Die internationale Medienbranche bleibt nach zwei grossen Deals offenbar weiter in Bewegung. Laut Presseberichten soll der weltgrösste Online-Händler Amazon an den Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) Filmstudios interessiert sein. Wie die «Financial Times» («FT») und weitere Medien wie «The Information» und «Variety» am Dienstag berichteten, befindet sich Amazon seit Wochen in Verhandlungen über einen Kauf von MGM für rund neun Milliarden US-Dollar (7,4 Mrd Euro).

Mit dem Filmstudio könnte Amazon seinen Streaming-Dienst Prime Video im zunehmend harten Wettbewerb stärken. Amazon und MGM wollten sich gegenüber der «FT» und «Variety» dazu nicht äussern.

Erst Anfang dieser Woche hatte die Konsolidierungswelle in der Branche dafür gesorgt, dass der US-Telekomriese AT&T seine Mediensparte Warner Media (CNN, HBO, Warner Bros.) mit dem Angebot des Rivalen Discovery zusammenlegen will, um das Streamingangebot zu stärken. In Europa wollen die französischen Fernsehfirmen M6 und TF1 zusammengehen, grosse Aktionäre sind der französische Mischkonzern Boygues und die luxemburgische Mediengruppe RTL .

MGM ist noch unabhängig

MGM ist eines der wenigen noch nicht von einem Grosskonzern geschluckten Hollywood-Filmstudios. Die Konkurrenz von Warner Bros. gehört noch zu AT&T, Fox zum Unterhaltungsriesen Disney, Universal zum Kabelkonzern Comcast, und Paramount zum Medienkonzern ViacomCBS. Grösster Anteilseigner von MGM ist der Hedgefonds Anchorage Capital, der nach der Finanzkrise ab 2010 in die strauchelnden MGM-Studios investierte.

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MGM hat wie der Rest der Branche in der Pandemie unter geschlossenen Kinos zu leiden, der Start der Blockbuster-Hoffnung «No Time to Die» aus der James-Bond-Reihe musste bereits mehrfach verschoben werden. Dagegen boomt mit fehlenden Ausgehmöglichkeiten in Nordamerika und Europa das Video-Streaming zu Hause. Die Streamingkonzerne investieren mittlerweile neben dem Ankauf von Lizenzen auch viel Geld in eigene Produktionen, um das Angebot auszuweiten.

Amazon etwa schraubte die Ausgaben für Produktion und Lizenzen von Video- und Musikinhalten vergangenes Jahr von 7,8 auf 11 Milliarden Dollar hoch. MGM bietet neben Filmen auch in kleinerem Stile Serien an.

Auch Netflix zeigte Interesse

Vergangenes Jahr soll der Streaming-Platzhirsch Netflix auch Interesse daran gezeigt haben, die Exklusivrechte für den neuen James-Bond-Kinofilm aus den MGM-Studios zu kaufen. Dem Streamingdienst war dem Vernehmen nach letztlich aber der aufgerufene Preis zu hoch.

(awp/gku)