Die deutsche Regierung beschuldigt die Administration des US-Präsidenten Joe Biden, deutsche Geschäftsinteressen zu beeinträchtigen, indem sie europäische Unternehmensvertreter weiter daran hindert, in die USA einzureisen.

Die US-Regeln hätten zu Spannungen mit Berlin geführt, weil die EU ihre Türen für Amerikaner geöffnet hat, während in umgekehrter Richtung weiterhin Beschränkungen in Kraft seien, sagt Peter Beyer, der Koordinator der Bundesregierung für die transatlantische Zusammenarbeit .

«Wir müssen bei den Einreisebestimmungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Schengenraum schnell zu einer faktenbasierten Reziprozität kommen», sagte Beyer im Bloomberg-Interview. «Ich teile die Sorge der USA vor der sich rasant ausbreitenden Delta-Variante. Aber nach meiner Wahrnehmung wäre eine Lockerung der Einreiseregeln für vollständig geimpfte Bürger aus dem Schengenraum durchaus vernünftig und vertretbar. Der Schengenraum hat ja zuletzt auch die Einreisebestimmungen für US-Amerikaner gelockert.»

Hohe Fallzahlen in den USA

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Thema bei einem Treffen im Weissen Haus am 15. Juli mit Biden angesprochen. Der US-Präsident sagte Reportern, dass er das Thema »innerhalb der nächsten Tage» nach Rücksprache mit seinem Covid-Team ansprechen werde. In den USA gab es in den letzten sieben Tagen fast 1300 Fälle pro 1 Million Einwohner, verglichen mit 140 in Deutschland, wie von «Bloomberg» zusammengestellte Daten zeigen.

«Vor allem die Wirtschaft wartet fast verzweifelt auf Lockerungen», so Beyer. «Und wir reden hier nicht von Peanuts: Deutsche Konzerne sind ein fester Bestandteil der amerikanischen Wirtschaft – sie haben knapp eine Million Arbeitsplätze in den USA geschaffen.»

(bloomberg/gku)