Eine ehrgeizige Transformation hin zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen und erneuerbarer Energien hat begonnen, die den Ölfirmen Zukunftsperspektiven jenseits der Energiewende eröffnen soll.

 

COVID-19 und der damit einhergehende Ölpreisschock waren im Jahr 2020 Katalysatoren für diesen nachhaltigen Wandel. Angekündigt wurde er von den wichtigen Playern im Ölgeschäft, namentlich BP, Shell und TOTAL, ebenso wie von ENI, Repsol und Equinor

Wie verläuft der von den Unternehmen angekündigt Wandel weg vom Öl?

  1. Das zur Verfügung stehende Kapital wird nach und nach in Richtung der erneuerbaren Energien alloziert. Weg vom Öl und hin zu kohlenstoffarmen Energiequellen.
  2. Der Rückgang des Kohlenwasserstoffvolumens wird nachvollziehbar gesteuert. BP beginnt mit diesen Massnahmen mit sofortiger Wirkung. TOTAL ebenso wie Equinor werden das Volumen der Öl-Produktion bis 2025 noch steigern, bevor sie den Einstieg in den Ausstieg vollziehen.
  3. Es sind hohe Investitionen nötig und allfällige Firmenzukäufe, um diese ambitionierte "grüne Transformation" zu vollziehen. 
  4. In der Übergangsphase wird weiter Öl produziert, um damit die Erschliessung von neuen Energiequellen zu finanzieren. Die Dividendenpolitik soll in Zukunft flexibler gestaltet werden.

Im Zeitraum von 2010-20 haben die Ölfirmen bereits rund 20 Mrd. USD in die Geschäftsfelder der erneuerbaren Energien (wie beispielsweise Wind, Solar, Wasserkraft, Gas- und Dampfturbinen, Distribution und Biokraftstoffe) investiert. Dieses Volumen wird sich im Zeitraum von 2021-25 auf geschätzt 57 Mrd. USD fast verdreifachen; für den Zeitraum 2026-30 werden weitere Ausgaben von rund 85 Mrd. USD erwartet. 

Markstimme zkb
Quelle: Geschäftsberichte der Unternehmen, Bernstein Analyse und Schätzungen 2020+
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Man darf gespannt sein, ob diese neuen Projekte die avisierte Rendite von 10 % (IRR) abwerfen werden. Viele Energiefirmen geben zwar an, dass solche Renditen bereits in laufenden Projekten mit erneuerbaren Energien erzielt werden. Angesichts dieser verlockenden Aussichten gilt es allerdings zu beachten, dass der IRR im angestammten Geschäft bei ca. 15% liegt. Investoren ohne grünes Gewissen werden unter solchen Umständen schwer zu halten sein.

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2030: Mutation

Um das Jahr 2030 wird der Anteil der erneuerbaren Energie an der Umsatz- und Gewinnentwicklung der Ölfirmen so hoch sein, dass tatsächlich von einer Mutation von Big Oil zu Big Energy gesprochen werden kann. Nimmt man die Unternehmenspläne zur Hand, so wird im Jahr 2030 BP über gleichviel installierte erneuerbare Energiekapazität verfügen wie Orsted (Weltmarktführer bei Offshore-Windkraft). Parallel dazu dürfte erst dann der "Peak Oil", d.h. das Maximum der weltweit jährlichen geförderten Ölmenge, erreicht sein. Die Koexistenz verschiedener Energieträger wird uns also noch lange begleiten. 

Ölmultis wollen investierbar bleiben

Wir begrüssen, dass sich die grossen Ölfirmen in Richtung der Klimaziele in Bewegung gesetzt haben. Bei den europäischen Ölmultis wird diese Bewegung durch die Verabschiedung der EU-Taxonomie zum Klimaschutz unterstützt. Möchten die grossen Ölfirmen für Anleger, welche die Pariser Klimaziele verfolgen wollen oder müssen, attraktiv und investierbar bleiben, ist der eingeleitete Strategiewechsel unvermeidbar. Auch in den USA bewegt sich etwas.

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Ganz aktuell, am 17. Juni dieses Jahres hat CERES als Vertreterin eines weltweiten Netzwerks von nachhaltigen Investoren darauf hingewiesen, wie gross die Gefahr von "stranded assets" (= nicht mehr werthaltigen Öl- und Gasvorkommen/-reserven) für die US-Ölindustrie ist. Auch hat CERES erörtert, was Investoren angesichts dieser Gefahr an Transparenz fordern sollten. Tracey Cameron, CERES Senior Manager on Corporate Climate Engagement, liess hierzu verlautbaren: "We are at a moment where investors have recognized that a climate risk is a financial risk." Bei ExxonMobile wurden kürzlich drei neue Verwaltungsräte in den Verwaltungsrat gewählt, um die Energiewende voranzutreiben.

Shell mit Firmensitz in den Niederlanden soll dort per Gerichtsentscheid verpflichtet werden, seine Bemühungen zur Verbesserung des Klimaschutzes zu verstärken. Shell hat gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Wichtig für Investoren: MSCI arbeitet daran, in seiner Industrie-Klassifizierung die Erneuerbaren Energien in den Sektor Energie aufzunehmen, wo bisher vor allem fossile Brennstoff-Erzeuger vertreten waren. Das Thema Erneuerbare Energien"wird so eine allgemein anerkannte, investierbare Benchmark erhalten; für institutionelle Investoren nimmt die Investierbarkeit und damit die Attraktivität des Sektors der Erneuerbaren Energien via dieser neuen Index-Repräsentanz zu. 

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Wir fokussieren uns in unserer Produktlinie "Responsible" auf Firmen mit guter Ertragskraft, stabilen ROICs, soliden Bilanzen und zukunftsträchtigen Geschäftsmodellen - auch im Energiebereich, den es angesichts des dynamischen Wandels sehr genau zu beobachten gilt. Wir favorisieren derzeit eher die europäischen, integrierten Energy Plays gegenüber den US Big Oils.