Es gebe nach wie vor Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf, teilte die BIZ am Dienstag zur Vorlage ihres Wirtschaftsberichts 2021 mit. «Auch wenn sich die Wirtschaft rascher und stärker erholt hat, als sich das irgendjemand vor einem Jahr hätte vorstellen können, sind wir noch nicht über dem Berg», sagte BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens. Geld- und Fiskalpolitik müssten einerseits Unterstützung bieten. Zugleich müssten sie aber auch Spielräume bewahren.

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«Um eine nachhaltige Erholung zu sichern, müssen die länger anhaltenden Folgen der Pandemie bewältigt werden», erklärte Carstens. Dies sei eine anspruchsvolle Aufgabe.

Mehr Verschuldung

Seine Begründung: «Der Ausstieg aus der Pandemie geht mit einer höheren öffentlichen Verschuldung, niedrigeren Zinsen und ausgeweiteten Zentralbankbilanzen einher.» Die in Basel ansässige BIZ wird häufig als Notenbank der Notenbanken bezeichnet. Sie gilt als Denkschmiede für die internationale Geldpolitik.

In der Euro-Zone hat die EZB beispielsweise zu Krisenbeginn ein neues billionenschweres Notfall-Anleihenkaufprogramm aufgelegt, um die Pandemie-Folgen abzumildern. Es ist auf 1,85 Billionen Euro angelegt und soll noch bis mindestens Ende März 2022 laufen. Entsprechend stark ist die ohnehin bereits ausgeweitete Zentralbankbilanz zusätzlich angeschwollen. Der Leitzins im Euro-Raum liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Aus Sicht der BIZ wird eine Normalisierung der Geldpolitik nach der Pandemie einen Sicherheitspuffer schaffen. Dieser sei zur Bewältigung unerwarteter negativer Ereignisse oder Rezessionen auch nötig. Wie Carstens im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters erläuterte, sieht er die Zinsanhebungen in einigen Schwellenländern als Reaktion auf steigende Inflationsraten zwar positiv.

Er rechnet aber damit, dass damit in den Industriestaaten noch gewartet wird. «Es wäre nicht angemessen, die Geldpolitik heute zu straffen nur um die gemessene Inflation zu verringern und eine Erholung der Wirtschaft zu opfern», sagte er. Dies würde keine grosse Zentralbank wollen.

Eine der zentralen Fragen in der Geldpolitik ist zurzeit, ob der jüngste Anstieg der Inflationsraten nur vorübergehend oder dauerhaft ist. «Zum gegenwärtigen Zeitpunkt denken wir, dass es höchstwahrscheinlich vorübergehend sein wird», sagte Carstens. Dies ist auch eine der Kernannahmen in dem zentralen Erholungsszenario, das die BIZ in ihrem Wirtschaftsbericht entwirft.

Darüber stellt die BIZ noch zwei alternative Szenarien vor. In dem einen führen starke Konjunkturhilfen und ein Abbau der in der Pandemie gehorteten Ersparnisse zwar zu einem kräftigeren Wachstum. Doch auch die Inflation zieht darin deutlich an und es kommt zu einer erheblichen Verschärfung der Finanzierungsbedingungen. In einem zweiten Alternativszenario erweist sich der Virus als schwer einzudämmen, weshalb das Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt. 

(reuters/tdr)