Der Film «House of Gucci» ist in den Kinos. Die meisten Kritiken und auch die Besucher sind begeistert. Der Film unter der Regie von Ridley Scott spielte an den ersten fünf Tagen 21,8 Millionen Dollar ein, davon 14,2 Millionen Dollar am Thanksgiving-Wochenende – beides Rekordzahlen für ein Erwachsenendrama in der Pandemie-Ära. Analysten sagen, dass es dank Lady Gaga gelungen ist, auch ein jüngeres Publikum anzulocken.

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Anders als das Publikum ist die Familie Gucci vom Film gar nicht begeistert, sie will die Filmemacher verklagen. Die Guccis finden nicht nur, dass die Story nicht akkurat sei, sondern auch, dass die Schauspieler hässlich seien.

Kering ist vergleichsweise günstig

Für Investoren ist das aber belanglos, denn die Familie hat eigentlich nichts mehr mit der Firma zu tun: Gucci gehört schon lange zum französischen Konzern Kering.  Der ist an der Börse kotiert, und Gucci ist die Gewinnmaschine, die drei Viertel des gesamten Gewinns von Kering bringt.

Allerdings hinkte das Umsatzwachstum von Gucci zuletzt den anderen französischen Luxusgüterkonzernen wie LVMH und Hèrmes hinterher. Im dritten Quartal wuchs Gucci nur mit 3,8 Prozent, deutlich langsamer als der Gesamtkonzern Kering: Der konnte die Verkäufe um 12,2 Prozent steigern. 

Da kommt der Film eigentlich gerade recht. Der bringt viel Aufmerksamkeit und bestimmt auch neue Kundinnen und Kunden in die Läden. Das könnte die Umsätze und auch die Aktie beflügeln. Seit Start des Films am 24. November hat die Kering-Aktie aber nicht wirklich zugelegt.

Dabei wäre sie günstig bewertet, wenn der Film das Umsatzwachstum auf ein Niveau von den anderen französischen Luxusgüterkonzernen steigern würde. Rund eine Verdreifachung des Aktienkurses wäre möglich, bis die Aktienbewertung von Kering, dem Mutterkonzern von Gucci, auf gleiche Höhen wie Hèrmes zu liegen käme: Während Hèrmes ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 75 hat, sind es bei Kering nur 26. Auch im Vergleich zu LVMH hat Kering Aufholpotential, denn LVMH hat ein KGV von 37.

Die China-Frage

Die Kering-Aktie könnte also durchaus eine Wette wert sein. Allerdings bleibt noch die Frage, wie der Film «House of Gucci» in China aufgenommen wird? Dort machen viele Luxusgüterkonzerne inzwischen die Hälfte ihres Umsatzes. Und noch mehr als die Hälfte des Umsatzwachstums kommt meist aus dem gelben Riesenreich.

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