Die Kryptowährungen befinden sich in einem Sommertief, die Korrekturphase nimmt weiter an Fahrt auf. Das Handelsvolumen an den grössten Kryptobörsen der Welt, darunter Coinbase, Kraken, Binance und Bitstamp, ist laut CryptoCompare im Juni um mehr als 40 Prozent gefallen. In diesem Monat sank der Bitcoin-Preis zudem auf ein Tief von 28'908 Dollar. Das sind Dazu befand sich das Handelsvolumen von Bitcoin mit einem Maximum von 138,2 Milliarden Dollar rund 42,3 Prozent tiefer als im Mai, wie CNBC berichtet.

Die Impulse für den Rückgang kommen wieder einmal mehr aus China, wie Reuters schreibt. Die Interventionen aus dem Reich der Mitte gegen Kryptowährungen zeigen nun Wirkung: «Das chinesische Durchgreifen verursacht grosse Angst, die sich auf den Märkten niederschlägt», sagt Teddy Vallee, Chief Investment Officer bei Pervalle Global, gegenüber CNBC. «Das digitale Asset-Ökosystem hat einen Schlag ins Gesicht bekommen, so dass es sich derzeit im Absturz befindet. Die Teilnehmer sind ängstlich und ziehen sich zurück.». Das zeige sich auch darin, dass die Anzahl neu erstellten Wallets stagniert. 

Ende Juni ordnete China ein Verbot für Kryptowährungen an. Das rührt daher, dass China selbst eine staatlich unterstützte digitale Währung einführen möchte. Dies führte zur Schliessung von Mining-Betrieben in verschiedenen chinesischen Provinzen, die bis zu 60 Prozent der gesamten weltweiten Bitcoin-Mining-Leistung hervorbringen. Einige davon haben China inzwischen verlassen und versuchen das Mining anderswo weiterzuführen. 

Tiktok verbannt Krypto-Währung

Die Video-Social-Media-App Tiktok erlaubt keine Werbung für Kryptowährungen mehr, schreibt «FT». Das passt, da Tiktok aus China kommt und die Regierung dort zurzeit einen harten Kurs gegen die Krypto-Branche fährt. Allerdings hatte Tiktok selbst immer behauptet, sein Headquarter in Los Angeles zu haben. Trotzdem ist die Muttergesellschaft von Tiktok Bytedance, die ihren Hauptumsatz in China machen. Die neuen Richtlinien verbieten es den Nutzern ausdrücklich, Werbeinhalte über Finanzprodukte zu posten. Dies gilt unabhängig vom geografischen Standort.

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Die Leute handeln nicht mehr mit Bitcoin

Für einen weiteren Dämpfer sorgt das Vorgehen der Anti-Geldwäsche-Aufsichtsbehörde. «Sobald diese Abwärtsspirale im Mai begonnen hatte, den Markt zu durchdringen, fiel die Stimmung auf einstellige Werte auf einer Skala von 1 bis 150», sagte Nick Mancini, Forschungsanalyst für die Krypto-Analyse-Plattform Trade the Chain. «Letztendlich führte dies dazu, dass das Handelsvolumen für Bitcoin um fast die Hälfte seit seinem Höchststand gesunken ist», so Mancini.

Im Sommer sei aber auch die Zeit, in der das Volumen generell sinkt. Jetzt kommt aber dazu, dass zahlreiche Anleger den Schock des Preiszerfalls noch verdauen müssen. Wir erinnern uns: Es war in diesem Jahr, als Bitcoin auf bis zu 60'000 Dollar hochkletterte und Ether auf bis zu 4000 Dollar. Aktuell liegt Bitcoin bei rund 33'000 Dollar, also fast die Hälfte. 

Als Kryptowährungen in diesem Jahr ihre Allzeithochs erreichten, «investierten viele Anleger nach oben und viele neue Anleger investierten gleich weit oben. Sie verloren massiv Geld», sagt Gabor Gurbacs, Digital-Asset-Stratege bei VanEck. «Die Hälfte des Marktes ist weg. Vor allem viele neue Anleger bekamen es mit dem Schrecken zu tun», sagt Gurbacs

Trotz all dieser Negativentwicklung für Bitcoin und Co. ist das Handelsvolumen noch immer höher als vor einem Jahr, relativiert Clara Medalie, Researcherin beim Datenanbieter Kaiko. «Die Volumina sind im Juni so ziemlich an jeder Börse eingebrochen, aber insgesamt sind sie heute immer noch höher als vor einem Jahr", sagte Medalie gegenüber CNBC.

Das Wachstum kommt zurück

Mancini von Trade the Chain sieht immer noch einen eher bullischen - als bärischen - Ausblick für Krypto und erwartet, dass Volatilität und Volumen zu früheren Höchstständen zurückkehren werden. «Wir glauben, dass mit mehr Institutionen, die öffentlich ankündigen, Krypto-Handel zu betreiben und Miner mehr Verantwortung übernehmen, Bitcoin wieder bereit ist für Wachstum», so Mancini

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Bitcoin-Derivate erreichten im Mai einen Höchststand von 230 Milliarden Dollar, bevor sie laut Trade the Chain am 9. Juli auf 45 Milliarden sanken.

(tdr)