Omikron hat sich in den USA binnen kurzer Zeit zur vorherrschenden Corona-Variante entwickelt. Schätzungen zufolge entfielen rund 73 Prozent der neuen Corona-Fälle in der vergangenen Woche auf Omikron, wie am Montag aus Daten auf der Webseite der US-Gesundheitsbehörde CDC hervorging.

Auch mit Blick auf diesen sprunghaften Anstieg wollte sich US-Präsident Joe Biden am Dienstag mit einer Rede an die Menschen im Land wenden und neue Massnahmen verkünden. Dabei dürfte es vor allem um Unterstützung für Krankenhäuser gehen - von einem Herunterfahren des öffentlichen Lebens wurde nicht ausgegangen.

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Omikron hat nun Delta, die zuvor vorherrschende Variante, auf den zweiten Platz verdrängt. Die Delta-Mutante machte den CDC-Schätzungen zufolge zuletzt noch etwa ein Viertel der Neuinfektionen aus. In manchen Bundesstaaten ist Omikron gar schon für mehr als 90 Prozent der Fälle verantwortlich. Noch in der Woche bis zum 11. Dezember war Omikron schätzungsweise für lediglich rund 12,6 Prozent der Infektionen in den USA verantwortlich gewesen. US-Präsident Biden selbst hatte am Freitag Kontakt zu einer Person aus dem Weissen Haus, die später positiv auf das Virus getestet wurde. Mit 79 Jahren gehört er schon rein altersmässig zu einer Risikogruppe. Biden wurde laut seiner Sprecherin zuletzt am Sonntag und am Montag negativ auf das Coronavirus getestet. Ein neuer Test sei für Mittwoch geplant.

Talfahrt an den US-Börsen

Die Furcht vor einem Dämpfer für die Weltwirtschaft wegen der rasanten Ausbreitung von Omikron schickte die US-Börsen am Montag auf Talfahrt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Montag 1,2 Prozent tiefer auf 34'932 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 1,2 Prozent auf 14'980 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 büsste 1,1 Prozent auf 4568 Punkte ein.

Wegen der weltweit steigenden Corona-Infektionszahlen drohen in mehreren europäischen Ländern erneut massive Einschränkungen. Die Niederlande sind bereits im Lockdown, Italien erwägt neue Massnahmen über die Feiertage und Grossbritannien schloss weitere Beschränkungen vor Weihnachten nicht aus. Auch Deutschland steht vor weiteren Einschränkungen auch für Geimpfte. Die Furcht vor den Folgen für die Weltwirtschaft drückte weltweit die Aktienkurse. Der Dax fiel um bis zu drei Prozent, bevor er 1,9 Prozent schwächer mit 15.240 Punkten aus dem Handel ging. Der EuroStoxx50 gab 1,3 Prozent nach.

«Normalerweise ist das, was in Europa passiert, eine Art Vorschau auf das, was wir in den Vereinigten Staaten sehen», sagte Chris Zaccarelli, Investmentchef bei Independent Advisor Alliance. Es drohe eine hohe Belastung der Krankenhäuser und eine abnehmende Bereitschaft, Geld auszugeben. «Das ist definitiv ein Grund zur Besorgnis.»

Der Ölpreis steigt

Trotz der Furcht vor den konjunkturellen Auswirkungen der neuen Corona-Variante Omikron steigen die Ölpreise wieder. Ein Grossteil der Sorgen sei mittlerweile eingepreist, sagte Edward Moya, Analyst vom Brokerhaus Oanda. Rohöl der Nordsee-Sorte Brent verteuert sich um knapp ein Prozent auf 72,21 Dollar pro Barrel. Der Preis für US-Öl WTI steigt 1,3 Prozent auf 69,48 Dollar.

(reuters/mbü)