Das Leben in der Schweiz ist im vergangenen Jahr günstiger geworden. 2021 wird sich das kaum wiederholen.

Die durchschnittliche Jahresteuerung betrug 2020 -0,7 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik am Dienstag mitteilte. Das letzte Mal war sie im Jahr 2016 negativ.

Tiefe Preise für Erdölprodukte

Gespürt haben dies Herr und Frau Schweizer primär an der Tankstelle sowie beim Kauf von Heizöl. Ein Hauptgrund für das rückläufige Preisniveau seien tiefere Preise für Erdölprodukte gewesen, so das BFS.

Zudem hätten sich in der Statistik tiefere Preise für Pauschalreisen und im Luftverkehr niedergeschlagen. Auf der anderen Seite seien die Preise für Wohnungsmieten und für Automobile gestiegen.

Eine Rolle spielte bekanntlich auch der Schweizer Franken, der mit seiner zeitweisen Stärke im Jahresverlauf die Inflation dämpfte. Dies trug - neben dem Erdöleffekt - dazu bei, dass sich hauptsächlich Importgüter verbilligten (-2,9%), während sich die Preise für einheimische Ware insgesamt kaum veränderten.

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«Tiefpunkt ist erreicht»

Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Geschichte 2021 nicht wiederholen wird. «Wir sehen den Tiefpunkt der Jahresrate nun erreicht», heisst es in einem Kommentar von Raiffeisen. Das Institut erwartet für 2021 eine durchschnittliche Jahresteuerung von +0,2 Prozent. Andere befragte Experten schätzen Werte von ebenfalls +0,2 bis +0,5 Prozent.

Konkret wird unisono erwartet, dass die monatlich berechnete Inflation im Frühling ins positive Terrain vorstossen wird. Im letzten Jahr hatte die Inflation einzig im Januar leicht angezogen. Danach waren zeitweise Monatswerte von bis zu -1,3 Prozent erreicht worden.

Der Ölpreis steigt

Der Hauptgrund für die anziehende Inflation im Jahresverlauf 2021 sei aber weniger eine Preisdynamik, sondern die auslaufenden Ölpreis-Effekte aus dem Vorjahr, meint CS-Ökonom Maxime Botteron.

Alessandro Bee von der UBS erinnert daran, dass ein Fass Rohöl im letzten Frühling zeitweise um die 20 Dollar kostete, für den Frühling 2021 erwartet er nun Preise von um die 45 Dollar.

Eine starke Teuerung ist nicht zu erwarten

«Zudem rechnen wir mit einem leicht schwächeren Schweizer Franken, was die Deflationstendenzen der Auslandprodukte dämpfen dürfte», ergänzt David Marmet von der ZKB.

Etwas helfen könnte laut Raiffeisen-Experte Alexander Koch auch die Mineralölsteuererhöhung, die bereits im Januar einen gewissen Effekt haben dürfte. Grosse Inflationssprünge seien aber nicht zu erwarten, meint er. «Die angeschlagene Konjunktur und vielerorts tief ausgelastete Kapazitäten bedeuten geringen Preisdruck.»

Früherer Ausverkauf?

An der Prognose für eine baldige «Inflationswende» ändert auch nichts, dass die Jahresteuerung im Dezember 2020 überraschend tief ausfiel (-0,8%). Diese Entwicklung sollte laut den Effekten nicht überschätzt werden. «Ich kann mir gut vorstellen, dass der Detailhandel aufgrund der heutigen Ausnahmesituation schon früher als sonst die Preise senkte», meint etwa UBS-Experte Bee.

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Die Prognosen für 2021 sind gleichwohl mit einer etwas höheren Unsicherheit behaftet. Das liegt auch daran, dass das Bundesamt für Statistik im Rahmen einer regelmässigen Revision den Warenkorb des Landesindex für Konsumentenpreise angepasst hat.

Ab 2021 werden neu etwa Einweg-Hygienemasken, Glücksspiele oder Elektrofahrräder mitberücksichtigt.

Wer es ganz genau wissen will, kann im übrigen nun mit einem individuellen Teuerungsrechner seine «persönliche Inflation» berechnen. Die offizielle Inflation ist bekanntlich nur ein Durchschnitt, der für alle Haushalte gilt.

Wer also den Eindruck hat, dass die veröffentlichte Teuerung nicht mit seiner eigenen übereinstimmt, kann den Warenkorb seinen eigenen Ausgaben anpassen (https://lik-app.bfs.admin.ch/de/itr).

(awp/mbü)