Da ich kein Geld hatte, um Ski zu kaufen, konstruierte ich mir selber ein Paar», erzählt der gelernte Zimmermann Josef Stöckli, der so 1935 das Fundament für die heutige Stöckli Swiss Sports AG gelegt hat. Als Grundmaterial diente ihm ein Stück Eschenholz, das er in seiner Werkstatt zurechtschnitt und im Dampf eines Waschzubers in Form brachte. «Das funktionierte prima», sagt der 93-jährige Senior und zeigt ein Foto, das ihn mit einem Salto auf diesen museal anmutenden Ski zeigt. «Das sehe ich mir oft an», sagt er, ohne Wehmut, aber mit sichtlichem Stolz.

Ein Mitarbeiter, der den Firmengründer noch persönlich kennt und freudig begrüsst, holt eines seiner ersten Modelle aus dem Lager. Es wird aufbewahrt wie eine Reliquie. Josef Stöcklis Sohn Beni, mittlerweile auch bereits 39 Jahre im Unternehmen und bis vor kurzem noch in der Doppelfunktion als CEO und VR-Präsident tätig, schmunzelt: Auf solchen Ski hat er bereits als Dreikäsehoch die Pisten unsicher gemacht. «Einmal sogar mit nackten Füssen in der Bindung, weil ihm die Schuhe zu gross waren», erinnert sich der Senior.

Hightech statt Do it yourself

Das neueste Modell aus der Stöckli-Kollektion wird neben die «Erdbeeriholz-Ski» gestellt – wie sie der Firmengründer lachend nennt. Es ist ein Hightech-Produkt, das von den Cracks im Weltcup gefahren wird. Wie hat der Vater reagiert, als die Entwicklungs-ingenieure, die sein Sohn Beni verpflichtet hat, immer noch ausgeklügeltere Verfahren zur Serienreife gebracht haben, die Stöckli letztlich als einzigen Schweizer Skiproduzenten in 32 Ländern auf der Welt zum Begriff werden liessen? Wie glückt eine Nachfolgeregelung zwischen einem Platzhirsch von Wolhusen und seinem Sohn, der zu neuen Marktufern aufbrechen will? «Einfach, indem man die Jungen machen lässt», sagt Josef Stöckli.

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Und genau nach demselben Rezept ist nun auch sein Sohn vorgegangen, als er sich Anfang April auf das VR-Präsidium zurückgezogen und seinen eigenen Sohn und Enkel des Firmengründers auf die operative Schiene gestellt hat.

Der berufliche Rucksack von Beni Stöckli jun. ist gut gepackt: BWL-Studium in Bern mit Vertiefungsrichtung Marketing und Wirtschaftsinformatik. All das wird ihm jetzt zugute kommen. Genauso wie die Tradition des Hauses, nach der jeder, der in eine Führungsfunktion aufsteigt, alles von der Pike auf zu lernen hat.

Jedenfalls sind der Sohn des Gründers wie dessen Enkel schon sehr früh in das Wohl und Wehe eines kämpferischen Unternehmens einbezogen worden. «Zu Hause wurde viel über das Geschäft gesprochen – auch über die Zyklen dieser Branche», sagt Stöckli jun.

Dabei wollte Beni Stöckli sen. ursprünglich Meeresbiologe werden. Aus seiner Passion zur Unterwasserwelt hat er ein Hobby gemacht. Denn die Anziehungskraft für den «outdoor-sport», so der neue Slogan für das Unternehmen, das 200 Arbeitsplätze bietet, war so gross, dass er bereits mit 20 Jahren ins väterliche Geschäft eintrat, wo er ins kalte Wasser geworfen wurde. Es hatte in etwa die Temperatur der Kleinen Emme, die am Sitz der Gesellschaft vorbeifliesst. «Er ist zwar im Innersten eine Wasserratte, aber in diesem Fluss konnte er seine Leidenschaft nicht ausleben; das ist mir zugute gekommen, als er bei mir eintrat», sagt Vater Josef.

Von der Skibindungs-Montage über den Verkauf und die Administration hat sein Sohn alles durchexerziert. Genau so wie Beni Stöck-li jun. «Das war für beide eine lehrreiche und wichtige Station auf dem Weg in die Führungsposition. Wir sprechen die Sprache unserer Mitarbeitenden, wissen um ihre anspruchsvolle Tätigkeit und darum, was es heisst, Kunden gut zu behandeln», sagen sie.

