Die Kursentwicklung an den Börsen spiegelt die politische Situation 1:1 wider. Alles ist im Minus. Oder fast alles. Im SMI zeigen 19 der 20 Indexmitglieder eine negative Wochenperformance. Nur die Swisscom konnte sich in diesem Zeitraum mit einem Anstieg von 1,5 Prozent in den positiven Bereich retten. Im DAX in Deutschland gibt es nicht einmal einen einzigen Gewinner. Und im Eurostoxx 50 bescheren auf Wochensicht 49 von 50 Titeln Kursverluste.  

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Was derzeit aber wirklich steil nach oben geht, sind Rüstungsaktien. Zwar konnten in den letzten Tagen in Anbetracht des Ukraine-Kriegs auch US-Rüstungstitel wie Northrop Grumman stark zulegen. Die Aktie des Anbieters von Produkten und Systemen rund um die Luft- und Raumfahrt, IT und Elektronik bringt auf die Sicht von zehn Tagen ein Plus von 25 Prozent.  

Aber die grössten Gewinner in diesem Sektor im März kommen aus Deutschland. Beispiel Hensoldt. Der Anbieter von Verteidigungs- und Sicherheitselektronik aus München konnte jetzt im März schon um 50 Prozent zulegen und Rheinmetall aus Düsseldorf bringt innerhalb von zehn Tagen Kurssteigerungen von 70 Prozent.  

Die Übersicht

Dieser Text beschreibt die jüngsten Entwicklungen im HZ-Satelliten-Portfolio der HZ-Musterportfolios.

Wirkte Deutschland mit seiner Verteidigungsarmee der Bundeswehr in den letzten rund zehn Jahren noch richtig verschlafen – Schweizer Experten und Expertinnen bezeichnen den Zustand des Militärs bei den Nachbarn als «lahm»; es sind dort zum Beispiel von einer ganzen Hubschrauberstaffel nur zwei oder drei Maschinen einsatzbereit –, so hat der Sektor nun wie durch den Schlag einer Faust in den Nacken einen gewaltigen Schub bekommen.  

Der Ukraine-Krieg hat die Schwächen der deutschen Bundeswehr offenbart. Der deutsche Bundeskanzler will jetzt gleich 100 Milliarden Euro für Rüstung bereitstellen. Zudem soll künftig die Nato-Vorgabe für das Bündnis von 2 Prozent des Volkseinkommens auch in Deutschland in die Rüstung fliessen. Das ist in etwa ein Anstieg von 50 Prozent zum bisherigen Betrag.  

Dass eine Rheinmetall da explodiert ist, nicht verwunderlich. Die Düsseldorfer sehen sich mit vielen ihrer Produkte für militärische Fahrzeuge oder Systeme für die Luftwaffe, bei Sensoren und Schutzvorrichtungen in vielen Bereichen als Technologieführer weltweit.  

Im vergangenen Jahr steigerten die Rheinländer ihren Umsatz um 4,7 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Unabhängig von den nun kommenden gewaltigen Extraaufträgen durch den deutschen Staat lässt die Auftragslage bei Rheinmetall ohnehin starkes Wachstum erwarten.  

Per Ende September konnte das MDAX-Mitglied seinen Auftragsbestand zum Vorjahresstichtag um 70,3 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro ausweiten. Dabei ist Rheinmetall weniger ein Hersteller von herkömmlicher Kriegsmaschinerie, sondern eher ein Technologiekonzern.  

Die Düsseldorfer sehen sich in Bereichen wie Automatisierung, Digitalisierung, Sensorik, E-Mobilität oder künstliche Intelligenz als führend. Da die deutsche Bundesregierung schon jetzt, wenige Tage nach Beschluss des gewaltigen Ausbaus des Militärbudgets, mit Rüstungskonzernen über Abnahmeverträge spricht, könnte es bei Rheinmetall in den nächsten Wochen und Monaten eine Flut an Orders geben. Das könnte den Kurs schon kurzfristig weiter antreiben.  

Bei einem geschätzten Gewinn von 13 Euro je Aktie im nächsten Jahr ist Rheinmetall mit einem 11er- oder 12er-KGV günstig bewertet. Bei einem Technologieunternehmen mit mehr oder weniger staatlich garantierter Abnahme wäre auch eine Gewinnbewertung mit Faktor 15 bis 20 noch nicht übertrieben. Auf Sicht von ein bis zwei Jahren sind bei der Aktie Kurse von 200 Euro oder mehr drin.  

Ein Investment in die Firma könnte sich als sehr profitabel erweisen. Die Entscheidungsfindung dazu führt aber über ein ethisches Minenfeld: Darf man als Anleger oder Anlegerin vom Krieg profitieren? Wie ist ein aktives Investment in eine Rüstungsfirma zu bewerten? Macht es einen Unterschied, dass die Rüstungsfirma auf der defensiven, deutschen Seite steht? Stärkt ein Investment in eine deutsche Rüstungsfirma vielleicht sogar indirekt die Fähigkeit des Landes, den Frieden aufrechtzuerhalten?  

Die Antwort auf diese Fragen überlassen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.     

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