Der Bund erhält die Daten zum Stromverbrauch mit mehrmonatiger Verzögerung: Zum jetzigen Zeitpunkt habe der Bund gemessene Daten zum Stromverbrauch bis im Mai, für Juni gebe es eine Hochrechnung, schreibt das Bundesamt für Energie (BFE) am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Ende September folgen dann die gemessenen Daten bis Ende Juni sowie eine Hochrechnung für Juli. Darüber hatten zuvor der "Sonntagsblick" und "Schweiz am Wochenende" berichtet.

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Grund für diese Verzögerung ist die fehlende Digitalisierung bei den Stromunternehmen. Vor allem kleinere lokale Energieversorgungsunternehmen könnten ihre Messdaten nicht automatisiert übermitteln, schreibt das BFE. Weil diese Digitalisierung noch nicht flächendeckend vorhanden sei, könnten aktuelle Messdaten kurzfristig nicht bereitgestellt werden.

Überprüfen der Stromspar-Effekte

Das dürfte zur Folge haben, dass der Bund nicht weiss, wie effektiv die aktuellen Stromspar-Bemühungen sind. Der Bundesrat fährt angesichts des drohenden Mangels beim Strom die Strategie, dass die Bevölkerung und die Wirtschaft den Verbrauch freiwillig senken sollen, um einen Strommangel verhindern zu können. Wenn diese Freiwilligkeit nicht genügt, will der Bund zu einem System von Kontingentierungen des Stromverbrauchs greifen.

Das BFE schreibt, dass es möglichst aktuelle Zahlen brauche, damit die Wirkung der Energiesparmassnahmen gemessen werden könnten. Nur auf Basis aktueller Zahlen könne entschieden werden, ob die Sparbemühungen ausreichten oder ob es zusätzlich Einschränkungen, Verbote oder "im schlimmsten Fall" auch Kontingentierungen brauche. Voraussichtlich ab Dezember könne die aktuelle nationale Stromnachfrage abgeschätzt und die Wirksamkeit der Stromsparmassnahmen beobachtet werden.

Kritische Tage dank Daten vorab erkennen

Aus diesem Grund wird gemäss BFE derzeit ein Monitoring im Strom- und im Gasbereich vorbereitet. In dieses sollen die aktuellen Daten der Energiebranche einfliessen. Diese Informationen sollen dann mit der Versorgungslage in Europa sowie mit den Daten zur Wetterentwicklung kombiniert werden. Dies, weil der Stromverbrauch zum Beispiel auch von den Temperaturen abhängt und die Schweiz im Strombereich eng mit Europa verknüpft ist.

Dank dieses Monitorings könnten kritische Tage oder Stunden im Voraus erkannt werden, schreibt das BFE. Die Bevölkerung und die Wirtschaft könne dann gezielt zum Stromsparen aufgerufen werden. Ähnlich des Dashboards während der Corona-Pandemie mit der Übersicht über Ansteckungen, Spitaleinweisungen und Todesfällen sollen auch diese Daten der Öffentlichkeit "leicht verständlich" zur Verfügung gestellt werden.

In Zukunft soll der Stromverbrauch automatisch erfasst werden. Seit dem 1. Januar 2018 ist die Einführung der sogenannten Smart Meter gesetzlich vorgeschrieben. Mit diesen muss der Stromverbrauch nicht mehr von Hand abgelesen werden. Bis 2027 soll die Abdeckung mit intelligenten Stromzählern 80 Prozent betragen. Heute liegt diese gemäss BFE noch unter 30 Prozent. (sda/csm)