Gut ein Drittel der Schweizer Bevölkerung besitzt Wohneigentum. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich tief, und er könnte weiter sinken. Zu diesem Schluss kommt die Bank Raiffeisen in einer neuen Studie

Die Preise sind in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass immer mehr Menschen sie sich nicht mehr leisten können - ihr Lohn oder Vermögen ist zu niedrig. Andere, die das Geld mithilfe der Bank eigentlich aufbringen könnten, scheitern an den strengen Vorgaben für Hypotheken. Sie können also nicht von extrem tiefen Zinsen profitieren.

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Grosse Nachfrage, knappes Angebot

Raiffeisen sieht in dieser Entwicklung ein gesellschaftliches Problem: grossen Teile der Bevölkerung wird den Zugang zu Wohneigentum verwehrt. Und Immobilien werden stärker zu einem Privileg für Gutverdienende und Vermögende - und dazu zählen auch viele Hauseigentümer und Wohnungsbesitzerinnen, denn der Wert ihrer Immobilie ist in den letzten Jahren stark gestiegen.

Wieso sich die Preise seit der Finanzkrise 2008 erhöhen, liegt natürlich in erster Linie an der Geldpolitik, sprich den tiefen Zinsen, aber nicht nur. Mit Immobilien lässt sich noch eine Rendite verdienen, was dazu führt, dass Investorinnen lieber Mietwohnung bauen als Stockwerkeigentum. Das Angebot an Eigentumswohnungen ist also tief, und das treibt die Preise nach oben.

Auch Einfamilienhäuser entstehen immer weniger, weil der Boden in der engen Schweiz so knapp ist und viele Vorschriften und Planungsvorgaben den Bau verkomplizieren. Schliesslich ist auch die Nachfrage nach Wohneigentum gestiegen, weil die Bevölkerung wächst und mehr Menschen von den tiefen Zinsen für Hypotheken profitieren möchten.

Keine Änderung in Sicht

An dieser Entwicklung wird sich nach Einschätzung von Raiffeisen in nächster Zeit nicht viel ändern. Eine rasche Zinserhöhung in der Schweiz zeichnet sich trotz der steigenden Inflation nicht ab. Und das Angebot dürfte nicht zunehmen, wenn Bauland immer rarer wird und Versicherer und Pensionskassen im grossen Stil in Mietwohnungen investieren.

Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff fordert darum eine «offene, unvoreingenommene Diskussion über die Zukunft des Schweizer Wohneigentums». Der Immobilienexperte schlägt vor, die Finanzierungshürden für Hypotheken zu flexibilisieren, damit mehr Familien von den tiefen Zinsen profitieren können. Neff könnte sich auch staatlich gefördertes Bausparen vorstellen, wo die Politik steuerliche Vorteile schafft für Menschen, die für den Immobilienkauf Geld auf die Seite legen.

(mbü)