Börsianerinnen und Börsianer brauchen derzeit besonders starke Nerven. So gab es am Freitag gleich doppelte Aufregung. Unerwartet schwache Arbeitsmarktzahlen aus den USA schoben die Kurse in den internationalen Indizes teils um 3 oder 4 Prozent nach oben. Schwacher Arbeitsmarkt, steigende Kurse? Wie geht das zusammen?

Schwache Daten zu den Arbeitslosenzahlen dämpfen Sorgen auf zu starke Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed. Denn läuft die Konjunktur weniger stark, also mit mehr Arbeitslosen oder einem weniger dynamischen Arbeitsmarkt, dann sind auch zu hohe Leitzinsen weniger wahrscheinlich.

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Nach diesem Freudensprung Ende der Woche sorgte nachbörslich der zumindest vorübergehende Lieferstopp beim russischem Gas nach Europa über die Pipeline Nord Stream 1 für den nächsten Rückschlag.

Die Gewinne vom Nachmittag waren schnell verbraucht. Kein Gas aus Russland für Europa – die Ängste vor einer Rezession steigen wieder, und als direkte Folge des Lieferstopps kam es gestern gleich einmal zu einem Preissprung bei Gas um 35 Prozent. Nachdem wir in diesem unsicheren Umfeld bereits vor einer Woche die kleineren und damit riskanteren Titel aus dem Musterdepot genommen hatten, steigen wir auch bei Rieter aus.

Handelszeitung Portfolio

Dieser Text beschreibt die jüngsten Entwicklungen im «Handelszeitung»-Portfolio.

Die Aktie des Textilmaschinenherstellers ist einfach etwas zyklisch, und wachsende Rezessionssorgen sind nicht gut für den Kurs des SPI-Mitglieds aus Winterthur. Man muss nur einen Blick auf die Performance im SMI in den letzten zwölf Monaten werfen: Von den zwanzig Indexmitgliedern sind nur vier im Plus – und zwei davon kommen aus dem Sektor der Versicherungen.

Mit einem Jahresplus von jeweils rund 7 Prozent stehen Zurich Insurance und Swiss Life ganz oben auf der Gewinnerliste.

Zwar ist auch Zurich Insurance attraktiv, aber wir legen in dieser Woche Swiss Life unter die Lupe und nehmen die Aktie auch in das Musterdepot auf. Einerseits bestehen beim Versicherungskonzern schon kurzfristige Kurschancen. Die Aktie ist in den letzten Wochen auf die psychologische Marke bei der Unterstützung von 500 Franken zurückgefallen.

Von dort könnte es zum schnellen Rebound kommen. Bereits im März und Anfang August kletterte der Titel von dieser Marke innert weniger Wochen deutlich in die Höhe.

Dazu kommt: Nur wenige Franken über der Unterstützung verläuft die obere Begrenzungslinie des Abwärtstrends vom Allzeithoch im April. Kommt es zum Abpraller von der psychologischen Marke und durchbricht die Aktie dann auch noch die Trendlinie, könnte es bei Swiss Life zu einer schnellen und deutlichen Bewegung nach oben kommen.

Ist das SMI-Mitglied damit für kurzfristig orientierte sowie für Trading-orientierte Börsianerinnen und Börsianer spannend, so kommen beim Versicherer auch Investoren und Investorinnen mit einem mittleren bis längerfristigen Anlagehorizont auf ihre Kosten.

Denn Swiss Life ist ein absolutes Wachstumsunternehmen. In den letzten vier Jahren stiegen die Gebühren und Kommissionen um 50 Prozent, der Gewinn aus den Gebühren kletterte in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt um 20 Prozent im Jahr nach oben, und es gibt Dividende bis zum Abwinken.

Die Zahlung wird Jahr für Jahr erhöht und liegt derzeit bei knapp 6 Prozent. Dieses operative Wachstum spiegelt sich im Kurs der Aktie wider. In den letzten zehn Jahren bringt der Titel inklusive gezahlter Dividenden einen Gewinn von rund 700 Prozent.

Dazu kommt: Der Shareholder-Value-Gedanke ist bei Swiss Life stark ausgeprägt, nicht nur wie geschildert in Form hoher und beständig steigender Dividenden, sondern auch über Aktienrückkäufe. Diese sind beim SMI-Mitglied fast an der Tagesordnung. So wurden beispielsweise zwischen Februar 2020 und März 2021 für 400 Millionen Franken 900’000 Aktien und zwischen Dezember 2021 und März weitere 300’000 Aktien an der Börse eingesammelt und dann eingezogen. Die Zahl der Aktien ist durch diese beiden Aktienrückkäufe um rund 3 Prozent gesunken.

Noch bis Mai 2023 läuft schon der nächste Aktienrückkauf, diesmal im Volumen von bis zu 1 Milliarde Franken. Diese Massnahmen erhöhen nicht nur den Gewinnanteil der verbliebenen Aktien, sondern sind auch ein gutes Instrument zur Kurspflege.

Da Swiss Life das Ergebnis aus Gebühren von 699 Millionen Franken im vergangenen Jahr bis 2024 auf 850 bis 900 Millionen Franken steigern will, ist ein Ende üppiger Dividenden und weiterer Aktienrückkäufe nicht in Sicht. Mit moderatem 10er-KGV auf Basis 2023 ist die Aktie obendrein noch nicht einmal hoch bewertet, der Kurs sollte weiter steigen.

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