Die Skala der Angebote könnte unterschiedlicher nicht sein. Fredmund Malik vom gleichnamigen Malik Management Zentrum St. Gallen (MZSG) wählt eine ganz andere Strategie, um Führungskräfte in leitenden Funktionen zu befähigen, sich in der ständig wandelnden Wirtschaftswelt zu stählen – mit dem Malik MZSG Master of Management. In seinem Urteil sind die meisten MBA-Programme eine «wenig hilfreiche Ausbildung, weil ihre Inhalte für ihre Aufgaben in komplexen Systemen weitgehend irrelevant sind» (siehe Interview).

Deshalb alle MBA-Angebote in einen Topf zu werfen, wäre verfehlt. Klar gibt es einen noch nie da gewesenen Wildwuchs mit diesem Titel. Darin sind sich Bildungsexperten einig. Man kann es mit dem MBA-Titel auch übertreiben. Aber es gibt Beispiele, die Furore machen.

Dominator Universität St. Gallen

Das Executive-MBA-Programm der Universität St. Gallen (HSG) unter seinem Leiter Wolfgang Jenewein gehört mit Tausenden Absolventen aus allen Kontinenten zu den deutschsprachigen Pionieren, die auf die immer rascher veränderten Managerwelten reagiert haben. «Wer sich bei uns anmeldet, muss nicht nur geistig agil und geografisch mobil sein, sondern auch als Persönlichkeit überzeugen», sagt Jenewein.

«Unser Executive-MBA-Programm bietet die Möglichkeit, aus einem Portfolio von drei verschiedenen Varianten auszuwählen.» Das klassische EMBA, das International EMBA oder das Global EMBA. «Damit ist die ­Executive School der Universität St. Gallen eine der wenigen europäischen Business Schools, die Managern als Full Provider in diesem Markt Lösungen anbietet, die auf ihre individuellen Bedürfnisse – quasi à la carte – abgestimmt sind», ergänzt Jenewein. Wer sich für die global ausgerichtete Version entscheidet, wird im Rahmen dieser Weiterbildung viele Male die Koffer ­packen müssen, denn die verschiedenen Module werden nicht nur in St. Gallen, sondern auch in Indien, Brasilien, China (Peking und Schanghai), Ungarn sowie in der Türkei (Istanbul) durchgeführt, wo derzeit weltwirtschaftlich die Post abgeht. «Das muss man sich nicht als fliegendes Klassenzimmer vorstellen», erklärt Jenewein. Die Absolventen haben vor Ort die Möglichkeit, mit ­Politikern, Managern, Unternehmern und Wirtschaftswissenschaftern Kontakt aufzunehmen, Know-how auszutauschen und so – neben dem General Management – zu erleben, was es bedeutet, in verschiedenen Kulturkreisen tätig zu sein.

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Weil aber unsere Wirtschaftslandschaft nach wie vor von Managern geprägt ist, die zwar ins Ausland expandieren, aber nicht in all den vorhin genannten Ländern Fuss fassen wollen, wird auch das klassische EMBA angeboten. Dieses Programm, mehrheitlich in St. Gallen durchgeführt, ist so strukturiert, dass die Teilnehmer zwischen­ den Modulen noch Zeit für Familie und Beruf haben. «Inhaltlich geht es primär um die Vermittlung der St. Galler Managementlehre mit ihrem ganzheit­lichen, integrierten Ansatz», so der akademische Direktor Jenewein.

Bleibt noch die dritte Dimension, das bereits erwähnte International EMBA. Dieses Angebot ist weniger transnational als das Global Executive EMBA, beinhaltet aber zusätzlich Module in Grossbritannien­ (London), Ungarn (Budapest) und Südamerika. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Themen Responsible Leadership, Ethik und Nachhaltigkeit.