Im Gespräch mit den drei Stöcklis fällt immer wieder auf, dass sie ein gutes Einvernehmen haben. Der Generationenwechsel in diesem KMU, das den Sprung in die globale Sportwelt geschafft hat, ist nach dem Rezept von Josef Stöckli abgelaufen: Die Jungen machen lassen – aber auch die interne Kritik, wenn etwas von der kommenden Führungsgeneration beim Namen genannt wird, nicht abschmettern.

«Zum Kaputtlachen»

Dazu ein Beispiel: Wer die neuesten Prospekte des Unternehmens betrachtet, erkennt unschwer eine hohe Professionalität und ein Credo, das erfolgreiche Marketing-Spezialisten predigen: Die Botschaft soll den Betrachter nicht zu einem Rätselraten zwingen. Bei solchen Fragen ist Stöckli jun. im Element. Seine Marketing-Vertiefung ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Und sein Grossvater ist ihm nicht gram und nickt, wenn der Enkel sagt: «Deine Prospekte sind aus heutiger Sicht zum Kaputtlachen. Sie zeigen kein schickes Model, sondern eine Dorfschönheit mit Keilhosen und rosa Hintergrund.»

Klar haben auch damals bekannte Skifahrer, deren Namen heute längst vergessen sind, auf Stöckli-Ski Abfahrtsrennen gewonnen. Aber mit ihnen zu werben? Das war zu teuer. Heute ist das selbstverständlich. Nicht nur Fabienne Suter, auch Tobias Grünenfelder oder Andrej Jerman sind zu Aushängeschildern geworden.

Doch neben dem Wintersport ist in Wolhusen auch der Sommersport immer wichtiger geworden. Derzeit macht er bereits 25% des Umsatzes aus. Aus den Ausstellungsräumen sind die Ski verschwunden und haben Bikes, Rollerblades und Rollbrettern Platz gemacht sowie der Sportswear, die «for all seasons» verkauft wird.

15 Produkte in der Pipeline

Letztlich wollen die Stöcklis nur eines: Immer noch besseres Material anbieten. Was kann heute an einem Ski oder an einem Bike noch verbessert werden? «Einiges», sagen sie wie im Chor. Beni Stöckli sen. erinnert an die Zyklen dieser Branche. «In den 90er Jahren gab es einen Trend weg vom Ski zum Snowboard. Seit der erfolgreichen Einführung des Carving-Skis lässt sich eine Gegenbewegung feststellen. Viele Kundinnen und Kunden folgen ihr.»

Stöckli jun. erinnert daran, dass fast gleichzeitig wiederum die Freestyle- und Freeride-Welle angeschwappt ist. «Wir müssen einfach immer Trends erspüren», sagen sie. Dabei helfen ihnen Entwicklungsingenieure, die im Test-Labor in Malters ständig im Kontakt mit Kunden, professionellen Skifahrern oder Meinungsführern und ihren eigenen Probanden sind. «Gleichzeitig können bis zu 15 Produkte in der Pipeline sein», sagt Beni Stöckli sen., um gleich hinzuzufügen, dass er und sein Sohn halt «schrecklich ungeduldig» seien.

Hausmannskost zum Aprèsski

Obwohl die Stöcklis nicht gross mit den Siegen der Skiasse auf Stöckli-Brettern prahlen, werden im «Skimagazin» die einzigen Schweizer Skibauer, die den globalen Sprung geschafft haben, mit den weltweiten Giants wie Rossignol, Head oder Atomic verglichen. Sieben Modelle wurden von einer unabhängigen Jury in die Mangel genommen. Vier davon haben das VIP-Gütesiegel (Testsieger) bekommen, und alle sieben fünf Sterne (Bestnote). Mehr gibt es nicht. Und doch lehnen sich die Stöcklis nicht zurück, fahren keine Porsches und keine Bentleys und leben in einer Umgebung, die alles andere als glamourös ist. «Geld für Luxus hatten wir nie», sagt Josef Stöckli.

Und was tun die Stöcklis, wenn sie nicht arbeiten? «Wir kochen gerne und wenigstens so gut, dass noch keiner unserer Gäste Magenbeschwerden bekommen hat», sagen die beiden Benis. Was denn? «Gute Hausmannskost, Voressen, Braten und Kartoffelstock, aber nicht vorgefertigten», beteuern sie.