Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält vor dem Hintergrund des jüngsten Franken-Anstiegs auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren an ihrer bisherigen expansiven Geldpolitik fest. «Sie sichert so die Preisstabilität und unterstützt die Erholung der Schweizer Wirtschaft von den Folgen der Corona-Pandemie», erklärten die Währungshüter am Donnerstag.

Der Leitzins und der Zins auf Sichteinlagen bei der Notenbank bleiben bei minus 0,75 Prozent. Den Franken stufte die SNB weiterhin als hoch bewertet ein. Man sei weiterhin bereit, bei Bedarf mit Devisenmarktinterventionen eine wirtschaftsschädliche Aufwertung der Landeswährung zu unterbinden.

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Andere Notenbanken bereiten sich auf Straffung vor

«Die Corona-Pandemie prägt die internationale Wirtschaftslage weiterhin», erklärte die SNB. «Die globale Wirtschaftserholung hat sich im dritten Quartal aufgrund von lokalen Ansteckungswellen und Lieferengpässen in verschiedenen Branchen der Industrie etwas abgeschwächt.»

Andere grosse Notenbanken planen angesichts einer stark anziehenden Teuerung eine Straffung ihrer Geldpolitik. So leitete die US-Notenbank Fed am Mittwoch einen baldigen Abschied vom Krisenmodus ein und signalisiert für 2022 mehrere Zinserhöhungen. Die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) stand am frühen Nachmittag auf dem Programm. Erwartet wurde, dass die EZB angesichts rasch steigender Preise den Ausstieg aus dem Pandemie-Krisenmodus einleiten wird.

Etwas optimistischer als zuletzt fällt die Konjunktureinschätzung der SNB für das zu Ende gehenden Jahr aus. Sie rechnet 2021 nun im mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund 3,5 Prozent, nachdem sie im September noch von rund 3 Prozent ausgegangen war. 2022 dürfte sich das Wachstum dann auf rund 3 Prozent verlangsamen.

Kein Handlungsbedarf bei der Inflation

Die Teuerung dürfte der SNB zufolge 2021 und 2022 etwas stärker anziehen als bislang geschätzt. Die Verbraucherpreise dürften dieses Jahr um 0,6 (bislang: 0,5) Prozent steigen, im kommenden dann um 1,0 (bislang: 0,7) Prozent. Für 2023 hält die Notenbank an ihrer Inflationsprognose von 0,6 Prozent fest. Handlungsbedarf zeichnet sich für die SNB, die eine Inflation zwischen null und 2 Prozent anpeilt, damit nicht ab.

Von Reuters im Vorfeld der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB befragte Volkswirte hatten übereinstimmend unveränderte Zinsen prognostiziert. Das dreiköpfige Direktorium um SNB-Präsident Thomas Jordan setzt seit bald sieben Jahren auf den historisch tiefen Negativzins und Fremdwährungskäufe, um eine Aufwertung des Frankens zu unterbinden.

(reuters/gku)

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