tätig, ausserdem ist auch die Dividendenrendite von aktuell 3,6 Prozent für Anleger attraktiv.

Den Markt deutlich schlagen konnten auch Patrick Comes vom Lausanner Broker Compagnie Financière Tradition (+555 Prozent seit 1998, dritter in der cash-Auswertung), Lukas Winkler vom Messtechnikunternehmen Inficon (+465 Prozent seit 2004) und Gilles Andrier vom Aroma- und Duftstoffhersteller Givaudan (+266 Prozent seit 2005).

Aussergewöhnliche Geschichten

Darüber hinaus finden sich auf der Liste der dienstältesten Firmenchefs auch Personen, die weniger durch ihre Kursperformance, als vielmehr durch ihre spezielle Geschichte auffallen. Da wäre etwa Nick Hayek, der seit 2003 das CEO-Amt beim Uhrenhersteller Swatch inne hat und damit in die grossen Fussstapfen seines Vaters Nicolas Hayek trat, der in den 1980er-Jahren die Schweizer Uhrenbranche zu neuem Leben erweckte. Nick Hayek selber sorgte etwa 2013 für Schlagzeilen, als er den Geschäftsbericht auf Schweizerdeutsch veröffentlichte.

Aussergewöhnlich auch die Geschichte um Markus Blocher, Chef des Pharmazulieferers Dottikon. Eigentlich wollte er einst die Führung bei der Ems-Chemie übernehmen, doch sein Vater Christoph Blocher gab der um zwei Jahre älteren Schwester Madgalena Martullo-Blocher den Vorzug. Wie ein ehemaliges VR-Mitglied der Ems-Chemie im Wirtschaftsmagazin Bilanz sagte, sei das für Blocher Junior ein furchtbarer Tiefschlag gewesen, unter dem er bis heute leide. Stattdessen wurde Markus Blocher CEO und Mehrheitsaktionär (72 Prozent der Aktien) bei Dottikon, die er 2005 von der Ems-Chemie abspaltete.

Groupe Minoteries aus der Romandie ist das einzige börsenkotierte Müllereiunternehmen der Schweiz. Ihr wichtigstes Produkt ist das Weichweizenmehl. Seit 2005 ist Marc Müller Firmenchef, zuvor war er schon über ein Jahrzehnt Chef der Bruggmühle Goldach, die von der Groupe Minoteries geschluckt wurde. Müller ist, wie sein Nachname bereits suggeriert, ein Getreideexperte durch und durch: Schon seit den späten 1970er Jahren ist er im Mühlen- und Getreidegewerbe tätig. Ausserdem betrieben gemäss einem Artikel der NZZ bereits seine beiden Grossväter Mühlen in der Ostschweiz.

Aktienperformance der dienstältesten Firmenchefs im SPI

Firma CEO Im Amt seit Aktienkurs seit Antritt SPI seit Antritt
Kudelski André Kudelski* 1987 -75%
(seit IPO 1998)
+130%
Perrot Duval Nicolas Eichenberger 1992 -65%
(seit IPO 1997)
+105%
VZ Holding Matthias Reinhart* 1993 +185%
(seit IPO 2007)
+60%
Compagnie Financière Tradition Patrick Combes 1997 +555%
(seit IPO 1998)
+160%
Swissquote Marc Bürki* 1999 +50%
(seit IPO 2000)
+120%
Interroll Paul Zumbühl 2000 +1330% +135%
Banque Cantonale de Genève Blaise Goetschin 2000 +40% +130%
u-Blox Thomas Seiler 2002 +15%
(seit IPO 2007)
+60%
Swatch Nick Hayek 2003 +155% +260%
EMS Magdalena Martullo-Blocher 2004 +670% +195%
Dufry Julián Díaz González  2004 +25%
(seit IPO 2005)
+105%
Inficon Lukas Winkler 2004 +465% +195%
Dottikon Markus Blocher 2005 +100% +165%
Givaudan Gilles Andrier 2005 +266% +175%
Groupe Minoteries Marc Müller 2005 +130% +140%

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