Sie zählen zu den am wenigsten verstandenen und oft zu Unrecht negativ porträtierten Anlageklassen. Seit einiger Zeit aber auch wieder zu den erfolgreichsten. Die Rede ist von Hedgefondsstrategien, also alternativen, aktiv gemanagten Anlagefonds. Ursprünglich waren sie dazu gedacht, Portfolios gegen Risiken – zum Beispiel eine negative Marktentwicklung – abzusichern, also zu «hedgen».

Heute bieten solche Strategien weitaus mehr als nur Schutz vor der nächsten Aktienmarktkorrektur; sie sind vielmehr ein fester Baustein in institutionellen Portfolios – eine intelligente Beimischung also, die auch für Privatanlegerinnen und Privatanleger interessant sein kann.    

Pandemie gibt Auftrieb    

Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie erfahren Hedgefonds wieder enormen Aufwind und zeigen eine deutlich eindrucksvollere Leistung als in den Jahren zuvor. Das verwundert Branchenkenner wenig, denn je schwieriger das Marktumfeld ist, umso besser können diese aktiven Strategien ihre Stärken ausspielen. Ihre aktuelle Performance ist sogar die beste seit rund zwanzig Jahren.
 

Über den Autor

Oliver Scharping ist seit 2018 Portfoliomanager für alternative Aktienstrategien beim Assetmanager Bantleon Bank AG. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen (Schweiz) und Finance an der London Business School (Grossbritannien) sowie der Columbia Business School (USA) und begann seine berufliche Laufbahn im Jahr 2010 im Investmentbanking (Mergers & Acquisitions) bei Lazard. Im Jahr 2012 wechselte er zu Barclays, wo er zuletzt als Associate Vice President auf öffentliche Übernahmen spezialisiert war.

Von 2015 bis 2016 arbeitete Oliver Scharping für den Hedgefonds Sterling Strategic Value als Analyst für Sondersituationen, anschliessend im Aktienresearch für die Hedgefonds Altana Wealth und Pala Investments. Heute, bei Bantleon, ist Scharping insbesondere für die Identifizierung, Analyse und Umsetzung von Event-Driven-Investments verantwortlich, mit Fokus auf die Bereiche Merger Arbitrage, Relative Value und Sondersituationen (Special Situations). Oliver Scharping managt den alternativen Aktienfonds Bantleon Event Driven Equities sowie Einanlegerfonds in diesem Bereich.

Institutionelle Investoren sind rasch auf den fahrenden Zug aufgesprungen und haben den Hedgefonds mit  Rekordzuflüssen ein beispielloses Wachstum beschert: Das Gesamtkapital der Branche wuchs seit Ausbruch der Corona-Krise weltweit um über 1 Billion Dollar und schnuppert nun an der Marke von 4 Billionen Dollar, wie das Analysehaus HFR ermittelt hat. Das «Smart Money» setzt also auch nach der Corona-Krise klar auf Hedgefonds.    

Missverstandene Anlageklasse    

Europäische Privatanleger und Privatanlegerinnen stehen hier bislang noch an der Seitenlinie und fokussieren bei ihren Investments meist nur auf zwei Anlageklassen: Aktien und Anleihen, oft passiv umgesetzt, zum Beispiel via ETF.

Alternative aktive Anlagestrategien wie der Klassiker Long/Short Equity oder Merger Arbitrage stossen bei vielen Privatanlegenden hierzulande mangels Kenntnis der Funktionsweisen noch immer auf Skepsis, während clevere US-Anlegerinnen und -Anleger damit hohe Renditen in jeder Marktphase erzielten.    

Merger Arbitrage in der Poleposition    

Wer bislang gezögert hat, findet jetzt einen guten Einstiegszeitpunkt vor. Aktuell ist das Umfeld für Merger-Arbitrage-Strategien nämlich attraktiver denn je. Der Grund: Nach der Coronavirus-bedingten Zwangspause im Jahr 2020 jagt inzwischen wieder eine Firmenübernahme die nächste.

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Aktuelle Markteinschätzungen und Wissensbeiträge rund ums Investieren

Dies ist gut für Merger-Arbitrageure, die im Rahmen von Übernahmen ihre Arbitrage-Rendite erzielen. Denn bei Übernahmen börsenkotierter Unternehmen können Investorinnen und Investoren in der Regel einen sogenannten Spread ernten. Aktuell sind dies im Mittel 7 bis 8 Prozent annualisierte Rendite. Und die Aussichten für die nächsten Monate sind ausgezeichnet. Also ein Start von der Poleposition aus.    

Beim Blick auf die harten Zahlen der jüngsten Dekade wird zudem klar, warum die Strategie bei institutionellen Investoren so beliebt ist: Merger-Arbitrage-Strategien waren die einzige (alternative) Assetklasse, die in jedem Jahr positive Renditen erwirtschaftete – und das bei einer Volatilität, die bei rund einem Drittel der Volatilität des globalen Aktienmarktes lag.    

Warren Buffett als Vorreiter    

Der wohl prominenteste Investor war jahrzehntelang Warren Buffett. Während er als Investor verschiedene Unterstrategien einsetzte, war eine seiner Hauptstrategien Merger Arbitrage. Wie kaum ein anderer beherrschte er die Königsdisziplin zur Erzielung marktneutraler Renditen mit Übernahmen und verdiente damit in den 1970er und 1980er Jahren sehr viel Geld.

Denn was kaum bekannt ist: Während seiner inzwischen mehr als sieben Jahrzehnte dauernden Investmentkarriere generierte die Unterstrategie Merger Arbitrage wahrscheinlich Buffetts beste risikobereinigte Renditen. Im Jahr 1987 konkretisierte Buffett, welchen Teil seiner Renditen er auf Arbitrage zurückführt:    

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«Wir haben Arbitrage auf opportunistischer Basis jahrzehntelang praktiziert, und bis heute sind unsere Ergebnisse ziemlich gut gewesen. Obwohl wir nie eine exakte Berechnung vorgenommen haben, glaube ich, dass wir insgesamt im Durchschnitt jährliche Vorsteuerrenditen von mindestens 25 Prozent aus Arbitrage erzielt haben.» (Quelle: Berkshire Hathaway Aktionärsbrief 1987.) Und auch heute ist Buffetts Berkshire-Hathaway-Holding noch von Zeit zu Zeit bei Megaübernahmen als Arbitrageur am Start.    

Über Anlagefonds investieren    

Während institutionelle Anleger wie Warren Buffett die Merger-Arbitrage-Strategie direkt umsetzen können, bietet sich für Privatanlegende ein Investment über spezialisierte Anlagefonds an. In einem gut diversifizierten Portfolio können sie die Volatilität dämpfen und alternative Erträge liefern – auch wenn es an den breiten Aktienmärkten mal wieder zu heftigen Turbulenzen kommt.