Am Schweizer Aktienmarkt ging es am Dienstag weiter abwärts, und das mit höherem Tempo. Bis Börsenschluss verlor der SMI knapp 1,8 Prozent in einem schwachen europäischen Umfeld. Dax und EuroStoxx50 sanken in ähnlichem Tempo. Mit Öffnung der US-Börsen zogen die Verluste noch an. Gegen 17.30 Uhr stand der Dow Jones 1,2 Prozent im Minus, der Nasdaq mehr als 2,5 Prozent.

Die Entwicklung passt ins Bild: Seit seinem Hoch im August bei mehr als 12'500 Punkten steht für den SMI damit ein Minus von mehr als 1000 Zählern zu Buche. Die letzten vier Handelswochen hat der Index denn auch allesamt mit Abgaben beendet. 

Im Zusammenhang damit stehen die USA. Dort hatten die Renditen der 10-jährigen US-Bonds zuletzt die Marke von 1,5 Prozent geknackt und waren damit auf den höchsten Stand seit Juni gestiegen. Das wirkt sich oft eher dämpfend auf wachstumsstarke Aktien beispielsweise aus dem Technologie- und Medizintechnikbereich aus.

Gleichzeitig ziehen auch die Ölpreise weiter an. So kostet etwa die Sorte Brent erstmals seit drei Jahren mehr als 80 US-Dollar je Fass. Und auch andere Brennstoffe verbuchen Preisanstiege, was wiederum die Sorgen vor einer steigenden Inflation befeuert. Darüber hinaus bleibt die Lage um den chinesischen Bauträger Evergrande mit Risiken behaftet und die möglichen Auswirkungen sind schwer abschätzbar.

Händler: Überbewertung abgebaut

«In vielen Branchen und Sektoren wird derzeit die Überbewertung abgebaut, welche derzeit nur schwer argumentativ vertreten werden kann», kommentierte ein Händler. «Es zeigt sich immer mehr, dass die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer zu hoch ist und insbesondere die einstigen Pandemie-Krisengewinner diese Annahmen nicht erfüllen können.»

Zudem spiele die sich abflachende Konjunkturerholung eine wichtige Rolle bei den aktuellen Verlusten, ergänzte Finanzanalyst Matthias Müller von der St. Galler Kantonalbank. «Ein wichtiger Faktor sind auch die deutlich gestiegenen Rohwarenpreise, höhere Logistikkosten und Engpässe bei gewissen Komponenten wie etwa Halbleiter. Diese Faktoren dürften im zweiten Halbjahr noch stärker zum Tragen kommen und werden bei vielen Unternehmen für etwas Gegenwind auf der Margenseite sorgen.»

Beim Blick auf die aktuell grössten Verlierer wird deutlich, dass Investoren erneut umschichten und vor allem bei den bislang grössten Favoriten in diesem Jahr ihre Gewinne versilbern. So sacken unter den Blue Chips Werte wie Partners Group, Straumann, Kühne+Nagel und auch Sonova deutlich ab. In den hinteren Reihen trifft es VAT, Comet, Sensirion oder auch Dottikon.

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(awp/tdr/me)