Der Chef des Münchner Banknotenherstellers Giesecke+Devrient rechnet damit, dass es absehbarer Zukunft von Zentralbanken ausgegebenes digitales Geld geben könnte. Damit bekämen private Kryptowährungen, wie der Bitcoin, staatliche Konkurrenz.

Einem ersten chinesischen Versuch zu den Olympischen Winterspielen würden voraussichtlich andere Länder folgen, erwartet G+D-Chef Ralf Wintergerst.

China und Schweden treiben die Entwicklung voran

«Die People's Bank of China hat angekündigt, zu den Olympischen Winterspielen 2022 eine sogenannte 'digital currency electronic payment' einzuführen», sagte Wintergerst am Freitag.

«Das ist neu.» Er betrachte die chinesische Ankündigung als ersten Live-Versuch. «China und Schweden sind die zwei Länder, die am weitesten fortgeschritten sind, wobei China mit dem angekündigten Launch zu den Winterspielen ein Zeichen gesetzt hat. Wir stehen als Europa gerade erst am Anfang der Entwicklung.»

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Grosse Herausforderungen

Technisch würde ein digitaler Euro dem Bitcoin ähneln. Aber im Gegensatz zu der berühmten Kryptowährung stünde er unter Aufsicht einer Zentralbank. Digitale Währungen funktionieren auf Basis einer sogenannten Blockchain – also über eine Kette von Datenblöcken, die sich mit jeder Transaktion ausbaut.

Ein solcher Euro würde dabei als digitale Einheit existieren und für Online-Geschäfte verfügbar sein. Man bräuchte, wie beim Bitcoin, eine eigene Wallet, in der das digitale Geld abgelegt wird. Moderne Smartphone-Banken haben diese schon standardmässig an die Girokonten angedockt.

Drei grosse Herausforderungen

G+D-Chef Wintergerst sieht drei grosse Herausforderungen: die grundsätzliche Sicherheit einer digitalen Währung, der Schutz der Privatsphäre und das Risiko für das Bankensystem.

G+D hat international mehr als 100 Zentralbanken als Kunden. Neben dem Banknotendruck ist das Unternehmen mittlerweile auch auf digitale Sicherheitstechnologien wie die Verschlüsselung spezialisiert.

(reuters/mbü)