Neue Fachhochschule St. Gallen

Der Fachhochschule St. Gallen (FHS)bieten sich seit Anfang Februar neue Synergiemöglichkeiten für die gesamte MBA-Palette. Sie ist soeben in eines der markantesten Hochhäuser der Stadt eingezogen und konnte die auf mindestens ein Dutzend verstreuten Ausbildungsangebote unter einem Dach vereinen. «Wir haben die Weiterbildungsstätten in den Fachbereichen Gesundheit, Soziale Arbeit, Technik und Wirtschaft zusammengeführt und sind das Ostschweizer Kompetenzzen­trum für interdisziplinäre Bildungsinnovation. Praxisorientierung und wissenschaftliche Fundierung sind bei uns keine Gegensätze, sondern Kernelemente unserer Programme», sagt dessen Leiter Reto Eugster. Damit sich Interessenten besser orientieren können, sind sie in Themenschwerpunkte gegliedert und umfassen berufsbegleitende Weiterbildungs-Master (Executive MBA und Master of Advanced Studies, MAS), Diplomlehrgänge (Diploma of Advanced Studies, DAS), Zertifikatslehrgänge (Certificate of Advanced Studies, CAS) sowie Seminare.

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Auf das Profil der Absolventen angesprochen, meint Eugster: «Bei uns finden Personen in Managementfunktionen wie auch Fachkräfte aus dem Immobilien- und Ingenieurwesen, Verantwortliche in der Krankenpflege und in der Sozialarbeit, aber auch Marketing- und Medienex­perten sowie Personen, die sich in der ­Gemeindepolitik engagieren, auf sie zu­geschnittene Angebote.»

Interview mit Fredmund Malik, Gründer und Inhaber, Malik Management Zentrum, St. Gallen

 

Was Sie als Wirtschaftsweiterbildung ­anbieten, läuft nicht unter dem Begriff Master of Business Administra­tion, kurz MBA, obwohl doch eigentlich auch Führungskräfte angesprochen sind, die ihre Handlungsentwürfe immer volatileren Umfeldern anpassen müssen?

Fredmund Malik:
Der MBA ist wertvoll, wenn es um eine konzentrierte betriebswirtschaftliche Ausbildung geht. Ich denke da speziell an Nichtbetriebswirtschafter wie etwa Ingenieure, Naturwissenschafter, Juristen oder Informatiker. Letztlich hat jedes Problem, das es zu ­lösen gilt, auch eine betriebswirtschaft­liche Seite. MBA ist aber – entgegen aller Vermutung – in der Regel keine Managementausbildung.

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Gehen Sie deshalb einen anderen Weg?
Ja. Ich habe bereits 1996 den ­Master of Management entwickelt, weil eben Business Administration allein noch nicht genügt, besonders in der heutigen Zeit. Die herkömmlichen ­MBA-Programme sind eine der massgeblichen, bis heute aber unerkannten Ursachen für die heutige Krise.

Da müssen Sie schon deutlicher werden.
Durch die MBA-Programme ist weltweit das angelsächsische Managementverständnis verbreitet worden, dessen Kern der Shareholder Value ist und somit auch die kurzfristige, rein finanzwirtschaftliche Art der Unternehmensführung. Bestes Beispiel für einen Kon­trapunkt ist Helmut Maucher, ehemaliger langjähriger Konzernchef und heutiger Ehrenpräsident von Nestlé. ­Unter seiner Ägide wurde der Konzern nicht nur einfach grösser, sondern hat langfristig ­realwirtschaftliche Werte geschaffen, die dem Aktionariat zugutekommen, weil sie sich nicht an kurzatmigen ­Betrachtungsweisen orientieren.

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Sie sagen, dass viele Absolventen-Jahrgänge von Hochschulen einseitig und eben nicht mit dem Blick auf ein gesundes Unternehmen ausgebildet werden. Etwas hart, wenn man bedenkt, dassan der HSG und an der FHS ethische ­Aspekte immer mehr gewichtet werden.
Das ist weniger eine Frage der Ethik als vielmehr der Logik von richtiger und guter Unternehmensführung. Fehlentwickungen zeichneten sich ­bereits Mitte der 1990er-Jahre ab. Die ethischen Aspekte kommen nun doch reichlich spät.

Was ist denn das Alleinstellungsmerkmal bei Ihrem Weiterbildungsansatz?
Teilnehmende lernen und üben ganzheitlich ausgerichtetes Management, um hochkomplexe, vernetzte ­Herausforderungen des tief greifenden Wandels zu meistern. Sie werden befähigt, robuste und zuverlässig darauf reagierende Unternehmen zu schaffen. Wir stellen keine Blankoschecks für ­subjektive Beliebigkeit aus, wie das im Rahmen herkömmlicher Managementtheorien immer wieder geschieht.

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interview: Mélanie Knüsel-Rietmann