Wie werden sich die Preise für Wohnimmobilien, Büroliegenschaften und Detailhandelsflächen entwickeln?
In diesen bewegten Zeiten ist das keine leichte Frage. Generell gilt: An Qualitätsstandorten, an denen Arbeit, Wohnen und Freizeit zusammenkommen, werden die Preise stabil bleiben.

Eine Rangliste der Preisstabilität würde aus meiner Sicht angeführt vom Segment Wohnen, gefolgt von Büro auf dem zweiten und Detailhandelsflächen im Food-Bereich auf dem dritten Podestplatz.

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ina-invest CEO Marc Pointet, aufgenommen am 28.10.20 in Opfikon. (ina-invest/Alessandro Della Bella)

Marc Pointet ist Geschäftsführer der börsenkotierten Zürcher Immobiliengesellschaft Ina Invest.

Quelle: ALESSANDRO DELLA BELLA

Und wie sind die Aussichten für Hotelimmobilien?
Auch hier gilt: Die Zukunft gehört den hybriden Immobilien. Eine erfolgreiche Hotelimmobilie (oder Hotelmarke) vermag verschiedene Kundensegmente anzusprechen: den Kongressteilnehmer, den Handelsreisenden, Touristen sowie alle anderen Menschen, die Freizeit und Entertainment gerne bei einem inspirierenden Hotelaufenthalt in einer gemischt genutzten und lebhaften Umgebung kombinieren.

Sehen Sie Preisblasen?
Ich sehe lediglich minuszinsbedingte Preisblasen bei Immobilientransaktionen institutioneller Investoren – mangels alternativer Anlagemöglichkeiten. Klassische Spekulationsblasen sind nicht auszumachen.

Wie gross ist das Risiko, dass der Immobilienmarkt durch eine rasche Zinserhöhung in Schieflage gerät?
Eine rasche Zinserhöhung hätte kurzfristig sicherlich einen Einfluss auf den Immobilienmarkt. Bei den privaten Haushalten könnten die Wohnkosten empfindlich steigen, mit negativen Folgen auf die Tragbarkeit. Bei einer börsenkotierten Immobiliengesellschaft wie Ina Invest hätte dies vor allem Einfluss auf die Marktwertveränderungen. Höhere Zinskosten fallen dagegen weniger ins Gewicht.

Da in der Schweiz grundsätzlich eine hohe Nachfrage nach Immobilien zu verzeichnen ist, sehe ich höchstens vorübergehende Turbulenzen, aber keine Gefahr einer langfristigen Schieflage.

«Klassische Spekulationsblasen sind nicht auszumachen.»

Die Liegenschaftspreise sind sehr hoch. Finden Sie noch genügend Areale, auf denen sich finanziell attraktive Projekte realisieren lassen?
Ja. Für Gesellschaften, die über die Kraft, Ausdauer und das Know-how verfügen, um eine Arealentwicklung durch die komplexen Bewilligungsprozesse zu führen, die die Zusammenarbeit mit der lokalen, kantonalen und nationalen Denkmalpflege, der lokalen Bevölkerung und sonstigen Anspruchsgruppen nicht scheuen und die zudem mit Altlasten umgehen können, gibt es noch genügend Areale, die sie gewinnbringend zum Ziel führen können.

Das Fundament dafür ist die weltweit einzigartige Stabilität und Attraktivität der Schweiz in (sicherheits-)politischer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Wie hat die Pandemie den Immobilienmarkt verändert?
Der Immobilienmarkt ist noch attraktiver geworden. Bereits vorhandene Tendenzen (beispielsweise die Digitalisierung der Arbeitswelt, zunehmender Online-Handel und mehr Freizeit) sind regelrecht «geboostet» worden. Die Pandemie hat den Menschen vor Augen geführt, wie wichtig das eigene Zuhause, das physische, kreative Teamwork in inspirierenden Räumlichkeiten oder das gemeinsame Essen in einem Restaurant sind.

Dieses Bewusstsein deckt sich mit der strategischen Ausrichtung von Ina Invest: Der Mensch steht im Mittelpunkt unseres Tuns, und wir glauben, dass Immobilien dem Menschen und seinen wandelnden Bedürfnissen zu dienen haben. Das war nicht immer so.

Wo gibt es noch attraktive Nischen im Immobilienmarkt (etwa Mikroapartments, Laborimmobilien)?
Mikroapartments und Laborimmobilien sind für mich keine Nischen, sondern logische Teilmengen modernen, urbanen Wohnens beziehungsweise spezialisierter kommerzieller Büro- und Gewerbeflächen. Unsere Antwort auf den Strukturwandel und die neuen gesellschaftlichen Trends sind hybride Immobilien, die wandelbar sind und verschiedene Nutzungen aufzunehmen vermögen – zum Beispiel Wohnen und kommerzielle Nutzungen unter einem Dach.

Dies setzt intelligente Strukturen im Grundriss und der Raumhöhe voraus. Wir setzen auf Immobilien in Mischzonen, die alle Nutzungen erlauben. Diese Immobilien sind bereit, eine vielseitige 10-Millionen-Schweiz in moderner, nachhaltiger und verdichteter Bauweise zu empfangen.

«In die Höhe zu verdichten, ist für mich die richtige Antwort auf das Bevölkerungswachstum, ohne die Landschaft immer weiter zu verbauen.»

Städte wie Zürich wollen mehr und grössere (Hoch-)Häuser ermöglichen. Ist der Bau in die Höhe die richtige Antwort auf das schwindende Angebot an Bauland – oder sehen Sie weitere Instrumente, um zu verdichten?
In die Höhe zu verdichten, ist für mich die richtige Antwort auf das Bevölkerungswachstum, ohne die Landschaft immer weiter zu verbauen und Verkehrsinfrastrukturen immer weiter auszudehnen.

Wichtig ist, dass man bei der Planung die Nutzerinnen und Nutzer und deren Bedürfnisse konsequent in den Mittelpunkt stellt: Auch in einem Hochhaus sollen sie sich wohlfühlen. Und selbst Mehrgenerationenwohnen kann in einem Hochhaus stattfinden. Ina Invest greift regelrecht nach den Sternen: Mit dem Rocket in der Winterthurer Lokstadt planen wir aktuell das höchste Holzwohnhaus der Welt!

Marc Pointet beantwortete die Fragen schriftlich.