Die Zykliker unter den Schweizer Aktien sind gut gelaufen, werden aber korrekturanfälliger; Defensive sind wieder mehr gefragt. Die Diskussion um Inflation und Zinsen wird weitergehen und die konjunkturellen Wachstumsraten werden genau beobachtet (cash berichtete).

Für das "stock picking" rücken Titel ins Zentrum des Interesses, die getaucht und noch etwas zurückgeblieben sind. Titel, die von vielen Investoren noch übermässig kritisch gesehen werden. Obwohl das Urteil über folgende Aktien vielerorts kritisch ist, könnten sie könnten bald interessante "Ausbruchs-Trades" sein. 

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Temenos: Der Kurs hat sich bereits etwas erholt

Die Umstellung zum Software-as-a-Service-Modell (Saas) und die geänderten Subscription-Systeme kosteten der Genfer Banksoftwareherstellerin zwischenzeitlich Umsatz. Die Frage bei Temenos ist: Hat dies der Markt kapiert oder hat er immer noch Bedenken? 

Die Umstellung zum Software-as-a-Service-Modell (Saas) und die geänderten Subscription-Systeme kosteten der Genfer Banksoftwareherstellerin zwischenzeitlich Umsatz. Die Frage bei Temenos ist: Hat dies der Markt kapiert oder hat er immer noch Bedenken? 

Gemessen an den Ratings ist Letzteres der Fall, denn 60 Prozent der Analysten empfehlen Halten oder Verkaufen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 43 ist hoch. Über alledem hängen relativ anspruchsvolle Jahresziele, die nicht alle für erfüllbar halten. Die Wachstumsaussichten werden generell aber als gut angesehen. Seit einem Zwischentief im Mai hat sich der Kurs um 17 Prozent erholt.

Das erste Quartal zeigte gute Zuwachs-Raten für Saas und die Umsätze mit Lizenzen. Fallen die Zweitquartals-Resultate am 21. Juli gut aus, dürfte sich dies fortsetzen. 

Banque Cantonale Vaudoise (BCV): Liebe wurde zu Unrecht entzogen

 

Als hätte der Markt einer immer recht beliebten Aktie die Freundschaft gekündigt: Seit Mitte Februar hat der Kurs der BCV-Aktie um 20 Prozent nachgelassen. Die Analysten der Credit Suisse und der Bank Vontobel raten zum Verkauf - wobei das von Bloomberg gemittelte Kursziel der Analysten um 7 Prozent über dem aktuellen Aktienkurs steht. 

Eine mögliche Erklärung für die ausgesprochene Kursschwäche ist, dass die Aktie nach dem Gewinnrückgang 2020 mit einem KGV von 21 als relativ hoch bewertet gilt. Fundamental aber kann am Waadtländer Kreditinstitut nicht viel mehr bemängelt werden als früher, als die mit Privatank und Handelsgeschäft gut diversifizierte "Dividendenperle" auch bei internationalen Investoren hoch im Kurs stand. 

Der Kurstaucher macht einen Einstieg interessanter. Die Dividende, die bei 3,60 Franken pro Aktie konstant gehalten werden soll, erlaubt beim heutigen Kurs 4,4 Prozent Rendite.

Helvetia: Der besonders vernachlässigte unter den vernachlässigten Versicherern

Mit Ausnahme von Swiss Life sind die Kursentwicklungen der Schweizer Versicherer Zurich und Swiss Re im SMI im laufenden Jahr verhalten. Bei den kleineren kotierten Branchenvertretern gilt die Bâloise eher als fair bewertet, während bei Helvetia noch Potential gesehen wird. 

Die Analyse der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sieht den Kauf der spanischen Gesellschaft Caser als inzwischen positiven Kurstreiber. Vergangenes Jahr hatte die Akquisition für einige Unsicherheiten gesorgt und den Kurs eher belastet. Gemäss der ZKB würde die Eigenkapitalrendite bei der Helvetia einen um fast ein Fünftel höheren Kurs rechtfertigen. 

Für die Aktie sprechen aber auch eine solide Bilanz und ein diversifiziertes Geschäft in der Schweiz, in den Schweizer Nachbarländern und in Spanien sowie die Dividendenrendite. Wie alle Versicherer schüttet die Helvetia grosszügig aus. Die Rendite beläuft sich beim aktuellen Kurs auf 4,9 Prozent. 

Swisscom: Die Qualitäten stimmen

So viel ist klar: Alle gross kapitalisierten Schweizer Aktien mit defensiven Qualitäten dürften im zweiten Halbjahr interessant sein, wenn die BIP-Wachstumseuphorien zurückgehen. Ein Mauerblümchen-Dasein unter den defensiven SMI-Aktien führt allerdings die Swisscom. Der gut zur Hälfte vom schweizerischen Staat kontrollierte Telekom-Konzern hat auch wenig Fans bei den Analysten. Der Aktienpreis liegt mittlerweile 7 Prozent über dem gemittelten Kursziel: So viel zu den Analysten-Prognosen. 

Seit Anfang Jahr hat der Titel gut 11 Prozent zugelegt und damit weniger als der SMI insgesamt, der fast 13 Prozent mehr wert ist als Anfang Januar. Aber die grundlegenden Qualitäten der Swisscom sind solide, wie das Jahresresultat im April deutlich machte. Kosten, Kundenbeziehungen, Marktanteile in der Schweiz und in Italien: Die Eckwerte sind intakt. Und: Natürlich kommt keine Analyse der Aktie ohne den Hinweis auf die Dividende aus. Mit aktuell 4,2 Prozent Rendite ist die Swisscom-Aktie der "Obligationensersatz" wie eh und je. Neues zum Geschäftsverlauf wird zum Halbjahresresultat am 5. August diskutiert. 

SoftwareOne: Schlechte Urteile, gute Wachstumschancen

Die Jahreszahlen Ende März liessen die Aktie von SoftwareOne abstürzen: Die Prognosen des vielfach bejubelten Softwaredienstleisters sind dermassen verfehlt worden, dass der Kurs innerhalb von kurzer Zeit von über 30 Franken auf gut 23 Franken fiel. Seitdem ist der Kurs nochmals leicht zurückgegangen. Ein Teil der Analysten urteilt seitdem recht ungnädig über SoftwareOne.

Die Abstrafung der SoftwareOne-Aktie ist aber zu hart erfolgt. Dies, weil enttäuschte Erwartungen beim Bruttogewinn zu heftig aufgenommen wurden. Investitionen dürften sich durchaus noch auszahlen. Es gibt keinen Grund, an den Wachstumsaussichten des Unternehmens zu zweifeln, das Software und Cloud-Systeme von anderen Unternehmen verwaltet, aber auch Beratung anbietet und eine eigene Plattform für Kunden betreibt.

Mit den schlechten Jahreszahlen vom März hat sich viel Unsicherheit um SoftwareOne aufgebaut. Von der Umwandlung der Wirtschaft in die digitale Welt wird das Zentralschweizer Unternehmen weiter profitieren.

(Grafiken: cash.ch)